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HAZ Wochenendbeilage 14.02.2015

Die Unterhaltungsmaschine

Was morgen auf den Kleinkunstbühnen und Straßenfesten im land zu sehen sein wird, ist heute bei der Kulturbörse in Freiburg zu sehen. hier suchen sich Veranstalter die Künstler für ihre Programme aus. Wie überzeugen die ihr wichtigstes Publikum? ein Messerundgang.

Von Uwe Janssen
Halb elf ist hart. Halb elf morgens. Lustig sein. Witze machen. Pointen setzen. Nicht vor Normalpublikum in einem Theater, sondern in einer Messehalle vor ein paar Hundert kritischen Beobachtern, die eigentlich schon alles gesehen haben. Zu allem Überfluss bringt der Auftritt kein Geld, sondern kostet. Wer tut sich so was an? Was nach fiesem Dieter-Bohlen-Casting klingt, ist das jährlich Brot der deutschsprachigen Kleinkunstszene: die Internationale Kulturbörse in Freiburg. Till Reiners ist gleich dran. Er steht am Rande des Saals und schaut Strange Comedy zu, einem Duo aus Übersee, das im Theatersaal 1 den Auftakt macht. Lustig-Akrobatik ohne Worte, mit eingespielten Geräuschen. Ein seltsames Vorprogramm für einen Wortkünstler, aber auch keine direkte Konkurrenz für den 29-jährigen Duisburger. Reiners gehört zu einer neuen hoffnungsvollen Kabarettgeneration mit Slam-Poetry-Hintergrund, die mit Macht in die Szene drängt und der Richard Rogler-Generation kräftig Feuer macht. Er hat schon diverse Preise gewonnen, aber das zählt hier und heute alles nicht. Knappe 20 Minuten hat er – wie alle anderen – , um auf sich aufmerksam zu machen und die vielen angereisten Veranstalter mit ihren Kulis und Smartphones zu überzeugen, sich eine Notiz hinter seinem Namen zu machen. 20 Minuten, die über vieles entscheiden, was sich in den nächsten Monaten abspielt. Ist er gut, füllen sich die Auftragsbücher, ist er schlecht, spricht es sich schnell herum, noch schneller als ein guter Auftritt. Von denen gibt es hier an drei Tagen genug.
Halb elf ist hart. Aber die Reihenfolge bestimmen die Veranstalter. Grundsätzlich ist Reiners schon ein Gewinner. Denn er gehört zu den Auserwählten. Die Auftrittsfenster sind äußerst begehrt, obwohl die Künstler für ihre Kostprobe 410 Euro und für den obligatorischen Messestand noch mal rund 100 Euro pro Quadratmeter zahlen. Aber es rechnet sich. Wenn man gut ist. Hiltraud Krause vom Pavillon Hannover war diesmal in der fünfköpfigen Auswahlkommission für darstellende Kunst. 250 Bewerbungsvideos hat sie gesichtet, 200 davon wanderten in die Tonne. „Da fliegen auch Gute raus. Aber die Mischung muss stimmen“, sagt sie. Krause ist auch da, um sich beiden Straßentheater-Künstlern – einer Sondersparte der Kulturbörse – nach Geeignetem für das hannoversche Maschseefest umzuschauen, wo der Pavillon das Nordufer bespielt. 11 Uhr. Till Reiners steht auf der Bühne. Nach den Slapstickclowns gibt er den theatralisch deklamierenden Zyniker. „Gute Ratschläge sind immer besser für den, der sie rät. Du willst in allem der bessere sein. Egal, was man macht, du bist krasser. Du gehörst zu den Menschen, die groß gestikulieren, weil sie ihren eigenen Worten nicht trauen.“ Harter Stoff für Dienstagvormittag. Hüsteln im Saal, kaum Lacher, aber auch nicht die Höchststrafe. Denn die Krone der Missfallenskundgebung ist in Freiburg der demonstrative Abmarsch, den auch der Künstler mitbekommt, weil die Metalltreppe der mobilen Tribüne so scheppert. Bei Reiners bleiben die meisten sitzen und lauschen der verbalen Druckbetankung. „Theater! Liebe ich! Voll geil! Aber zu wenig Blut und zu wenig Sperma! Ich nehme jetzt immer einen Ziegenkopf mit, in den onaniere ich dann während des Stücks!“ Reiners bekommt das Publikum am Ende doch, sein Vortrag ist professionell und lässt erahnen, dass ein ganzer Abend sehr gut aufgeht. Der Duisburger gehört zu den Künstlern, für die eine gute Viertelstunde einfach zu kurz ist, weil sie einen Moment brauchen, um das Publikum an sich zu gewöhnen. Nicht jeder kann gleich von null auf hundert.


 

 

HAZ Wochenendbeilage 14.02.2015

Die Leute gieren nach Dingen, die sie noch nicht kennen

Matthias Brodowy kann schnell hochschalten. Der Hannoveraner hat am Abend zuvor die Eröffnungsgala moderiert und mit seiner kreativen Hibbeligkeit auch manchen Programmhänger vergessen lassen. Brodowy ist Profi, er hat das alles schon mitgemacht und mittlerweile ein stattliches Rüstzeug, das er problemlos der jeweiligen Situation anpassen kann (siehe Text auf der rechten Seite). Bei der Gala hat er vor allem Tempo gemacht. Während hinter dem Vorhang für den nächsten Gast umgebaut wurde, hat er sich wortgewaltig durch Alltagsthemen wie Bahnfahren oder Körpergewicht geblödelt. „Ich war entspannt“, sagt er später, „aber den Kollegen merkt man die Anspannung schon an, vor diesem kritischen Publikum zu spielen.“ Er habe in Freiburg auch schon gute Leute unter diesem Druck richtig untergehen sehen. „Aber grundsätzlich ist das eine Riesenchance, denn du kannst hier als komplett unbekannter Künstler auf einen Schlag richtig bekannt werden.“ Brodowy erinnert sich an einen Auftritt des Musikkabarett-Duos Queen Bee, hinter dem sich in den Neunzigerjahren die Pianistin Edda Schnittgard und die damals noch unbekannte Sängerin Ina Müller verbargen. „Danach wurde deren Agentur noch auf der Messe völlig überrannt.“ Wie schwer Moderationskabarett sein kann, erlebt Ingo Börchers an diesem Dienstagmorgen im Theatersaal 1. Er soll nur überleiten, möchte aber auch den einen oder anderen Gag unterbringen. Doch das Publikum ist unnachsichtig.
Während er etwas über Bielefeld erzählt, tun die Veranstalter, als gebe es ihn gar nicht und diskutieren über Reiners’ Auftritt. Oder sie gehen einfach. Früher war die Kulturbörse mal mitten in der Freiburger Innenstadt. Dass das Branchentreffen nun ins kühle Business-Ambiente des weiten, kahlen Messegeländes am Stadtrand umgezogen ist, bedauern die meisten. Andererseits sind 350 Aussteller, 250 Messestände, Seminare, Workshops und insgesamt fast 300 Auftritte für 4000 Besucher nicht mehr anders unterzubringen. 1989, als im Bürgerhaus im Seepark alles losging, bot unter anderem Rüdiger Hoffmann seine Humordienste per Kurzauftritt an. Auch Michael Mittermeier, Kaya Yanar, Bülent Ceylan, Bodo Wartke, Alfons und Hagen Rether sind diesen Weg gegangen. Sie treten heute live in Riesenhallen auf – oder sprechen ihr Publikum gleich durch eine Fernsehkamera an. Seit die Privatsender ihre Programme mit Comedians fluten, zieht sich ein Riss durch die Szene – zwischen denen, die im Fernsehen sind, und den anderen. Freiburg ist ein Treffen für die anderen. Geschadet haben Barth und Co. der Kleinkunst nicht. Im Gegenteil. Denn sie reformiert sich gerade. Die Poetry-Slam-Szene bringt reihenweise bühnenerfahrene Jungkabarettisten hervor. Manche fremdeln noch ein bisschen mit dem vermeintlich verstaubten Genre. Doch Künstler wie Marc-Uwe Kling („Das KänguruManifest“), Philipp Scharri oder Sebastian23 füllen auch ohne regelmäßige TV-Präsenz immer größere Säle – und das nicht nur mit Studenten. Auch Till Reiners gehört in diese Kategorie. 14 Uhr. Nach der Mittagspause wird im Theatersaal 1 weiterbespaßt. Auf der Bühne steht Marek Fis. Rotes T-Shirt, Jogginghose, Plastiktüte. Polen-Comedy, bisweilen frei um die Geschmacksgrenze kreisend. Er beherrscht erstaunlich viele deutsche Dialekte, manche Haudrauf-Pointen kommen gut, manche gehen voll in die Jogginghose. „Ich bin wie Franck Ribéry. Ich hab Glück im Spiel und Pech im Gesicht.“ Nun ja. Während der Pole konzentriert Überzeugungs
arbeit leistet, geht es in den meisten Bereichen der großen Halle wirklich zu wie auf einer ganz normalen Messe. Schilder, Stände, Gespräche, Kaffee aus Pappbechern. Hier werden ganz unwitzig Geschäfte gemacht, das Kreativ-Freigeistige der Kunst macht dem kühlen Spiel von Angebot und Nachfrage Platz, Nachfrager Franz Gottwald läuft mit einer Liste durch die Gänge, auf der er sich genau notiert hat, wen er sehen und möglicherweise für das Langenhagener Kleinkunstfestival Mimuse buchen will. Bis eben war die dem Langenhagener Publikum bestens bekannte Diseuse Alix Dudel noch an seiner Seite, doch die ist bei einem bekannten Veranstalter auf dem Gang stehen geblieben, und kann fünf Minuten später einen Auftritt ins Notizbuch schreiben – im Heilbronner Kulturkeller. Zum anschließenden Kaffee mit Gottwald stößt auch noch Klaus Grupe hinzu, der sich um das künstlerische Programm des Kulturzentrums bauhof in Hemmingen kümmert. Kurzer Austausch, ein paar Namen fallen, Uhrzeiten, Standnummern, Tipps. Auch Kleinkünstler Valter Rado ist da, das Straßentheater PasParTouT hat einen Messestand, Entertainer Desimo steht am Folgetag auf der Bühne. Hannovers Kleinkunstszene ist ziemlich komplett angerückt. Ganz entspannt läuft Nils Winterring über die Messe. Für den Leiter des hannoverschen Theaters am Küchengarten ist die Arbeit schon vorbei: „Ich hab’ schon alles gebucht“, sagt er. Trotzdem seien die Gespräche mit Menschen, mit denen man sonst das ganze Jahr über nur telefoniere oder maile, nicht zu ersetzen. Vera Brand, umtriebige Kulturmanagerin aus Garbsen, ist noch auf der Pirsch durch die Messehalle. Sie sucht sich Künstler für die Kulturtage im Mai zusammen – und ist bereits fündig geworden. Bei Katharina Witerzens, Standnummer 2.4.17. Die ausgebildete Clownin lässt in ihrem Programm „Katharinas Schaubude“ alte Jahrmarkttradition wieder aufleben. Ihr Stand ist einfach, ein paar Plakate, Tisch, Stühle, Kaffeemaschine, ein Koffer, ein Laptop für die Bildschirmpräsentation „und ich“. Vor allem letzteres. Die Künstlerin aus Celle hat zwar auch einen Youtube-Clip, aber den persönlichen Kontakt hält sie für unersetzlich. Sie tritt in kleinen Theatern auf, alles ist persönlich, da muss auch das Verhältnis zum Veranstalter stimmen. Vera Brand findet die Schaubude jedenfalls „zauberhaft“, die Garbsener können sich unter anderem auf die traurig-anmutige Geschichte von der „hässlichsten Frau der Welt“ freuen, die auf dem Leben der missgebildeten und im 19. Jahrhundert im Zirkus zur Schau gestellten Mexikanerin Julia Pastrana basiert. „Ihre Geschichte hat mich sehr berührt“, sagt Witerzens, öffnet den Koffer und holt eine Maske heraus. „So ungefähr hat sie ausgesehen.“ Ihre Schaubude ist ein Nischenprogramm, das durch manches Raster fällt. Aber genau das sei ein Vorteil, Stichwort Alleinstellungsmerkmal. „Die Leute freuen sich, mal was zu sehen, das nicht Kabarett oder Comedy ist.“ Bei Witerzens ist Kleinkunst noch Kleinkunst. Ihr Revier sind kleine Theater mit bis zu 150 Plätzen, sie spielt „am liebsten unverstärkt, damit der Draht zum Publikum da ist“. Ihren Satz „Mein Programm braucht ein bisschen Aufmerksamkeit“ kann man in viele Richtungen interpretieren. Wie zum Beweis für sofortige Aufmerksam
keit hebt am Stand nebenan ein irres Getöse an. Eine Hebebühne fährt einen Mann in die Höhe, der angeschnallt vor einer riesigen Trommel sitzt und nun in alle Richtungen rotierend und sogar kopfüber wild auf sein Instrument eindrischt. Alle gucken. Straßentheater muss Menschen erst zu Publikum machen. Mit Nähe. Mit Witz. Oder eben mit Lautstärke. Bei Peter Till läuft es ähnlich. Der Dresdener hat sich in einem der Gänge der Messehalle eingerichtet, und das sogar ganz gemütlich. Eine Sitzecke, eine Stehlampe und daneben sein Prunkstück: eine umgebaute Ape, dieses dreirädrige Mini-Fahrzeug. Till, Werkzeugmacher von Haus aus, hat das lustige Vehikel zu einer Multifunktionsmusikmaschine umgerüstet, die er das Universal-Druckluft-Orchester nennt. Auf der Ladefläche finden sich ein Schlagzeug, eine Gitarre, ein Klavier, eine Melodica und diverse Schalter und Hebel, um einen Sonnenschirm tanzen zu lassen und auch sonst die ganze Kiste dauerhaft in Bewegung zu halten. „Da ist ein Rechner drin, ich mache heute keine Lochstreifen mehr“, sagt der Tüftler, der bei der Arbeit einen Frack in Wagenfarbe trägt. Wenn er in Freiburg sein Auto-Orchester zum Klingen bringt, hat er schnell Publikum. Handys werden gezückt, Filmchen gedreht, einige finden möglicherweise als Gagclip Verbreitung in der Facebook-Welt. Auch sogeht Marketing heute. Till ist regelmäßig hier, er hatte auch schon einen Kurzauftritt in Freiburg, und er hat auch manchen Kollegen vor diesem gnadenlosen Publikum scheitern sehen: „Da geht der Daumen hoch oder runter. Das ist eine Fleischbeschau der ganz besonderen Art.“ Die Kriterien sind für ihn klar: „Entweder du bist ein Überflieger, oder du machst was ganz Originäres. Die Leute gieren nach Dingen, die sie noch nicht kennen.“ Letztere Bedingung trifft auf den Musikmaschinisten zu, nicht nur, weil sein Arbeitsgerät ein Hingucker ist. Der Laden läuft, Stadtfeste, Landsausen, Seepartys (wie das hannoversche Maschseefest), Firmenevents, „Privatleute schaffe ich schon gar nicht mehr“. Wobei Ausnahmen von der Regel eine Frage des Preises sind. Peter Till versteht sich nicht nur als Künstler, sondern vor allem als flexibler Dienstleister: „Ich kann auf alles sehr schnell reagieren. Ortswechsel oder Programm wechsel, alles kein Problem. Versuch das mal mit einer Vier-Mann-Kapelle.“ Während Till entspannt akquiriert, kugelt ein paar Meter weiter ein lebendes Stehaufmännchen durch die Gänge. Der Walkact ist zu einer Art Allzweckwaffe der Eventkultur geworden. Kaum eine Open-Air-Veranstaltung, bei der nicht Riesenclowns, lebende Glühlampen, Elefanten auf Dreirädern, Fabelwesen aus Fahrradteilen oder andere abnorme Gestalten auf direkte Tuchfühlung mit dem Publikum gehen. Der Herr mit Bart nennt sich Monsieur Culbuto und stammt vom französischen Straßentheater Dynamogène. „Bei uns wird viel stärker getrennt zwischen Kunst und Business“, sagt Theatermanager Allessandro Milani. Nichtsdestotrotz hofft er auf einen neuen Kundenkreis. Und: „Das Kleine Fest in Hannover, das wär etwas für uns.“ „Wir spiegeln nur wider, was am Markt passiert“, sagt Festivalleiter Holger Thiemann, der seit Beginn des Freiburger Treffens vor 27 Jahren in den Breisgau bittet. Mit der Verbindung von Kunst und Geschäft hat er kein Problem. „Sie sprechen nicht gern darüber, aber auch Künstler müssen Geld verdienen.“ Thiemann hat seit 1989 auch die beiden Humor-Deutschlands zusammenwachsen sehen – kein abgeschlossener Prozess. „Man sieht, dass so etwas Zeit braucht. Im Osten gibt es immer noch viel klassisches politisches Kabarett wie im Westen zu Hildebrandt-Zeiten, Lach und Schieß oder die Wühlmäuse.“ Insgesamt sei der Markt, auch durch das Fernsehen, größer und härter geworden mit der Zeit, aber durch die Poetry-Slammer habe das Genre Kabarett einen frischen, vitalen Schub bekommen. Matthias Brodowy sieht die Kleinkunst auch mit einem neuen Publikumsverhalten konfrontiert. Weniger experimentierfreudig sei es heute, „die Leute wollen sicher sein, dass der Humor ihrer ist. Deshalb gehen viele zu Künstlern, die sie aus dem Fernsehen kennen, in große Hallen und zahlen dann gern auch mal 50 Euro. Brodowy, der mittlerweile auch große Säle füllt, will nicht auf die kleinen verzichten. „Ich spiele immer noch regelmäßig in der hannoverschen Werkstatt-Galerie Calenberg. Die haben mich auftreten lassen, als ich noch unbekannt war, und jetzt kann ich mich dafür bedanken und mache ihnen die Hütte voll. Das finde ich nur fair.


 

wir sind die Ehnerts: amüsant-nachdenklicher Ehekrach mit Scheidungskrieg auf der Bühne des hemminger Kulturzentrums.

HAZ Leine Nachrichten 12.12.2014

Und Ex-Freundin Svenja hat die Eins

Die Ehnerts beim Blind Date: Unterhaltsames Kammerspiel im ausverkauften bauhof

von Michael Krowas Hemmingen-Westerfeld. Es ist ein Phänomen: Die letzte Saisonveranstaltung im Hemminger Kulturzentrum bauhof ist regelmäßig ausverkauft – und das, obwohl niemand weiß, wer beim Blind Date auf der Bühne stehen wird. Am Mittwochabend kamen 100 Gäste im Vertrauen darauf, dass das bauhof-Team das richtige Programm als Saisonhöhepunkt ausgewählt hat – und sie wurden nicht enttäuscht. Jennifer und Michael Ehnert schlüpften in die Rollen des Bullen und der Journalistin. Ihre Protagonisten sind Schauspieler in der fiktiven TV-Soap „Küss langsam“. Sie verlieben sich und bilden das ideale Paar, zumindest vor der Kamera. Hinter der Kamera ist nach drei Jahren Ehe längst der Rosenkrieg ausgebrochen. Das Publikum lernt die beiden Figuren auf dem Flur des Gerichts vor ihrem Scheidungstermin kennen. Soweit der Plot der Geschichte, der im Comedybereich wirklich neu ist. Was die beiden Ehnerts daraus an skurrilen Situationen entwickeln, ist mehr als großartig. Er, der tumbe Pingel, und sie, das naiv-laszive Schönchen, lassen es auf der Bühne krachen. Nicht nur die Größe spielt eine Rolle („Ist meiner zu klein?“ „Sagen wir so??...“), auch Nasenhaare und Mülltrennungsgewohnheiten werden thematisiert, das Ganze in hohem Gesprächstempo. Mehr absurde Kosenamen für den Liebsten kann man sich nicht ausdenken („Wann bist du von meiner Chefmaus zum Tütensuppenmodel geworden?“). Und warum hat Svenja, deine Ex, die Kurzwahltaste Nummer eins? Unter der Regie von Martin Maria Blau ist ein Stück entstanden, das sicher in einer Reihe mit dem legendären „Caveman“ genannt werden kann. Schöne Lichteffekte sorgen bei den actionreichen Rückblenden auch optisch für Abwechslung. Zeit zum Luftholen bleibt den bauhof-Besuchern bei derartig intelligenten Dialogsalven kaum. Sie verfolgen gespannt bis zum überraschenden Schluss den Streit der Gescheiterten – und spenden reichlich Applaus, der frigiden Zugenähten genauso wie dem Nasenzopf tragenden Langweiler.


 

 


 

Martin Gontarski und York machen am Sonnabend im bauhof unverdrossen ihre Arbeit. Krowas

HAZ Leine Nachrichten 14.05.2012

Auszug aus dem Programm macht Lust auf mehr

Phonolyrics spielen im bauhof 20 Minuten vor Mini-Publikum

VON MICHAEL KROWAS Hemmingen-Westerfeld. Kultur ist, wenn man die Veranstaltung trotzdem macht. Wohl wegen der zeitgleichen Alternativen des DFB-Pokal-Finales einerseits und der in Hannover stattfindenden „langen Nacht der Theater“ andererseits kamen am Sonnabend nur drei Gäste und einige Freunde der Künstler zum Auftritt von phonolyrics. Dann aber passierte das Spannende: Nicht die Künstler auf der Bühne, sondern das Team vom bauhof improvisierte. Man hätte den Auftritt absagen können, kaum jemand wäre böse gewesen. Aber Klaus Grupe beschloss, das Konzert stattfinden zu lassen. Der Saal im bauhof wurde kurzerhand umgestaltet: Stuhlreihen wichen Tischen mit Kerzen, eine angenehme Bar-Atmosphäre entstand. Grupe bat die Künstler um einen Programmauszug von 20 Minuten. Und in der Tat machte das Exzerpt Lust auf mehr. Das Ensemble, bestehend aus den Schauspielern Christiane Ostermayer und Günter Schaupp sowie den Musikern York und Martin Gontarski, bot ein Zusammenspiel von Klang, Wort und Bild: jazzig-urbane Grooves von York und Gontarski untermalten gelesene Texte, etwa von Brecht, Bukowski und Frisch; im Hintergrund liefen Großstadtbilder, schnell, hektisch, teilweise verstörend. Im bauhof wird bald mehr zu hören sein.


 

Brasilianisches Flair im bauhof: Yorio Da Casta (von links), Philipp Pumplün, Christian Schönefeld und Lutz Krajenski sind BrasilOrgan. Krowas

HAZ Leine Nachrichten 07.05.2012

BrasilOrgan unterhält mit brasilianischen Klängen

Musiker Lutz Krajenski lässt seine Jazzorgel im bauhof erklingen

Von Michael Krowas Hemmingen-Westerfeld. Lutz Krajenski ist wieder einmal im Kulturzentrum bauhof zu Gast gewesen. Am Freitag erfüllte er sich „einen musikalischen Traum“: Gemeinsam mit Yorio Da Costa, Philipp Pumplün und Christian Schönefeld trat er unter dem Namen BrasilOrgan auf. Samba, Bossa Nova und portugiesische Chansons verwoben sich zu jazzig-melancholischen Rhythmen. Bekannt ist Krajenski unter anderem als kongenialer Pianist und Arrangeur für Roger Cicero. Diesmal spielte er allerdings die Hammondorgel. „Ich liebe lateinamerikanische Musik, und wir wollten mal ausprobieren, ob das auch mit der Jazzorgel funktioniert.“ Ja, das tut es. Geradezu zärtlich setzt Krajenski sie ein. Er lässt Töne anschwellen und sofort wieder verklingen, er bringt sein Instrument zum Seufzen oder zum Frohlocken. Wunderbar harmonisch untermalt der Retro-Sound der 60 Jahre alten Orgel die leisen Kompositionen von Da Costa, dem aus Rio stammenden Sänger und Gitarristen. Mit warmer, weicher Stimme singt, haucht, flüstert Da Costa seine Lieder. Er streichelt die Nylonsaiten der Gitarre, entlockt ihr zarte, kurze Akkorde, immer etwas schräg, immer auch etwas überraschend. Drummer Schönefeld nimmt sich im Hintergrund zurück, gibt den Rhythmus oft nur mit Besen oder Klöppeln vor, Percussionist Pumplün sorgt mit erstaunlicher Tonvielfalt an verschiedenen Instrumenten für das Fundament. Die Mimik der vier Musiker auf der Bühne spricht Bände: Mit geschlossenen Augen, selbstvergessen lächelnd, verschmelzen sie förmlich mit den Klängen. Die Wärme Brasiliens war am Freitagabend im bauhof zu spüren. Die Gäste, wenige an der Zahl, begeisterte der harmonische Auftritt sehr. „Obrigado“, vielen Dank für dieses feine, leise Konzert.


 

Witziges Team: Meltem Kaptan und Sascha Korf. Krowas

HAZ Leine Nachrichten 23.04.2012

Die ABC-Diät und ein warmer Farmer

Der Kölner Stand-up-Comedian Sascha Korf entfacht bei seinem Auftritt im bauhof Begeisterungsstürme

VON MICHAEL KROWAS Hemmingen-Westerfeld. „Darf ich Euch Euchzen?“, fragt Sascha Korf am Freitagabend. Er habe sich „die ganze Woche auf Hemmingen gefreut“, und sein Programm sei ganz auf den bauhof zugeschnitten. Ja, er darf, der Kölner Stand-up-Comedian, und das tut er im Folgenden ausgiebig. Den Stefan, den Volker, die Irmgard und seinen erst neunjährigen Fan Niklas: Korf bindet sein Publikum souverän in die Show ein, besonders davon lebt der Abend. Er kommt zur Musik von der Band After The Fire auf die Bühne. Er ist Schreihals und Quasselstrippe, wirkt wie Micky Maus auf Speed. Die Zuhörer lieben ihn – vom ersten Moment an. Nach kurzen Ausflügen in die Politik („Unsere Regierung sieht aus, als sei sie von UNICEF zusammengestellt.“), erzählt er von einer Kreuzfahrt auf der Aida, auf der er als Unterhalter gebucht war. „Unglaublich, was die Leute alles essen können. 19 Gänge am Tag ist gar nichts“. Die vollen Teller erinnerten ihn immer an den Turmbau zu Babel. Dann zieht er übers Fernsehen her, dem „Quell suizidaler Depression.“ Das Schlimme am Dschungelcamp sei ja, „dass man die Leute wieder da rausholt“. Er habe bei der Sendung „Das perfekte Promi-Dinner“ sogar mal jemanden erkannt: „Eine Kartoffel namens Linda.“ Und bei „Bauer sucht Frau“ hätten es ihm die homosexuellen Kandidaten am meisten angetan. Er macht sie nach, die „warmen Farmer“. Erfreulicherweise bleibt Korf bei allem Brachialhumor immer oberhalb der Gürtellinie. Er schildert seine Probleme mit dem Abnehmen, etwa bei der ABC-Diät, bei der man am ersten Tag alles mit dem Anfangsbuchstaben „A“ essen dürfe, am zweiten Tag mit „B“ und fragt: „Haben Sie im Supermarkt schon mal drei Znitzel oder vier Zoteletts bestellt?“ Am besten ist er im Gespräch mit dem Publikum: Wie es der Zufall will, sitzen einige Ärzte im Saal, und Korf ist plötzlich „umzingelt von Unmengen an Urologen“ – Wortwitz pur. Zwei Gäste hat er auch mitgebracht, die türkische Nachwuchskomikerin Meltem Kaptan, die „Ti Amo“ sehr lustig in „Sonnenstich“ umtextet. Und David Anschütz, dessen Halbbruder Moslem sei, „bis auf Montag, da ist Schnitzel-tag“. Anschütz hat in Hemmingen erst seinen vierten Auftritt und mit Sicherheit das Zeug dazu, in der ersten Liga der Comedians mitzumischen, was Korf bereits tut. Selten hat man den bauhof so ausgelassen erlebt – so soll Stand-up-Comedy sein.


 

Was ist Jazz? Elmar Graß (von links), Ulita Knaus, Oliver Karstens und Alexander Hartmann haben im bauhof eine Antwort. Krowas

HAZ Leine Nachrichten 16.04.2012

Samtweiche Stimme, swingende Soli

Solid Jazz überzeugt im bauhof

Von Michael Krowas Hemmingen. New York, der Broadway – eine verrauchte, verruchte Bar, im Hintergrund perlt ein Klavier. Gleich um die Ecke liegt Rio, die Copa Cabana, glühende Körper tanzen Samba. Das alles kann man auch in Hemmingen erleben, zumindest im bauhof, wo Ulita Knaus am Freitag ihre Jazz-Perlen verstreut hat. Solid Jazz, das Trio um Saxofonist Alexander Hartmann, hat die Hamburger Sängerin als Gast eingeladen. Die vier Musiker überzeugen das Publikum sofort: Interessante harmonische Auflösungen, inspiriert-introvertierte Soli, weniger ist mehr. Dabei kommt keiner der vier zu kurz, es geht geradezu demokratisch zu auf der Bühne im bauhof: Knaus singt einen Vers, Hartmann spielt ein Sax-Solo, gefolgt von Oliver Karstens mit einem metronom-genauen Kontrabass-Solo, Singlenotes von Elmar Braß am Flügel, gesungener Vers, Lied-Ende. Das Schöne an Jazzkonzerten sei, „dass man nie weiß, was im nächsten Moment passiert“, sagt Ulita Knaus. Und in der Tat, sie macht es ein ums andere Mal spannend: Eben noch klingt sie wie eine gemäßigte Ausgabe von Ella Fitzgerald, wenn sie Scat-Passagen mehr flüstert als singt, dann wieder haucht sie „There will never be another you“. Gleich danach schwingt sie sich auf in brasilianische Gefilde, kurz: Der Gesang der blonden Künstlerin wird an diesem Abend nie langweilig. Schöne Momente, wenn sie bei „Four Brothers“ von Woody Herman die Terzen millimetergenau auf die Saxofonphrasen von Hartmann legt. Die Zuhörer gehen mit, Fingerschnipsen, Händeklatschen, Kopfnicken. Die Sängerin erinnert an Silje Nergaard, Diana Krall, Astrud Gilberto – Knaus ist mit ihrem stimmlichen Repertoire bei den ganz Großen zu Hause. „Danke, dass sie so aufmerksam und konzentriert zuhören. Das haben wir selten. Kann man sie buchen?“, fragt sie das Publikum. Das wohl nicht – aber andersherum gern jederzeit wieder.


 


HAZ Leine Nachrichten 05.03.2012

Den Pianisten im Dunkeln sieht man nicht

Jazz aus der Vergangenheit: Die Hamburger Bop Cats spielen Bebop

Von Michael Krowas Hemmigen-Westerfeld. Angenehm altmodisch kamen sie daher, die Bob Cats, was übersetzt etwa soviel wie „Die Jazzkumpel“ bedeutet. Vier Vollblutmusiker, mit Kontrabass, Schlagzeug, Klavier und Saxofon auf die wesentlichen Bestandteile des Jazz reduziert. Sie spielten Bebop in seiner ursprünglichen Form. Ein musikalisches Thema wurde vorgestellt, und jeder der Vier improvisierte dazu sein Solo. Das hatte manches Mal eine geradezu hypnotische Wirkung, verlor dabei aber nie das Spielerische. Der Pianist Klaus Berger gründete die Band vor 40 Jahren, und in der jetzigen Besetzung spielen sie seit rund 25 Jahren zusammen. Weder ihnen noch dem Publikum im bauhof, das hätte zahlreicher erscheinen können, schien das langweilig zu werden. Saxofonistin Carin Hammerbacher war gleichzeitig die Conférencière. Sie stand in der Mitte und erzählte Geschichten über Jazz; wenn sie von den nicht ganz geklärten sexuellen Präferenzen von Cole Porter berichtete, hatte sie die Lacher auf ihrer Seite. Die Bop Cats spielten mit „Take the A-Train“ Bekanntes in bekannter Form, sie präsentierten Altes im neuen Gewand. „Somewhere Over the Rainbow“ stammt immerhin aus dem Jahre 1939. Und sie beließen es bei Stevie Wonders „Isn?t She Lovely“ als Zugeständnis an den Mainstream-Jazz – wobei ausgerechnet dieser Ohrwurm etwas farblos blieb. Ein Titel von Sonny Rollins, „Everywhere Is Calypso“, wurde von Hammerbacher uminterpretiert und angesagt als „Der Hemminger Calypso“. Leif Oestergaard streichelte sein Schlagzeug mit den Besen und entfesselte andererseits ab und zu echte Trommelgewitter. Manfred Jestel am Bass war besonders im Zusammenspiel mit Carin Hammerbacher taktgenau wie ein Uhrwerk. Das alles machte gute Laune, ebenso die Bebop-typischen Singlenotes, die Klaus Berger dem bauhof-Flügel entlockte. Einziger Wermutstropfen des Abends: Die Bühne war mehr als schlecht ausgeleuchtet, sodass man Bergers Fingerfertigkeit nur erahnen konnte. Ein grundsolides, handwerklich perfektes Bopkonzert im bauhof, das genauso auch vor 70 Jahren hätte stattfinden können. Sicher nicht jedermanns Sache, aber die allesamt reiferen fachkundigen Besucher feierten „ihre Jazzkumpel“ aus Hamburg.


 

Die wahrscheinlich erste Weihnachtsfeier 2012 im bauhof: Heide Manns (von links), Volker Bublitz, Sylvia Reck als Tina Turner, Margarete Paulmann- Nisters und Ulli Meier-Limberg sind Ferrari Küsschen. Krowas

HAZ Leine Nachrichten 27.02.2012

Und Florian hält den Mond

Ferrari Küsschen tritt im bauhof auf

Von Michael Krowas Hemmigen-Westerfeld. „Hallo Hemminger – hallo Louisiana“, krächzt Tina Turner mit ihrer unverwechselbar heiser-röhrigen Stimme. Sie muss auf die Bühne gehievt werden, vergisst ihren Krückstock und schläft ab und zu beim Singen ein. Dann aber stimmt Sylvia Reck, so heißt die Dame nämlich im richtigen Leben, „Proud Mary“ von CCR an, eine Rock-Hymne der sechziger Jahre; der Rest von Ferrari Küsschen imitiert Bass, Gitarre und Schlagzeug, und das Publikum geht mit. Zeitgenössische A-cappella-Gruppen gibt es inzwischen wie Sand am Meer und sie alle haben das ein- oder andere Alleinstellungsmerkmal. Bei Ferrari Küsschen sind es die bizarren Kostüme und die kleinen musikalischen Feinheiten, die ihnen ihr unverwechselbares Image geben. Die Zuhörer mussten am Freitagabend schon sehr genau hinhören, wenn der Chor in perfektem Arrangement im Hintergrund manchmal völlig andere Texte sang als der jeweilige Hauptsänger. Sie gingen erfrischend respektlos mit den Originalen um, die fünf Küsschen, und sie zitierten sie auch gekonnt. Bei „Singing in the Rain“ meinte man, Manhattan Transfer hätten sich auf die Bühne des bauhof verirrt. Zwischendurch klingelten die Glöckchen: Das wohlbekannte Weihnachtslied aus dem 19. Jahrhundert gab es gleich fünfmal: als russisches Volkslied, in Westernhagen-Art und als Janis-Joplin-Parodie. Die Zuhörer wurden ins Programm eingebunden, wie Florian, der einen Mond aus Stoff in die Hand gedrückt bekam, weil Sängerin Heide Manns behauptete, den Mond zu tragen sei Männerarbeit. Florian spielte mit, der Mond ging auf, ging wieder unter. Dazu gaben Ferrari Küsschen „Blue Moon“ zum besten. Volker Bublitz sang „Kiss“ von Prince in der piepsigen Kleinmädchen-Version aus „Pretty Woman“. Bublitz klang wie Julia Roberts und schaffte es – im Gegensatz zu seinem Publikum – den Song ohne zu Lachen zu Ende zu bringen. Im bauhof belohnte man den Auftritt mit langanhaltendem Applaus und bekam als Zugabe „Die Tänzerin“ von Ulla Meinecke.


 

Anette Krause (links) ist schon „seit immer“ Fan, Petra van Laak fühlt sich „einfach mittendrin“.
Bringen den bauhof zum Swingen: Achim Kück (links) und Juliano Rossi. Krowas (2)

HAZ Leine Nachrichten 20.02.2012

Noch einmal mit ganz viel Gefühl

Juliano Rossi und Achim Kück begeistern zum zweiten Mal das Publikum im bauhof

Von Michael Krowas Hemmingen-Westerfeld. „I'm a Singer in a Rock-'n'-Roll-Band“ bekennt Oliver Perau in einem seiner Texte. Er ist Frontmann von Terry Hoax und hat mit dieser Rockband gerade ein vielbeachtetes Album herausgebracht: „Serious“. Seit 1996 durchläuft Perau aber regelmäßig eine Metamorphose. Er verwandelt sich in den Jazzsänger und Entertainer Juliano Rossi. Der könnte auch einfach zwei Stunden lang Geschichten erzählen. Das macht er nämlich richtig gut, wie er am Freitagabend im bauhof bei seinem Zusatzkonzert vom Zusatzkonzert unter Beweis stellte. Rossi erzählt beispielsweise, dass er als Knirps dachte, seine Eltern seien die Einzigen, die Burt-Bacharach-Schallplatten haben, weil seine Kinderkumpels den Komponisten einfach nicht kannten. Aber als Sänger ist er noch besser. Vom ersten Ton an nimmt er das Publikum mit. Er swingt, rockt, grölt, seufzt und schmachtet sich durch ein Programm von Jazzstandards, unerwarteten Pophymnen und Eigenkompositionen. Er zitiert Dean Martin, Frank Sinatra und Elvis, parodiert Joe Cocker, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer. Über allem steht seine klare, immer auch etwas kehlige Stimme, mit der er fast nach Belieben spielt. Gemeinsam mit dem einfühlsamen Pianisten Achim Kück bringt Rossi mit dieser Mixtur den bauhof zum Brodeln. Die Zuhörer sind zum größten Teil textsicherer als er und werden zu hingebungsvollen Sängern, ohne dass sie groß dazu animiert werden müssen. Rossi singt „Ride Like the Wind“, „Volare“, „Leaving On a Jetplane“ und „You've Lost That Loving Feeling“. Zwischendurch erzählt er von sich. Die Leute genießen ihn. Und man sieht dem Entertainer an, dass er genießt, dass sie ihn genießen. Er ist ein Selbstdarsteller, der sich selbst nicht so ernst nimmt. Ein ums andere Mal stellt er seinen langjährigen Bühnenpartner Achim Kück in den Vordergrund. Der hat reichlich Gelegenheit, seine Soloperlen zu verstreuen. Beide erzeugen große Momente der Ergriffenheit, etwa wenn Rossi von seinem wiederkehrenden Traum erzählt, in dem er Sammy Davis Jr. trifft und der nur den einen Satz zu ihm sagt: „You Did It Well, Guy. Very Well“. Was bliebe nach dem Abend im bauhof übrig, als sich dem anzuschließen.


 

Stammgast in Begleitung: Wolfgang Stute (von links), Matthias Brodowy und Carsten Hormes treten im bauhof auf.Krowas

HAZ Leine Nachrichten 13.02.2012

Sarkastische Texte in fast intimer Stimmung

Der Kabarettist und Musiker Matthias Brodowy gastiert im bauhof

Von Michael Krowas Hemmingen-Westerfeld. Er wirkt ein bisschen wie ein großer Schuljunge: Ganz in Schwarz, mit korrektem Scheitel und verlegenem Lächeln betritt Matthias Brodowy die Bühne des ausverkauften Hemminger bauhofs. Er setzt sich hinter das mit rotem Samt verkleidete Keyboard und beginnt zu spielen – erst allein, dann zitiert er gesanglich seine beiden Mitstreiter Carsten Hormes und Wolfgang Stute auf die Bühne. Die greifen zu ihren Instrumenten, und schnell entsteht eine fast zärtliche, intime Stimmung. Zum mittlerweile sechsten Mal ist Brodowy Gast in Hemmingen; zum ersten Mal mit musikalischer Verstärkung. „In Begleitung“ lautet auch der Titel seines neuen Programms. Darin zeigt Brodowy andere Seiten – und Saiten. Es sind kleine, schlaue Lieder, die er da singt. Seine Texte sind sehr genau, kein unpassender Reim, keine Zeile zu lang, kein Ton zu viel. Stute und Hormes unterstützen ihn unaufdringlich mit Gitarre, Cajon und Bass. Als Stute einmal von mehreren bereitstehenden Gitarren die falsche erwischt, blitzt Brodowys Improvisationstalent auf: „Das ist der Wolfgang. Wolfgang hat das falsche Instrument, aber das stört ihn nicht“, witzelt er in bester Sendung-mit-der-Maus-Manier. Für so etwas lieben sie ihren Brodowy in Hemmingen. Und dafür, dass der genaue Beobachter zwischen seinen Liedern sarkastische Texte abfeuert: „Vergleichen Sie einmal Angela Merkels Sprache mit der von Duffy Duck. Sie werden sie nie wieder ernst nehmen können.“ Er lästert über die Piratenpartei, über Facebook und über Wutbürger, Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und Guido Westerwelle und träumt „von einem pünktlichen, halbvollen, klimatisierten ICE“. Zum Schluss spielt er „Stadt mit Keks“, eine Hommage an Hannover, wie sie schöner nicht sein könnte – das perfekte Ende für einen harmonischen Abend.


 

Matthias Wesslowski (Mitte) heizt dem Publikum mit seiner Feuershow mächtig ein, ihm zur Seite stehen Willi Hanne und Silke Heuermann.Jaeger (2)
Auch Sängerin Petra Bassus, hier unterstützt von zwei „geheimen Helfern, die ihr soziales Jahr in der Kunst ableisten“, setzt mit ihrer Stimme den bauhof symbolisch in Flammen.

HAZ Leine Nachrichten 31.01.2012

Kein Zweifel: Sprache macht glücklich

Bauhof-Besucher erleben beim Wowo-Denk-Fest ein künstlerisches Potpourri erster Klasse

Von Alexandra Jaeger Hemmingen-Westerfeld. Man nehme die Virtuosität eines klassischen Kammerensembles, den Wahnsinn, die Tiefe und die bitterböse Wortgewandtheit des hannoverschen Philosophen und Sprachmeisters Friedhelm Kändler, kombiniere diese mit der tief-erotischen Stimme von Alix Dudel, gebe mit Volker Thies und Uli Schmid noch zwei der bekanntesten Musiker der großen Kleinkunstszene hinzu und würze das ganze mit jeder Menge Ironie, Leidenschaft, Feuer, Rambazamba, Augenzwinkern und Skurrilität. Das Ergebnis: ein sprachgewaltiges Wowo-Denk-Fest, an dem fast so viele Künstler wie Zuschauer mitgewirkt haben dürften – und das dem begeisterten bauhof-Publikum wieder einmal zeigte, wie dicht Genie und Wahnsinn manchmal beieinander liegen. Ob leichter Jazz, kunstvoller Kammerpop, aufgepeppter Schlager, atemberaubende (Wort-)Akrobatik oder Zauberei: Wer hier nichts fand, was sein Herz berührt – ach, dieser Satz muss nicht vollendet werden, denn er dürfte für niemanden, der diesen Hochgenuss großartiger Kleinkunst genossen hat, Sinn ergeben. Und so ließen sich die Akteure zu Recht feiern für ihr messerscharfes, überraschendes und mutiges Zusammenspiel. Kaum einen Zuschauer hielt es nach Ende dieses außergewöhnlichen Dicht-, Theater-, Konzert- und Kabarettabends auf seinem Platz. Kein Zweifel: Sprache macht glücklich. Vor allem, wenn sie nicht nackt auf die Bühne tritt, sondern ihr packende Melodien anhaften wie Paradiesvogelfedern – oder wenn sie sich ins Ach und Krach quergebürsteter Tonfolgen wickeln kann. Was für ein Abend. Mehr davon.


 

Die Old-Virginny-Jazzband: Michael Schultheis (von links), Rainer Topp, Manfred Kaufmann, Ulli Petersen, Thomas Schäffer und Ulrich Baier sorgen für gute Stimmung im Kulturzentrum bauhof. Mommertz

HAZ Leine Nachrichten 16.01.2012

Jazzband spielt vor vollem Haus

Hemmingen. Eigentlich bräuchten sie einen größeren Raum, sagt Ingeburg Walthers, stellvertretende Vorsitzende des Kulturzentrum bauhof. Der alljährliche Neujahrs-jazz mit der Old-Virginny-Jazzband war mit rund 100 Gästen ausverkauft. „Wir hätten sogar noch mehr Karten verkaufen können“, sagt Walthers. Die Band um den Arnumer Ulli Petersen scheint bei den Besuchern sehr gut anzukommen, worüber sich der Musiker ganz besonders freut: „Die Band gibt es in dieser Besetzung seit 25 Jahren, und wir freuen uns immer, hier vor einem vollen Raum zu spielen“, sagt Petersen. Einzige Neuerung bei dem Auftritt: Das frühere Mitglied Manfred Kaufmann ist nach langjähriger Pause wieder mit dabei. Ihren Musikstil beschreibt Petersen als Dixieland-Jazz und verortet ihn irgendwo zwischen Chris Barber und der Dutch Swing College Band.mim


 

Die Schauspieler Holger Voss und Silke Eumann (Mitte) stellen als menschliche Puppen einen Besuch beim Zahnarzt dar. Damit die Puppen sich bewegen, müssen Ralf Jacobsen und Sandra Spohr-Jacobsen aus dem Publikum als Puppenspieler die improvisierte Szene steuern.Synycia

HAZ Leine Nachrichten 05.12.2011

Zum Weinen komisch

Emscherblut beim Blind Date im bauhof

von Hannah Synycia Hemmingen-Westerfeld. Theater kann ja so unterhaltsam sein. Dafür braucht es weder im Voraus festgelegte Rollen oder schriftlich fixierte Texte, noch bedarf es aufwendiger Bühnenbilder oder visionärer Regisseure. Für einen durchweg gelungenen Theaterabend genügen: ein blitzschneller Geist, sprühende Fantasie, jede Menge Improvisationstalent und ein aufmerksames Publikum – wie das Dortmunder Improvisationstheater Emscherblut am Sonnabend im ausverkauften bauhof eindrucksvoll bewies. „Wir wissen, dass wir spielen, aber wir wissen nicht, was wir spielen“, begrüßte das Quartett die Zuschauer. Eine ernst gemeinte Ansage: Zwei Stunden lang entwickelten die Schauspieler Bernd Witte, Silke Eumann und Holger Voss auf Stichwörter aus dem Publikum hin kurzweilige Szenen, in denen mal zwei, mal alle drei Schauspieler beteiligt waren. Der Musiker Stefan Nussbaum kreierte dazu aus dem Stegreif die passende Hintergrundmusik an der Gitarre, was den spontan erdachten Szenen einen individuellen Charakter verlieh. Ob nun auf Publikumsvorschlag hin einem Vertretungslehrer namens Herr Pythagoras vor einer Klasse mit zwei Schülern der Angstschweiß hinunterlief, ein Ehepaar in Fantasiesprache über einen Gartenzwerg stritt oder ein Mann, eine Frau und ein Hund in der Sauna beim Weinaufguss Freundschaft schlossen – selten wurden auf der bauhof-Bühne in so kurzer Zeit so viele hochkomische Szenen dargeboten. Der gesamte Abend war voll meisterhaft improvisierter Dialoge, die manch einen Zuschauer vor Lachen weinen ließen.


 

Ein Liebespaar auf der Bühne und im wahren Leben: Wiebke Eymess und Friedolin Müller, die unter dem ungewöhnlichen Namen „Das Geld liegt auf der Fensterbank Marie“ auftreten. Lippelt

HAZ Leine Nachrichten 28.11.2011

Tornado in der ersten Reihe

Comedy-Duo zu Gast im bauhof

Von Torsten Lippelt Hemmingen. Im September waren sie noch auf der Aida zwischen Hamburg und New York unterwegs, danach im ganzen Land – und am Freitag waren Wiebke Eymess und Friedolin Müller im bauhof zu Gast. Das Duo, real wie auf der Bühne ein Liebespaar, hat sich den skurrilen Künstlernamen „Das Geld liegt auf der Fensterbank Marie“, kurz DGladFM, gegeben. In Hemmingen hatte Eymess ein Heimspiel, denn sie stammt aus der Gegend. Im Programm „MitternachtSpaghetti“ zeigte das sich auf der Bühne wortspielreich und liebevoll streitende Pärchen die Bandbreite seines Könnens: von stimmungsvoll-romantischen Liebesliedern über einen theatralisch-übertriebenen Rap-Vortrag bis hin zu kleinen philosophischen Ergüssen. Dabei dreht sich alles mehr oder weniger um Liebe: Zueinander oder zu anderen, zum Essen oder zu Tieren. Sie überzeugte mit einem gehörigen Schuss gespielter Naivität, Trotzköpfigkeit, aber auch kindlicher Begeisterung, er mit ironischer Besserwisserei. Den „sympathischen Klugscheißer“, nennt sich Müller auf der Homepage. Mit Beziehungsproblemen, unterschiedlichen Weltanschauungen, mit Schabernack und zum Teil schwarzem Humor wussten die beiden das Publikum zu begeistern – und einzubeziehen. Nie wurde lebhafter dargestellt, wie im temperamentvollen Wechselspiel zwischen dem kühlen Gast „Hermann“ aus der ersten Reihe und der feuchtwarmen „Wiebke-Consuela“ auf der Bühne in Minutenschnelle ein Tornado entstehen kann, der unter schallendem Gelächter durch den bauhof wirbelte.


 

Anregend und entspannend: Bergitta Victor und Silvio Schneider geleiten ihre Gäste mit einer Mischung aus Soul-, Jazz-, Pop- und Weltmusik ins Wochenende. Krings

HAZ Leine Nachrichten 21.11.2011

Mit weicher Stimme direkt ins Herz

Bergitta Victor und Silvio Schneider bereiten ihren Gästen einen facettenreichen Abend im Kulturzentrum bauhof

Von Sigrid Krings

Hemmingen. Eine Weltbürgerin mit fantastischer Stimme hatte Klaus Grupe, Vorsitzender des Trägervereins, den rund 40 Gästen im Kulturzentrum bauhof am Freitagabend angekündigt. Übertrieben hatte er damit wahrlich nicht: Die Sängerin Bergitta Victor sang sich mit ihrer samtweichen, dunklen Stimme von der ersten Minute an in die Herzen ihrer Zuhörer. Einfühlsam und virtuos begleitet wurde sie von Silvio Schneider auf einer elektrisch verstärkten Akustikgitarre.
In schwarzem Rollkragenpullover und grauer Hose kam die schmale Frau mit dem wilden Lockenschopf, die auf den Seychellen geboren und im afrikanischen Tansania und der Schweiz aufgewachsen ist, barfuß auf die Bühne. Unscheinbar, könnte man meinen. Doch weit gefehlt. „Heute ist Hemmingen mein Zuhause“, hauchte Victor in das Mikrofon auf der bauhof-Bühne und weckte mit dem fröhlichen Song „I Feel“ die Vorfreude auf einen gleichermaßen sanften wie spannenden Abend.
Denn ihre Lieder haben viele soulige und jazzige, teilweise aber auch poppige Elemente und lassen sich auf keine Stilrichtung festlegen. „Da bin ich einfach verwirrt“, gab die Sängerin mit charmantem Lächeln zu.
Der Begriff Weltmusik trifft ihr Genre wohl am besten. Hinsichtlich der Sprache zeigte sie sich ebenfalls wandlungsfähig: Viel in Englisch, hin und wieder in Deutsch und in ihrer klangvollen Muttersprache Kreolisch, sang Victor von der Liebe und den Hochs und Tiefs im Leben.
Der Gitarrist Silvio Schneider verstand es, Victors Stimme mit seinem Spiel stets zu stützen. Mit seinen beiden feurig vorgetragenen Solostücken setzte er aber auch eigene Akzente und ließ lateinamerikanische Lebensfreude auf das Publikum überspringen. Erfüllt von facettenreicher Musik verließen die Gäste erst nach etlichen Zugaben den bauhof, um angeregt und entspannt ins Wochenende zu gehen.


 

Die Bühne des bauhofs reicht gerade so aus, um Ralf Jackowski (von links), Henning Pertiet und Moritz Zopf samt Instrumenten – und ausufernden Bewegungen – Platz zu bieten. Hoppe

HAZ Leine Nachrichten 14.11.2011

Drummer wird zum Stepptänzer

Henning-Pertiet-Trio spielt im bauhof

Von Karina Hoppe Hemmingen-Westerfeld. Die Aussicht auf Boogie-Woogie und Blues hat am Freitagabend einen erlesenen Kreis in das Kulturzentrum bauhof gelockt. Jene, die wissen, dass diese Stilrichtungen das Fundament aller heute populären Musik bilden, die Basis auch des Jazz und Rock ?n? Roll. Das Henning-Pertiet-Trio machte Halt in Hemmingen-Westerfeld. Und so urig die Musik, so urig kamen auch die Musiker daher: Henning Pertiet am Flügel mit seiner selbstbewussten Langhaarfrisur sowie Schlagzeuger Ralf Jackowski und Bassist Moritz Zopf, die aus der Musik mit Mimik und Gestik ein kleines Schauspiel machten. Drei Herren saßen und standen auf der Bühne, die ihre Musik leben und noch idealtypischer ausleben würden, gäbe es da nicht dieses Rauchverbot. „Es fehlt der Qualm“, sagte Pertiet. „Darf man eigentlich zu Hause noch rauchen?“ So witzelte der Kopf des Trios ins Publikum, beim nächsten Mal müsste man vielleicht Helmut Schmidt einladen. Magier und Psychologen seien die Musiker, so bedeuteten sie dem Publikum, dass sie sich das Drumherum einfach dazu denken sollen. Einige Gäste schlossen die Augen, viele nickten stilecht mit dem Kopf zur Musik. Und die Musiker selbst waren ohnehin immer in Bewegung. Hat schon einmal jemand einen Mann am Flügel gesehen, der den Takt mit dem Fuß nicht nur mitwippt, sondern quasi mitturnt? Pertiet beherrscht dies par excellence, während Schlagzeuger Jackowski mit seiner Stepp-Show beeindruckte. Nicht, dass er selbst tanzte, vielmehr imitierte er mit seinen Schlagzeugstöcken das Geräusch eines Stepp-Tänzers. Gekonnt. Genauso wie die Eigenkompositionen von Pertiet. Einige waren da zu hören, neben Melodien von Thelonious Monk, Duke Ellington oder Erroll Garner.


 

Autogramme gefällig? Die Gäste erkennen die Klasse des Hennes Bender und verschenken ihn als Buch oder CD (großes Bild). Der Kabarettist (links) holt sich den Laatzener Boris Zawadzki auf die Bühne und feiert ihn, als wären alle seinetwegen gekommen (kleines Bild). Hoppe (2)

Ein kleiner Mann empfiehlt sich als genialer Parodist

Hennes Bender erfreut und erregt im bauhof

Von Karina Hoppe Hemmingen-Westerfeld. Hennes Bender ist angekündigt, auf der Bühne des bauhofs aber stehen am Freitagabend noch viele mehr: Martin Semmelrogge, Udo Lindenberg, Biene Majas Willi, Rammstein, die Bee Gees und Herbert Grönemeyer. Der Parodist hat seinen Gästen bewiesen, dass er in jede erdenkliche Rolle schlüpfen kann. Zum Schreien war das. Der 1,62 Meter kleine Bender kann sogar Udo Lindenbergs viereckige Lippen imitieren. Die Leine-VHS hat ihn gelockt, nicht großer Hoffnung, dass dies überhaupt klappen würde. Aber Bender kam, in T-Shirt und Jeans. Schon sehr lange nämlich hat der gebürtige Bochumer nach eigenen Angaben auf eine Einladung in den bauhof gewartet: „Alle Kleinstkünstler der Welt wollen auf diese Bühne.“ Er beherrscht es bis zur Perfektion, seinem Soloprogramm mit dem Titel „Erregt“ ordentlich Lokalkolorit beizumengen. Schnell findet Bender heraus, dass zwischen Hemmingen und Pattensen eine gewisse Abneigung vorhanden ist. Und dass „Amrum, Achum, Arnum, wie heißt das?“ und Hemmingen-Westerfeld auch nicht immer einer Meinung sind. Bender trifft den Nerv seiner Gäste – und vor allem Boris Zawadzki aus Laatzen. Den holt er sich gleich auf die Bühne, weil er seinen Beruf des wissenschaftlichen Beraters so lustig findet und weil Zawadzki wesentlich größer als Bender ist – was nicht schwer ist, aber urkomisch aussieht. Zawadzki darf hinter die Bühne, um sich später wie ein Star auf ihr feiern zu lassen. Vorher verteilte Büstenhalter und Slips fliegen auf den Laatzener, der meistert die Situation souverän und darf sich wieder setzen. Immer wieder versucht sich Bender an „Amrum“ und dann – sehr schön – am „Güntherbad“, worauf die Hemminger ja so stolz sind.


 

Ein Traumteam, das keine Wünsche offen lässt: Pianist Lutz Krajenski (von links), Bassist Hervé Jeanne, Drummer Hannes Dunker und Saxofonist Stephan Abel fegen wie ein musikalischer Orkan durch den bauhof. Osterwald

HAZ Leine Nachrichten 26.09.2011

So viel Spaß kann sein

Die Musiker von After Hours begeistern im bauhof mit Können und Spielfreude

Von Julia Osterwald Hemmingen. So groß war die Nachfrage nach dem Konzert von After Hours am Sonnabend im Kulturzentrum bauhof, dass ein paar Zuhörer, die auf Restkarten an der Abendkasse gehofft hatten, wieder nach Hause geschickt werden mussten. Sehr zum Bedauern der Veranstalter und derjenigen, die an diesem Abend leer ausgingen. Gut, dass sie wahrscheinlich nur ahnten, was sie verpassten. Dass die vier Musiker von After Hours eine ausnehmend gute Vorstellung geben würden, war zu erwarten. Dazu sind Lutz Krajenski (Klavier/Keyboards), Hervé Jeanne (Bass) und Saxofonist und Frontmann Stephan Abel zu bekannt als Virtuosen an ihren Instrumenten und als sicheres Erfolgsrezept in der Kombination. Hannes Dunker, der für Matthias Meusel an den Drums eingesprungen war, ist weniger erfahren als seine Kollegen. Mit rhythmisch-soliden bis hin zu rasend schnellen Soli bewies er jedoch, dass er sich hinter den Profis nicht verstecken muss. Egal, ob mit Dexter Gordons schnellem, karnevaleskem „Soy Califa“, Harald Silvers eindringlich-sanftem „Peace“, bei dem Abels Saxofon die Töne teils zu flüstern, fast zu säuseln schien, oder Jimmy Woodes „My Kind of World“, bei dem Pianist Lutz Krajenski auf seinem Klavierhocker fast abhob (nicht das einzige Mal an diesem Abend): Die Band zeigte auf ganz unterschiedliche musikalische Weise, was sie kann. Meisterhaft-sichere Soli aller inklusive – versteht sich. Was die vier sympathischen und charismatischen Musiker am Sonnabend jedoch vor allem so unwiderstehlich machte, war ihre Spielfreude. Alle Bandmitglieder hatten Spaß auf der Bühne, und der übertrug sich vom ersten, sehr souligen, leichtfüßigen Stück an mühelos auf die rund 100 Zuhörer. Dafür gab es begeisterten Applaus und den Ruf nach zwei Zugaben.


 

Michael Krebs zeigt, wie man in der Metal-Szene Gitarre spielt. Synycia

HAZ Leine Nachrichten 19.09.2011

Ein Comedian kämpft gegen den Flüsterfuchs

Der Hamburger Michael Krebs begeistert das bauhof-Publikum

Von Hannah Synycia Hemmingen-Westerfeld. Michael Krebs hat eine Mission: Das Erkennungszeichen aller Heavy-Metal-Fans – die zum Himmel erhobene Faust mit gestrecktem kleinem und gestrecktem Zeigefinger – aus den Händen deutscher Grundschüler zurückerobern. Dafür kämpfte er am Freitagabend mit geistreichen Liedern und humorvollen Anekdoten im Hemminger bauhof. Denn in Grundschülerkreisen steht die Geste nicht mehr für Rebellion und Rock?n?Roll, sondern für gespitzte Ohren und einen geschlossenen Mund – genannt der Flüsterfuchs. „Ein Unding“, empörte sich Krebs über den „Missbrauch“ und verteilte zur großen Freude der im Publikum anwesenden Grundschullehrerinnen Aufkleber mit dem Slogan „Flüsterfuchs? Nein, danke!“. Bevor Krebs den Kampf gegen den Flüsterfuchs aufnahm, erklärte der gebürtige Schwabe in breitem Dialekt aber erst einmal, wie ein Gast sich im Schwabenland zu verhalten hat („konsequent alles ablehnen“), was seine schwäbische Mutter über die Niedersachsen denkt („feierverrückt“) und wie man als in Hamburg wohnhafter Exil-Schwabe mit Kulturschocks umgeht („gar nicht“). Flankiert wurden die Anekdoten von Liedern über eine verlorene Jugend ohne TV-Supernannys, Bildschirmpsychologen und Fernsehschuldenberater („Wir hatten keine Chance“), Integration („Mach mit“) und die Begeisterung für Elektronikprodukte aus dem Hause Apple („Meine Freundin sollte von Apple sein“). Der studierte Musiker Krebs begleitete sich bei den Songs abwechselnd am Flügel und an der Gitarre und animierte das Publikum zum fleißigen Mitsingen. Zum Ende des zweistündigen Programms funktionierte das so gut, dass die Hemminger den „Rock?n?Roll-Comedian“ gar nicht mehr von der Bühne lassen wollten. Dem gefiel das, und er bedankte sich mit drei Zugaben für den stürmischen Applaus.


 

Natascha Petz (links) und Peter Wehrmann begeistern ihr Publikum mit einer großartigen Show. Krings

HAZ Leine Nachrichten 05.09.2011

Zuschauer lassen Zunge heraushängen

Das Triolenkompott bietet eine abwechslungsreiche Kost mit viel Komik und Tiefgang

Von Sigrid Krings Hemmingen. Was für ein ungewöhnliches Bild: Rund 120 gut gekleidete, scheinbar erwachsene Menschen saßen am Freitagabend mit leicht geöffnetem Mund, gesenktem Kopf und schlabbernd heraushängender Zunge auf ihren Stühlen im bauhof Hemmingen. Auf das Kommando einer üppigen Dame mit russischem Akzent hin schüttelten sie heftig ihre Köpfe und summten in verschiedenen Tonlagen. Einfach fantastisch. Das fand auch die Tonangeberin auf der Bühne: „Daas maacht Ihhrrr wuundeerbaar“, säuselte sie mit rollendem R und verzücktem Augenaufschlag – um gleich darauf zusammen mit dem Publikum in herzhaftes Lachen auszubrechen. Das Kompliment konnten die Zuschauer zurückgeben. „Wuundeerbaar“ kam die witzige, freche, zügellose und an manchen Stellen fast schon geniale Show „Abend füllend“ von Sängerin Natascha Petz, Pianist Hanno Siepmann und Mundartist Peter Wehrmann – zusammen besser bekannt als Triolenkompott – bei ihnen an. Ob im Verbund oder jeder für sich allein: Die drei Künstler boten abwechslungsreiche Kost mit viel Komik und manchem Tiefgang für Geist und Seele. Siepmann etwa brillierte mit seinem Lied über Männer – das Stück basiert auf Anregungen aus Damentoiletten der Stadt Essen. Petz schmachtete herzzerreißend in einem Liebeslied vom „Hering meiner Träume“, und Wehrmann brachte schließlich immer wieder allein durch seine Geräusche eine ganze Band auf die kleine Bühne.


 

Blues Culture im bauhof: Steve Baker an der Mundharmonika, Martin Röttger an den Drums und Abi Wallenstein an der Gitarre. Raudies

HAZ Leine Nachrichten 04.07.2011

Blueshelden bei der Arbeit

Die Jungs von Blues Culture mit Abi Wallenstein heizen dem Publikum im bauhof ein

Von Christine Raudies Hemmingen. Das geht direkt ins Blut: Schwer, erdig, warm sind die ersten Takte. Richtig laut. Die Mundharmonika ganz tief, rauh und voll die Stimme von Abi Wallenstein. Der Takt, den die Drums liefern, langsam wandernd – sie gehen es erstmal bedächtig an, die Jungs von Blues Culture, die am Freitagabend im bauhof spielen. Und was sollte sie auch aus der Ruhe bringen? Sie haben einen grandiosen Abend vor sich und viel Erfolg im Rücken. Abi Wallenstein ist Kult – das hat sich auch in der Region Hannover rumgesprochen. Und nach etwas schleppendem Vorverkauf füllt sich der Saal direkt vor dem Konzert doch noch bis auf den letzten Platz. Schon nach wenigen Momenten sind die Gäste begeistert. Schnell entsteht ein Dialog zwischen ihnen und den Helden vorne: „Uuuuhu!“ Die zögern auch nicht mehr lange, den nächsten Gang einzulegen. Bei „Don't Start Crying Now“ wackelt der bauhof, die Zuschauer jubeln. Und dabei geht es im ersten Teil definitiv ruhig zu. Der „Good Morning Blues“ stapft noch etwas verschlafen ums Bett, und beim „Alabama Blues“ von J. B. Lenoir könnte man wirklich in miese Stimmung geraten, so verloren kommt einem plötzlich alles vor. Der Titeslsong des Abends ist dann deutlich rockiger: „Blues Culture“ ist eine Hommage an die Größen der Bluesmusik, bei der sich alle Bandmitglieder auch in Solopassagen austoben können. Steve Baker hat statt der Stimmbänder eine Harp, und aus ihr holt er Unglaubliches heraus. Sie singt, schmettert, schnattert, quakt, fiept in den höchsten Tönen, dann wieder jammert sie tief und traurig. Immer wieder bekommt er frenetischen Beifall. Martin Röttger an den Drums spielt wie unter Hypnose, nichts kann ihn stoppen – nur schade, dass er ohne Cajon angereist ist. Und Abi Wallenstein rollt einen dichten, vielschichtigen Teppich aus Gitarrenklängen aus, meisterhaft mit Slides und Läufen gemustert. Leider trübt ein defektes Mikrokabel ein wenig den Genuss. Es knistert immer mal in den Boxen. Das wird aber in der Pause behoben. Die zweite Hälfte gerät endgültig zum Best of des Rhythm and Blues mit Titeln wie „Little Red Rooster“, „Route 66“ und „The Hip Shake“. Das geht ganz tief rein, frisst sich durch den Körper und schüttelt ihn. Zwei Zugaben gibt's, die letzte ist „Everybody Needs Somebody to Love“. Die Zuschauer im bauhof wissen längst, wen sie lieben. Kommt bald wieder, Jungs!


 

Wachgeküsst?– das sind Gitarrist Klaus Heuermann (links), Sängerin Anke Massmann und Bassist Stefan Werner. Momentan plant die Band für die neue CD und stellt drei Stücke vor. Synycia

HAZ Leine Nachrichten 20.06.2011

Tragödien und Komödien im bauhof

Das Trio Wachgeküsst überzeugt das Publikum mit Instrumenten und Stimme

Von Hannah Synycia Hemmingen. Unplugged-Konzerte sind die Königsklasse der Popmusik. Ohne elektronische Verstärker zeigt sich, wer im Musikeralltag versucht, mit technischer Hilfe über Schwächen hinwegzutäuschen, und wer sein musikalisches Handwerk wirklich versteht. Das Trio Wachgeküsst kann man getrost zur zweiten Kategorie zählen. Auf der Bühne des bauhofs bewiesen sie am Freitag, dass es zu einem musikalisch erfüllten Abend nicht mehr braucht als Gitarre, Bass, Klavier und Stimme. Sängerin Anke Massmann, Gitarist Klaus Heuermann und Bassist Stefan Werner überzeugten das Publikum mit musikalischer Eloquenz und humorvollen, deutschsprachigen Texten. In den durch Rock- und Popmusik beeinflussten Liedern dreht sich alles um die kleinen Tragödien und Komödien des menschlichen Lebens. Liebe, Selbstzweifel, Beziehungsprobleme, aber auch Lebenslust und individuelle Eigenarten sind die tonangebenden Themen der Band, die seit drei Jahren zusammen musiziert. Eine Affinität haben die Musiker wohl zu ähnlich klingenden Liedtiteln, was auf der Bühne zu Komplikationen führen kann: Im Laufe des Abends war es quasi ein fortlaufender Witz, dass Gitarrist Heuermann wiederholt die Titel „So wie du bist“ und „So wie ich bin“ verwechselte. Die Zuhörer störte das nicht und so forderten sie nach fast zweistündigem Auftritt die fällige Zugabe.


 

Das Publikum profitiert: Zuschauer Dieter Hluchy (links) lässt sich von Kabarettist Christoph Brüske seine Steuererklärung aufstellen. Krings

HAZ Leine Nachrichten 30.05.2011

Dampfplauderer zündet ein verbales Feuerwerk

Christoph Brüske im Kulturzentrum bauhof

Von Sigrid Krings Hemmingen. Energie hatte Christoph Brüske versprochen. Und Energie hatte der Kabarettist aus Köln reichlich mitgebracht. Mit voll aufgeladenen Akkus aus einer schier unendlichen Fülle an Seitenhieben gegen fast alles und jeden stapfte der gut genährte „Rheinische Jung“ auf Dauerdiät über die Bühne. Zuppelte am Hosenbund herum, sprach, tanzte, sang – und siegte im Handumdrehen. Begeistert lauschte und lachte sein Publikum, forderte eine Zugabe nach der anderen und bekam sie alle. Einschließlich der liebevoll-bissigen Hemmingen-Hymne in der „Claus-Dieter-Schacht-Gaida-Arena“. Im Laufe des Abends ließ der selbstkritische „Dampfplauderer“ nicht nur von schlecht dosierter Energie vor allem bei berühmten Männern hören – Dominique Strauss-Kahn, „der Sohn von Oliver Kahn und Franz Josef Strauß“, lässt grüßen. Brüske stellte auch alternative Energiequellen wie die „Hamsterfarm im Dachboden“ vor, sinnierte über die eigene Stromrechnung („Heute denke ich nicht mehr Vattenfall, sondern watt?n Scheiß!“) und erarbeitete mit Zuhörer Dieter Hluchy auf der Bühne dessen imaginäre Steuererklärung. Brüske, ein Multitalent mit ausgebildeter Baritonstimme, entzündete im bauhof ein verbales Feuerwerk auf höchstem Niveau.


 

Uli Schmid vom Frieder-Schenck- Sextett hat die Zuschauer im Hemminger Bauhof sofort auf seiner Seite. Jaeger

HAZ Leine Nachrichten 02.05.2011

Sechs geniale Musiker erobern Bauhof

Von Liedern mit Geige, Ach und Krach – Frieder-Schenck-Sextett begeistert Publikum

Von Alexandra Jaeger Hemmingen. Man nehme die Virtuosität eines klassischen Kammerensembles, den Wahnsinn, die Tiefe und die Wortgewandtheit des hannoverschen Philosophen und Humoristen Friedhelm Kändler, kombiniere sie mit der Leidenschaft und Würze des Dichters Frieder Schenck und gebe mit Volker Thies und Uli Schmid noch zwei der bekanntesten Musiker aus der großen Kleinkunstszene Hannovers hinzu. Das Ergebnis: Ein hochexplosiver, apokalyptischer und raffinierter Klang-Cocktail – uneingeschränkt zum wiederholten Genuss zu empfehlen. Denn das, was die Künstler des Frieder-Schenck-Sextetts am Sonnabend auf der Bühne des Hemminger Kulturzentrums Bauhof zum Besten gaben, hatte alles, was ein offenes Ohr sich von einem kunstvollen Konzertabend verspricht. Ohne Pardon aber mit einem Augenzwinkern nahmen die Musiker sich ihrer selbst und ihrer Zeitgenossen an und förderten in aktuellen Chansons, kunstvollem Kammerpop, rauem Swing und aufgepepptem Schlager viele Skurrilitäten des Alltags zu Tage. Ein Härtetest für die Lachmuskulatur, den das Bauhofpublikum spätestens beim Schlagzeugsolo des Orchestermitglieds Willi Hanne verloren haben dürfte. Denn der elffache Preisträger des Jazzpodiums Niedersachsen entlockte selbst zerknülltem Papier, Quitsche-Gummigetier, zwei Fußballtröten und einer Babyrassel mehr Rhythmus als manch anderer. Auch Guido Hauser (Klarinette), Silke Heuermann (Geige) und Uwe „Pokerface“ Boiko (Bass) gaben mächtig Gas und überraschten die Zuhörer immer wieder, indem sie entweder ihre große Virtuosität und Klasse unter Beweis stellten oder durch quergebürstete Tonfolgen die These untermauerten, dass Genie und Wahnsinn manchmal eben doch sehr dicht beieinanderliegen.


 

Zusammenspiel mit Worten: Die Hausfrau (Alix Dudel) ahnte nichts von dem Gast (Kändler) in ihrer Speisekammer. Der wartet schon seit 22 Jahren. Raudies

HAZ Leine Nachrichten 11.04.2011

Kändler beglückt Sprachliebhaber

Alix Dudel als Überraschungsgast

Von Christine Raudies Hemmingen. „Kändler macht glücklich“ behauptet das Programm vom bauhof – und um es vorweg zu sagen: Das ist in keiner Weise übertrieben. Etwa 60 Zuschauer kamen am Sonnabend in den Genuss einer wunderbaren, wort- und wahnreichen WOWO-Show des Sprachmeisters Friedhelm Kändler. Als Überraschungsgast brachte er Diseuse Alix Dudel mit. Kändler beginnt mit der sperrigen „Leseprobe“ aus „Des Kaisers neue Kleider.“ Doch schon seine Andeutungen zur Unterhose des Herrschers führen zum Hauptthema des Abends: der Liebe in ihren zahlreichen Spielarten. Mit verdichteten Wortkompositionen rückt er ihr von allen Seiten zu Leibe – mal ernst und philosophisch, meist eher ironisch und schelmisch: „Geh in den Schatten, geh in die Kühle, was du hast, sind Frühlingsgefühle!“ rezitiert er im Wechsel mit Alix Dudel. Diese präsentiert die rhythmisch und sprachlich anspruchsvollen Texte elegant und doch im Plauderton einer westfälischen Kassiererin. „Ich leg jetzt was vom Haushaltsgeld zur Seite!“, vertraut sie dem glucksenden Publikum in der Geschichte über den Callboy aus der Nachbarschaft an. Kändler gibt mit viel Gefühl für die dramatische Wirkung seine eigene Poetik wider, ironisiert die Dichtkunst und gibt ihr gleichzeitig eine neue Dimension. Die Grenzen des üblichen Sprachgebrauchs sprengt er scheinbar mühelos, sein Sprachtalent und seine blühende Phantasie stellen sich dabei immer wieder gegenseitig in den Schatten. Für Sprachliebhaber das Höchste! Langer Applaus.


 

Volker Diefes ist mit kraftvoller Stimme, prägnanter Gestik und feinsinnigem Witz auf der Bühne präsent. Krings

HAZ Leine Nachrichten 14.03.2011

Präsenter Mann mit Paulaner-Plauze

Volker Diefes begeistert das Publikum im Hemminger Kulturzentrum bauhof

Von Sigrid Krings Hemmingen. Der Höhepunkt der Show kam zum Schluss: Volker Diefes holte „seinen“ Stefan aus den Zuschauerreihen zu sich auf die Bühne. Er setzte ihn auf einen Stuhl, umgarnte ihn zärtlich. Diefes hatte Stefan schon den ganzen Abend über in seine Moderation eingebunden, dieser habe ihn aufgeregt und dadurch ungeplant über so manches Wort stolpern lassen, erklärte er am Sonnabendabend im ausverkauften bauhof mit kokettem Blick. Dann hauchte der Krefelder Kabarettist den Song „Pausenbrot“ ins Mikrofon, den er einst seiner Mutter gewidmet hatte. In diesem Moment waren die Zuschauer kaum noch zu halten. Sie johlten und klatschten, nahmen die Hände nach oben, packten die Feuerzeuge aus. „Yes, we can!“, rief Diefes. Auch in Hemmingen, wo das Leben „eigentlich langweilig ist“ und „die Kunst darin besteht, diese Langeweile auszuhalten“. Das Publikum war – wie dem Künstler zuvor von den Veranstaltern angepriesen – einfach gut drauf. Deswegen brauchte Diefes auch nicht lange, um es völlig in seinen Bann zu ziehen. Mit kraftvoller Stimme, prägnanter Gestik und feinsinnig-pointiertem Witz war er von der ersten Sekunde an präsent auf der Bühne. Haute sich auf die Schenkel, zeigte – passend zum Titel „Ein Bauch ist auch schon ein Ansatz“ – seine „echte Paulaner-Plauze“ und pfiff rustikal durch die Zähne. „Ich will nicht immer sexy und geil sein“, rief der bodenständige Naturbursche. Hemmingen stimmte zu und dankte es ihm mit begeistertem Applaus.


 

Gegen die Untergangspropheten: Matthias Brodowy rät, auf jeden Fall die Zwischenzeit zu genießen.Hoppe

HAZ Leine Nachrichten 07.03.2011

Immer wieder Ärger mit der Sieben

Matthias Brodowy hält – und singt – im Kulturzentrum bauhof ein Plädoyer fürs Leben

Von Karina Hoppe Hemmingen-Westerfeld.Zweimal ausverkauft: Matthias Brodowy wollte am Freitag und Sonnabend Menschen in den Hemminger bauhof locken – und die Massen strömten. Kein Wunder, nichts Geringeres als eine Offenbarung hatte der hannoversche Kabarettist angekündigt. So heißt Brodowys aktuelles Programm, es ist sein siebentes. Und die Sieben hat es in sich, erfahren die Zuschauer. Sieben Geißlein, sieben Todsünden – und sieben Jahre, die Karl-Theodor zu Guttenberg an seiner Doktorarbeit schrieb. „Das musste schiefgehen“, sagt Brodowy. Diese Stellen sind es, die dem Publikum gefallen. Die Politiker, die Adligen, alle sind einmal dran an diesem Abend, aber Brodowy scheut auch vor Selbstkritik nicht zurück. Denn habe er es nicht leicht als Kabarettist? Er könne immer herumnörgeln, braucht nicht für E10 geradezusteh'n. Andererseits – und auch das sollte mal gesagt sein – müsste er sich nach Auftritten in fremden Städten spät abends an der Hotelbar von betrunkenen Managern als Witzeerzähler bezeichnen lassen. Matthias Brodowy spricht schnell, rasend schnell zuweilen, und immer wieder spielt er am Klavier. Es soll aber nicht alles witzig sein. So berichtet Brodowy auch von der Schuhproduktion. Wir zahlen 100 Euro und die Näherin im Nirgendwo erhält 45 Cent. In Wahrheit seien wir nicht besser als die Griechen mit ihren Sklaven. „Nur, wir sehen unsere Sklaven nicht.“ Am Ende lautet die Botschaft: Lasst uns die Zwischenzeit genießen. „Haut's die Erde raus aus der Umlaufbahn, heben wir unsere Gläser an.“ Wird nun die Welt untergehen? „Also wenn, dann wegen der Sieben.“


 

Grandios (von links): Volker Thies, Michaela Rams, Dieter Goffing, Susanne Sommer und Christoph Rosenbaum im bauhof.Osterwald

HAZ Leine Nachrichten 28.02.2011

Bauhof feiert ein Opernfest

hemmingen. Vier Operngeister haben am Sonnabend im bauhof die Bühne erobert. Der Geschichte nach ist es Mitternacht, die Vorstellung zu Ende und das Theater verlassen. Aber es wird ein Fest geben, verrät Volker Thies, Moderator des Abends und konzeptioneller Vater des Programms „Da Capo! Das große Opernfest“. Für Feststimmung sorgen er und vier weitere Opernprofis zwei Stunden lang im besten Sinne: Mit Klassikern der Operngeschichte von Mozarts Zauberflöte und Figaros Hochzeit bis hin zu Bizets Carmen und Puccinis Gianni Scicchi. Der mal kräftige, mal zarte Sopran von Michaela Rams, Susanne Sommers glockenheller, starker Mezzosopran, Christoph Rosenbaums klarer, sicherer Tenor und Dieter Goffings voll tönender Bariton nehmen rund 90 Zuhörer mit auf die Reise – gekonnt begleitet von Joachim Beust am Klavier. Am Ende werden die Geister wieder gebannt und verabschieden sich mit dem Gefangenenchor aus Verdis Nabucco. Ein großartiger Abend, der lange und laut beklatscht wird. jow


 

Reißen ihr Publikum mit: Soulsängerin Jael Jones (von links), Drummer Timo Warnecke und Coco Guerra am Saxofon. Jaeger

HAZ Leine Nachrichten 21.02.2011

Jael Jones und ihre Band begeistern Jazzfans im bauhof

Hemmingen-Westerfeld. Jael Jones. Mehr müsste eigentlich nicht gesagt werden. Zumindest nicht für die mehr als 120 begeisterten Zuhörer, die am Sonnabend im Kulturzentrum bauhof erlebt haben, was geschieht, wenn die temperamentvolle Soulsängerin aus Hannover mit ihrer dunklen und modulationsfähigen Stimme binnen Minuten einen Konzertsaal erobert: Das Stillsitzen wird unmöglich. Ob groovige Titel mit starken Akzenten, feurige Sambarhythmen, bei denen das grandiose Quintett auf der Bühne noch enger zusammenzuwachsen schien, meisterlich arrangierte Standards oder sanfte Balladen – alles, was die Künstler preisgaben, war so leidenschaftlich, stark und ehrlich, dass kaum ein Fuß im ausverkauften Saal nicht wippte, kaum ein Kopf nicht nickte. Denn auch, wenn es zweifellos der warme und sich tief in Ohr, Bauch und Herz einbrennende Gesang von Frontfrau Jael Jones war, der den Jazzabend so außergewöhnlich machte: Ohne die präzisen, kraftvollen, swingenden und mutig gelösten Soli von Christoph Münch (Piano), Andreas Edelmann (Kontrabass), Coco Guerra (Saxofon) und Timo Warnecke (Schlagzeug) hätte die schöne Musik es wesentlich schwerer gehabt, ins Innere zu gelangen.ar


 

Er spielt hervorragend Klavier und noch besser mit Worten: Sebastian Krämer im bauhof.Raudies

HAZ Leine Nachrichten 07.02.2011

Wortvirtuose ist äußerst distanziert

80 Gäste sehen Komponisten, Chansonnier und Schriftsteller Sebastian Krämer im bauhof

Von Christine Raudies Hemmingen. „Akademie der Sehnsucht“ heißt das Programm, das Sebastian Krämer gestern im bauhof vor 80 Gäste präsentiert hat. Doch die bei dem Titel möglicherweise erwartete Gefühlswelt steht bei dem in Ostwestfalen geborenen 35-Jährigen nicht so sehr im Mittelpunkt. Krämer ist Komponist, Chansonnier und Schriftsteller. Er spielt hervorragend Klavier und noch besser mit Worten. Aus all diesen Zutaten gestaltet der deutschsprachige Einzel-Poetry-Slam-Champion von 2003 ein Programm, das vor allem den Intellekt der Zuhörer anspricht. Philosophie droht er den Gästen schon zu Beginn an und setzt die Drohung insofern um, dass er alles, was er singt und sagt, immer und immer wieder ironisch kommentiert, erklärt und bricht. Kündigt er Liebeskummer an, spielt er beschwingt wie ein Liedermacher. Geht es um Romantik, wird er überzogen schwermütig, und so weiter. Das kommt gut an, vor allem aufgrund Krämers sprachlicher Virtuosität. In seinen Liedern erzählt er bisweilen Geschichten – solche, die den Zuhörer packen und in eine andere Welt entführen, wie das „Gespräch der Krähen“. Musikalisch geht Krämer viele Experimente ein. Einmal tastet er sich so hoch, bis er gar nicht mehr singen kann. Und bei seiner Klage über Deutschlehrer zertrümmert er fast den Flügel: In der immer gleichen trüben Folge hämmert er die Akkorde, bis das ganze Instrument wackelt. Die Widersprüchlichkeit, die er transportiert, zeigt Krämer auch selbst. Er präsentiert ein stilsicheres Programm, immer in bedachter Abgrenzung zum Kitsch. Dafür erntet er viel Zustimmung. Doch auf direkten Kontakt mit dem Publikum lässt er sich nur streckenweise ein. Krämer ironisiert auch das: „Es kann durchaus passieren, dass ich mich ein bisschen öffne“. Ein bisschen mehr, das hätte dem ansonsten reizvollen Abend sicher nicht geschadet.


 

Stripperin und Garderobenfrau: Barbara Ellen Erichsen gelingt der Spagat. Julia Osterwald

HAZ Leine Nachrichten 31.01.2011

Das lange, reizvolle Warten auf Andrea

Barbara Ellen Erichsen heizt mit „Sag Striptease, please“ dem Publikum im ausverkauften bauhof ein

Von Julia Osterwald Hemmingen. Samuel Beckett hat es vorgemacht: Er hat ein Theaterstück über das Warten auf einen Mann geschrieben, der schließlich nicht erscheint. Am Sonnabend war „Sag Striptease, please“ in einer Inszenierung von Dirk Grothe im bauhof zu Gast. Das Ein-Frau-Theaterstück „Sag Striptease, please“ funktioniert nach dem gleichen Muster wie Becketts „Warten auf Godot“: Eigentlich soll Stripperin Andrea auftreten, aber sie kommt nicht. Deshalb sieht sich die Garderobiere des Nachtlokals gezwungen, einzuspringen und dem wartenden Publikum die Zeit zu vertreiben. Knapp zwei Stunden lang tut Schauspielerin Barbara Ellen Erichsen alles, um das Publikum für den verzögerten Striptease zu entschädigen: Sie singt, tanzt und spielt mit Engagement und Ausdruckskraft, nicht selten mit einem diabolischen Lächeln auf dem Gesicht. Dabei ist sie mal naive Lolita und ungezogenes Gör, mal laszives Weib oder vulgärer Vamp, oft scheinbar nahe am Wahnsinn. In rot-samtenem Cut, darunter nur BH und Slip, schwarze Netzstrumpfhose, High Heels und strengen Dutt, ist sie Conférencier, verströmt Sex und gleichzeitig Strenge. Während sie Andrea auf der Bühne entstehen lässt – unschuldig, blond, mit naiv-doofem Lispeln und Silberblick –, gibt sie eigene biographische und intime Details preis, und immer mehr verschmelzen die beiden Personen, die Ansagerin und die Stripperin. Obwohl sie die Bühne nur mit einem „ganz gewöhnlichen Holzstuhl“ teilt, gelingt es Erichsen, sie zu füllen – vor allem mit ihrer Stimme, egal ob sie Madonna singt („Like A Virgin“), Frank Sinatra („Fly Me To The Moon“) oder Van Morrison („Send In The Clowns“). Sie plaudert munter über Brüste, Sex, Nippel und Druckknöpfchenphobie – und ganz zum Schluss fällt der BH. Das Publikum im ausverkauften Bauhof applaudierte für viel nackte Haut, tiefe Einblicke und derben bis schwarzen Humor – aber auch für gekonnten Gesang und ambitioniertes Schauspiel.


 

Juliano Rossi singt im bauhof und wird bejubelt. Raudies

HAZ Leine Nachrichten 17.01.2011

Musikalische Mätzchen mit Stil

Sänger Juliano Rossi und Pianist Lutz Krajenski swingen erstklassig im bauhof

VON CHRISTINE RAUDIES
HEMMINGEN.
Vielleicht liegt es an Juliano Rossis Stimme. Die ist so uncool und so unartig, dass sie einen sofort gefangen nimmt. Und sie passt ganz entschieden nicht zu dem geschniegelten Understatement, das man erwartet, wenn man ein Swingkonzert wie das am Freitag im bauhof besucht. Aber diese Stimme und das Spiel des erstklassigen Pianisten Lutz Krajenski ergeben mehr als Swing: Swing mit dem gewissen Etwas, das sich alle wünschen.
Ganz sicher liegt es daran, dass Krajenski und Rossi ein glänzend eingespieltes Team sind, die richtig gut miteinander können. Krajenski spielt mal zart, mal haut er in die Tasten, als säße er in einem verrauchten Saloon. Zwischendurch macht er kleine stilvolle, musikalische Mätzchen, indem er beispielsweise zur Textpassage „The Way You Hold Your Knife“ die Melodie der bekannten Messer-Duschszene aus dem Film Psycho spielt. Oder er improvisiert und drängt sich kurz in den Vordergrund, als wäre das gar nichts.
Rossi wickelt das Publikum sowohl stimmlich als auch mit der Titelauswahl um den Finger, die Wohlbekanntes („Volare“) ebenso berücksichtigt wie fast vergessene Schätze („Up and Away“). Er hat die Zuschauer deshalb am Haken, weil er alles, was er macht, kommentiert, das wirkt authentisch. Mitten im Song frischt er die Bekanntschaft zu einer älteren Dame in der ersten Reihe auf. In seinen Anekdoten und Songs schwingt stets so viel Begeisterung mit, die dann in Wellen über das Publikum schwappt.
Die Zuhörer geben ebenfalls ihr Bestes, um den Abend unvergesslich zu machen. Sie entlassen Rossi singend in die Pause und begrüßen ihn nach 20 Minuten ohne Absprache genauso wieder. Sie jubeln frenetisch, wenn erforderlich, und lauschen gebannt, wenn die Gänsehaut gerade an den Armen hochkriechen will. Alles zusammen: Lange kein so gutes Konzert gehört!


 

Rainer Topp (von links), Michael Schultheis, Ulli Petersen, Thomas Schaeffer und Ulrich Baier stimmen mit einem extrem entspannten Programm auf das neue Jahr im Hemminger bauhof ein.Raudies

HAZ Leine Nachrichten 10.01.2011

Das Jahr beginnt beschwingt

Neujahrsjazz im Hemminger bauhof

Von Christine Raudies Hemmingen. Statt des gewohnten Jahresausklangs mit Nikolausjazz vor Weihnachten lud das Hemminger bauhof-Team diesmal zum Jahresauftakt mit der Old Virginny Jazzband – und zahlreiche Besucher kamen. Der bauhof war, wie auch bei vielen Veranstaltungen im vergangenen Jahr, ausverkauft. Die Organisatoren freuen sich über den Erfolg. „Mit unserem vielfältigen Programm ist es uns im letzten Jahr hervorragend gelungen, die Menschen in den bauhof zu holen“, zog Ingrid von Drahten, Schriftführerin und Pressebeauftragte des Vereins, Bilanz. Dabei stehe vor allem ein Gedanke im Mittelpunkt: „Wir wollen den Menschen ermöglichen, den Alltag ein paar Stunden hinter sich zu lassen und alles zu vergessen. Sie sollen sich freuen und am Ende beschwingt nach Hause gehen.“ Dieses Ziel hat das bauhof-Team auch mit dem Neujahrs-Jazzfrühschoppen erreicht. Auf der Bühne präsentierten die coolen Herren der Old Virginny Jazzband ein extrem entspanntes Programm. Die fünfköpfige Band um Posaunist Ulli Petersen spielte ebenso lässig wie präzise bekannte und weniger bekannte Titel aus dem klassischen Swingrepertoire – und rief damit bei den Gästen große Begeisterung hervor. Insbesondere die zahlreichen Soli wurden ausgiebig beklatscht. Petersen würzte den Auftritt außerdem mit kurzen Gedichten, Zitaten und kleinen Späßen. Nach insgesamt drei Sets und Gastauftritten von Hans-Günter Jürgensmeier, der die Band gesanglich und am Banjo unterstützte, konnten die Besucher beschwingt nach Hause gehen und mit Vorfreude auf das neue bauhof-Jahr blicken.


 

Elisa Salamanca (links) und Inken Röhrs singen. Raudies

HAZ Leine Nachrichten 29.11.2010

Auf der Bühne tanzt der Baum

Die Steptokokken präsentieren im bauhof ein schrill-fröhliches Grippenspiel zum Advent

VON CHRISTINE RAUDIES HEMMINGEN. Es fing doch alles ganz besinnlich an. Mit Kerzen, ein bisschen Weihnachtsflimmer im Haar und „Alle Jahre wieder“. Gut, der Text klang irgendwie anders als sonst. Aber die meisten Zuschauer im ausverkauften bauhof wussten ohnehin, dass es ganz so harmlos nicht bleiben würde.
Die Steptokokken, die am Sonnabend ihr vorweihnachtliches Grippenspiel präsentierten, haben längst Kultstatus bei ihren Anhängern. Seit mehreren Jahren infizieren sie die Zuschauer ihrer Shows mit dem Staun-, Lach- und Klatschvirus. Diesmal drehte sich ihre Revue um das schönste aller Feste für Mensch und Mikrobe.
Und gleich am Anfang ging es dem unverzichtbarsten aller Weihnachtsinstrumente, der Blockflöte, an den Kragen. Was man überhaupt alles mit traditionellen Weihnachtsliedern anfangen kann, führten die vielseitig begabten Entertainerinnen mit Gesangs-, Instrumental- und Tanznummern vor. Da steppte im bauhof der Baum.
Auch die Zuschauer durften mitmachen und klingelten mit kleinen Glöckchen ekstatisch mit. Glanzpunkt der ersten Hälfte war das Plätzchenkonzert, eine Rhythmusperformance in Stomp-Manier, mit Löffeln auf Keksdosen verschiedener Größen getrommelt. Das fetzte und riss die Zuschauer mit. Dass die Kokken auch einige ältere Nummern weihnachtlich zurechtgestutzt präsentierten, störte gar nicht.
So kamen die Zuschauer wieder einmal in den Genuss der wahnwitzigen „Schwestern“, einem Klassiker und dem Höhepunkt der zweiten Halbzeit. Am Ende hatten sicherlich sehr viele der Besucher Leibweh. Aber nicht wegen der zum Abschluss besungenen Fressorgien, sondern weil sie den Lachvirus, der an diesem Abend um sich griff, einfach nicht mehr loswerden konnten.


 

Oh, yeah: Bruno Brauer (links) und Uwe Janssen stellen im bauhof ihre erste CD vor, und die Zuschauer jubeln. Jaeger

HAZ Leine Nachrichten 29.11.2010

Zwei Kolumnisten reden sich den Mund trocken

Uwe Janssen und Bruno Brauer präsentieren im Kulturzentrum bauhof ihre Live-CD „Reden statt Pattensen“

VON ALEXANDRA JAEGER HEMMINGEN. Erfolgreiche Komödianten kommen immer an den Ort ihrer Taten zurück. Und wenn sie dann auch noch Bruno Brauer und Uwe Janssen heißen, ihr zurecht gefeiertes Programm den Titel „Reden statt Pattensen“ trägt, die Gitarren gestimmt und die Zungen gespitzt sind, dann wird eine solche Rückkehr zum Reingewinn für alle Beteiligten.
Kein Wunder, dass das zeitweise völlig aus dem Häuschen geratene Publikum im Hemminger bauhof den vergangenen Freitagabend so schnell nicht vergessen wird. Die beiden HAZ-Kolumnisten haben ihre erste Live-CD vorgestellt und sich als Kabarettisten allererster Güte entpuppt. Brauer und Janssen redeten sich in Hochgeschwindigkeit den Mund trocken und zündeten mit ihrem ironischen Jahresrücklick ein Pointenfeuerwerk, das seinesgleichen sucht. Kulturelle und politische Ereignisse wurden von den beiden gnadenlos aufs Korn genommen.
Da blieb kein Stein auf dem anderen, kein Sack in der Tonne, keine Landesbischöfin vor der Lichtzeichenanlage stehen, kein Haus ungepixelt, kein Brötchen ohne Migrationshintergrund und kein Bahnhof dort, wo er seit Jahren steht.
Intelligent, witzig, frech und gleichzeitig mit Tiefgang widmeten sich Brauer und Janssen in ihren Texten und Liedern dem ganz alltäglichen Wahnsinn in Deutschland und anderswo und vermittelten dem Publikum dabei nicht eine Minute lang das Gefühl, das eine Pointe von gestern oder schon einmal Thema in einer zweitklassigen Klamaukshow war.
Die Zuschauer waren kaum noch auf ihren Stühlen zu halten, als die Kolumnisten über den „möglicherweise leicht veränderten“ Werdegang von Verteidigungsminister „Kevin-Maurice zu Guttenberg“ referierten. Die Stimmung war immer dann am besten, wenn die beiden von Ereignissen erzählten, die vor der eigenen Haustür, also in Deutschland, geschehen sind.


 

Christoph Brüske teilt im bauhof aus. Raudies

HAZ Leine Nachrichten 15.11.2010

Der Energiebringer heizt dem Publikum im bauhof ein

Christopf Brüske überzeugt mit Analyse und rheinischem Witz

Von Christine Raudies Hemmingen. Ein bisschen sieht er aus wie der Gute-Laune-Bär, der Mann da vorne auf der Bühne. Doch der Eindruck täuscht. Christoph Brüske, der vor rund 100 Zuschauern im bauhof sein Programm „Energie“ vorstellt, hat es faustdick hinter den Ohren. Er kann nicht nur anheizen. Er kann auch austeilen. So heftig, dass es Funken schlägt. Seine vermeintliche Naivität ist nur Strategie. In rheinischer Plaudermanier reißt er das Publikum mit und rast fortan wie ein D-Zug durch die deutsche Politik: von der Sarrazin-Debatte zur Vertriebenenpolitik, vom WM-Hype über Stuttgart 21 bis zur Bildungsmisere und dem Castortransport. Nach ein paar Minuten fragt man sich, wie er das durchhalten will. Aber es geht ungebremst weiter. Nahezu jeder Bundesminister bekommt sein Fett weg. Tagesaktuell, in einer kongenialen Mischung aus intelligenter Analyse und derbem Witz. Der Höhepunk der ersten Hälfte: Die Intonierung des Heiderösleins zu Ehren des Gesundheitsministers – mit ironischer Inbrunst und toller Tenorstimme: „Sah' ein Knab namens Rösler stehn – war so jung und war so schön!“ Das Publikum dankt es Brüske mit Johlen und Klatschen. In der zweiten Hälfte dreht sich alles um die Globalisierung, die irgendwie mit dem Dämmen der eigenen vier Wände zu tun hat. Wenn es noch ein Fünkchen Begeisterung gibt, das ihm nicht zugeflogen ist: Mit der Hymne auf Hemmingen (zu „New York, New York“) gibt Brüske sich und dem Publikum den Rest. Ob Brückstraßen-Schlaglochpiste oder Streit um die B 3: „Wer braucht die Welt? Es reicht auch Westerfeld!“


 

Ein Multitalent mit vielen Gesichtern und Talenten: Der Oldenburger Andi Steil bespielt in seinem Programm „Rhythmusknacker – ein Maul wird zur Trommel“ verschiedene Alltagsgegen- stände und fasziniert die Zuhörer im bauhof mit viel Wortwitz. Der Frack als Kleidungsstück muss herhalten, um die sogenannte Abfrackprämie zu kassieren.von Lüderitz (3)

HAZ Leine Nachrichten 08.11.2010

Andi Steil veredelt Türstopper zum Instrument

Multitalent aus Oldenburg unterhält mit seinem Programm „Rhythmusknacker“ 60 Zuschauer im bauhof

Von Achim von Lüderitz Hemmingen. Vielleicht lag es ja am zunächst nicht gerade aussagekräftigen Titel: „Rhythmusknacker – ein Maul wird zur Trommel“ hieß das Programm im nicht ganz ausverkauften Hemminger bauhof. Immerhin hatten sich am Freitag rund 60 Zuschauer im Kulturzentrum eingefunden – und sie wurden von Multitalent Andi Steil aus Oldenburg zwei Stunden lang aufs Beste unterhalten. „Wir haben uns fast kringelig gelacht“, sagte Renate Becker-Serafin. Sie war mit ihrem Kegelklub „Die Optimisten“ zur Vorstellung gekommen, um mal ein, zwei Stunden abzuschalten. Das allerdings gelang nur bedingt, denn man musste schon hellwach sein, um alles mitzukriegen, was der Komedian da auf der Bühne an Unterhaltung verzapfte. Der Humorist, der schon beim Quatsch-Comedy-Club aufgetreten ist, bot eine großartige Mischung aus Musik – als ungewöhnliche Instrumente dienten ihm neben seiner „Play“-Station auch Türstopper, leere Flachmänner, Rumbarasseln und etliche Alltagsgenstände – Gesang und Erzählkunst. Mit schwarzer Soulstimme und vielen fast undefinierbaren Geräuschen erfreute er sein Publikum und nahm es mit auf eine Weltreise, an deren Routen Wortwitz, Slapstick und Kalauer ein unterhaltsames Spalier bildeten. Andi Steil war dabei kein Wiederkäuer altbekannter Witze, sondern kreierte eigene Wortschöpfungen und neue Begriffe – darunter den Afrikaner, den er auf dem Mom-Basar getroffen hatte und der als Einsiedler in einer Wohngemeinschaft lebte. Auch das Outfit war besonders. Aus olivgrünen, gelblichen Bundeswehrrückständen („Ich habe schon bei den Wiener Philharmonikern als Geigenzähler gearbeitet“) hatte er sich einen Abendanzug maßschneidern lassen. Nach der Pause zwängte er sich in einen Frack, um „die Abfrackprämie“ zu kassieren. Seinen kahlen Kopf („ein schönes Gesicht muss ausreichend Platz haben“) benutzte er als Dockstation für allerlei Geräte, die, mit Saugnäpfen ausgestattet, das Bühnenbild bereichern. Der Abend war eine Symbiose aus Mimik, Musik und Komik, aus Slapstick und Clownerie, eine Mischung, die genau den Geschmack des Publikums getroffen hatte.


 

Jael Jones singt mit viel Gefühl. Andreas Edelmann (von links), Coco Guerra und Timo Warnecke unterstützen sie dabei. Krings

HAZ Leine Nachrichten 01.11.2010

Das Publikum schwelgt in sanften Klängen

Das Jael-Jones-Quintett swingt im Kulturzentrum bauhof

Von Sigrid Krings Hemmingen. Sie liebt gefühlvolle Balladen. Das gibt die Sängerin Jael Jones bei ihrem Konzert am Sonnabendabend im Kulturzentrum bauhof gern zu. „Deswegen quäle ich sie mit einer weiteren“, kündigt sie an, streicht sich die dunkelbraunen langen Haare aus dem Gesicht und lächelt ein wenig frech. Doch als das Jazz-Quintett zu dem Jazz-Standard „Nature Boy“ anhebt und Jael Jones die Geschichte eines herumreisenden kleinen Jungen besingt, ist beim Publikum von Qual keine Spur. Im Gegenteil: Einige Zuhörer im ausverkauften Saal haben die Augen geschlossen und schwelgen entspannt in der sanften Mischung aus Stimme, Piano (Christoph Münch), Kontrabass (Andreas Edelmann), Saxofon (Coco Guerra) und Schlagzeug (Timo Warnecke), andere wippen mit den Füßen oder klopfen den Takt leise vor sich hin. Genuss pur. Die hannoversche Jazz- und Soulsängerin gastierte vor rund zwei Jahren zum ersten Mal mit ihrer Band im bauhof und löste schon damals große Begeisterung aus. Die 41-Jährige versteht es, ihre kräftige dunkle und hervorragend ausgebildete Stimme sehr geschickt einzusetzen und die vielen Facetten gekonnt zur Geltung zu bringen. Doch auch wenn Jael Jones Balladen besonders gern singt – die flotteren Songs wie etwa „My Kind of World“ von Jimmy Woode oder das jazzig arrangierte Lied „Mond über Hamburg“ von Stefan Gwildis gelingen dem Quintett an diesem Abend insgesamt besser. Denn hin und wieder findet das Ensemble den gemeinsamen Groove erst ein wenig mühsam nach etlichen Takten – vor allem bei den ruhigen und getragenen Stücken. Meist ist es dann eines der kraftvollen und präzise swingenden Soli des Pianisten Münch, das die Spannung löst und der schönen Musik endlich den Weg ins Innere öffnet.


 

Elke Reissert (links) und Sabine Göttel lesen im bauhof. Raudies

HAZ Leine Nachrichten 04.10.2010

Gruselstunde mit Hexen und Hackebeilchen im bauhof

Schrecklich amüsant: Duo liest aus Hannovers Kriminalgeschichte

Von Christine Raudies Hemmingen. Rädern, mit brennendem Schwefel verätzen oder lebendig begraben? Wer schon immer wissen wollte, wie es mit Folter und Gerichtsbarkeit seit dem Mittelalter vor sich ging, der war bei der szenischen Lesung am Sonnabend im bauhof genau richtig. Ein Gruselgefühl hatten die Zuschauer durchaus, das Programm hieß „Tendenziell kriminell – Verbrecher und Verbrechen aus Hannover musikalisch aufpoliert“. Die Rezitatorinnen Elke Reissert und Sabine Göttel entführten die Gäste in die Kriminalgeschichte Hannovers und der Region, und da ging es reichlich brutal zu. Ob Ehebruch oder Raubüberfall, ob Zauberei oder Gattenmord: Weder beim Richten noch beim Morden war man besonders zimperlich. Auf der Bühne lief es dagegen recht harmlos. Die beiden Sprecherinnen lasen mal bissig, mal ironisch und mal genussvoll Texte über Verbrechen und Gerichtsprozesse der hannoverschen Geschichte vor – von Hexenverbrennungen bis hin zu Hackebeilchen Haarmann. Was an dem Skript von Sabine Göttel Originalquelle war und was hinzugedichtet wurde, blieb dem Publikum bisweilen verborgen. Spaß machte es trotzdem. Verboten gut kam die Darbietung des finster dreinblickenden Trios „Feelharmonica“ an, das die Lesung mit bekannten Krimi-Liedern stimmungsvoll untermalte und amüsant kommentierte. Ob mit Melodien aus „Derrick“ oder „Stahlnetz“, Werner Pfizenmaier (Mundharmonica), Roland Baumgarte (Cello) und Jürgen Happe (Gitarre) sorgten immer wieder für Beifall des Publikums. Mit Grusel, Musik und Kriminalgeschichte(n) waren die Zuschauer am Ende sehr zufrieden: Im bauhof waren sie ja alle in Sicherheit.


 

Paul Grote liest im Hemminger bauhof. von Lüderitz

HAZ Leine Nachrichten 13.09.2010

Es muss nicht immer Schampus sein

Krimiautor Paul Grote stellt im bauhof seinen neuen Krimi vor – mit Weinprobe

Von Achim von Lüderitz Hemmingen-Westerfeld. Wenn es nach den Titeln seiner bisher veröffentlichten sechs Bücher geht, müsste Krimi-Schriftsteller Paul Grote eigentlich Alkoholiker sein. „Rioja für den Matador“, „Der Portwein-Erbe“ und „Bitterer Chianti“ leuchtet es grell von den Einbänden. Und auch im neusten Roman geht es wieder um Promille. Am Sonnabend stellte der Autor sein Buch „Der Champagner-Fonds“ im bauhof vor. Mit gespielter Entrüstung weist Grote (Jahrgang 1946) die Andeutung von eventueller Abhängigkeit von sich: „Ich genieße gerne einen guten Tropfen, aber konsumiere ihn nicht flaschenweise.“ Für seinen neuen Roman hat er mehr als ein Jahr lang recherchiert und musste auch erst einmal eine Beziehung zu dem edlen Tropfen aus der Champagne aufbauen. „Früher dachte ich immer, Champagner sei eine Art Brause für reiche Leute“, sagt der Autor. Trotz aller intensiven Forschung zum Thema „Schampus“ bleibe er aber Weinliebhaber. Zum dritten Mal war Grote in den bauhof gekommen, und wieder hingen die rund drei Dutzend Besucher an seinen Lippen. Der Berliner las nicht nur vor, sondern verkörperte auch die Gestalten in seinem Buch. Philipp Achenbach zum Beispiel, den leitenden Angestellten eines Kölner Weinimports, und dessen Chef, der die Firma durch die Auflegung eines Fonds wachsen lassen will. Begleitet wurde die Lesung von Wein- und Champagnerproben – und Anekdoten des hannoverschen Weinimporteurs Hilmar Zobel, der allerlei über Weinarten, die langwierige Herstellung einer solchen Flasche und deren Preis zum Besten gab.


 

Reden statt Pattensen: Bruno Brauer (links) und Uwe Janssen. Krings

HAZ Leine Nachrichten 06.09.2010

Die Kolumnisten singen auch

Uwe Janssen und Bruno Brauer nehmen den frühesten Jahresrückblick des Jahres vor

Von Sigrid Krings Hemmingen. Der Gesundheitszustand der Künstler sei eigentlich stabil. „Aber sie sind sehr nervös“, sagt der großgewachsene blonde Mann mit einem schelmischen Lächeln. Er sei der „Einheizer“ und auf die Bühne des Kulturzentrums Bauhof in Hemmingen gekommen, um das Publikum für die nachfolgende heitere Lesung „Reden statt Pattensen“ in Stimmung zu bringen. Viel braucht es dazu nicht: Die rund 100 Zuschauer im ausverkauften Saal sind bereits bestens gelaunt, bevor es überhaupt losgeht. Sie freuen sich auf die beiden Kolumnisten der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung Uwe Janssen und Bruno Brauer, die den frühesten Jahresrückblick des Jahres vornehmen und ihn an diesem Freitagabend für ihre erste gemeinsame CD aufnehmen wollen. Da geht es mächtig zur Sache: Janssen und Brauer legen sich ins Zeug, reden sich den Mund in Hochgeschwindigkeit trocken. Immer wieder greift Janssen zur Gitarre, und beide Künstler zeigen, dass sie nicht nur reden, sondern sogar singen können. Ein Lacher jagt in dem fast dreistündigen Programm den nächsten, das Publikum johlt, klatscht und trampelt vergnügt. Um den FDP-Politiker Guido Westerwelle geht es, der „Brötchen mit Migrationshintergrund“ kauft. Die Kolumnisten erklären den „Verdummungsrechner Thilomat“ und führen mit finsterer Stimme durchs Gruselkabinett der Bundesminister. Brauer erzählt von „The Letter“ im Büro von Facebookgründer Mark Zuckerberg, und Janssen führt vor, wie sich künftig gepixelter „Google Street Sound“ in Hemmingen anhören könnte. „Sobald die CD draußen ist, muss ich eine haben“, sagt eine Frau in der Pause begeistert. Ein wenig wird sie sich gedulden müssen, aber Ingrid von Drahten aus dem Vorstand des Bauhofs versichert: „Sobald die CD im Handel erhältlich ist, werden wir auf unserer Internetseite darauf hinweisen.“


 

Desimo spielt im bauhof vor ausverkauftem Haus. Bengsch

HAZ Leine Nachrichten 30.08.2010

Desimo zerreißt Karten und errät Gedanken der Gäste

100 Zuschauer sehen Show „Wunschlos oder glücklich“ im Bauhof

Von katharina Bengsch Hemmingen. „Das ist tief, das ist fast unterirdisch“, kommentierte Detlef Simon die vorgelesenen Passagen aus einem Esoterikbuch. Der Kabarettist, der als Desimo weit über die Regionsgrenze bekannt ist, hatte offenbar nichts übrig für Mystik. Dem Publikum ging es scheinbar ähnlich: Lachen und Glucksen war aus allen Winkeln des Saales zu hören. Bereits zum dritten Mal trat Desimo am Sonnabend im Hemminger bauhof auf, diesmal mit dem Stück „Wunschlos oder glücklich“. Dabei bekamen die 100 Gäste im ausverkauften Haus vor allem Desimos Wünsche zu hören. Witzig und gepaart mit politischen Statements klangen diese wie folgt: „Ich wünsche mir, dass die Betreiber von Atomkraftwerken auf dem Gelände wohnen.“ Magisch wurde es, als er die Gedanken eines Zuschauers erriet. Aus einem Buch durfte sich ein Gast ein Substantiv aussuchen. Desimo sagte nach einem kurzweiligen Frage- und Antwortspiel „Gras“ – ein Volltreffer. Besucherin Katharina Dahlgrün musste sogar auf die Bühne, um ihren Namen und einen Wunsch auf eine Spielkarte mit einem Engel schreiben. Wünsche an das Universum würden ja bekanntlich von Engeln weitergeleitet, scherzte Desimo. Mit den Worten „Haben Sie ihren Wunsch aufgeschrieben? Dann können Sie ihn jetzt knicken“ zerriss der Künstler die Karte und präsentierte sie wenige Minuten später heil in einer Glühbirne. So sprachlos wie Dahlgrün war auch das Publikum. Der Zustand verflog jedoch beim Bingo. Dass alle gewannen, war vorauszusehen. Schließlich war das Spiel so präpariert, dass überhaupt niemand verlieren konnte.


 

Trio Coppo (von links): Percussionist Rolf Schawara, Flötist Carsten Tamme und Gitarrist Volker Kraatz experimentieren im bauhof mit Stilen aus der Karibik. Zerm

HAZ Leine Nachrichten 23.08.2010

Wilde Flötenklänge eröffnen die Saison

Das Trio Coppo spielt beim Kultursommer Region Hannover im ausverkauften bauhof in Hemmingen

Von Stephanie Zerm Hemmingen-Westerfeld. Mitreißende Flötensoli, groovige Gitarrenklänge und ein riesiges Schlagzeugarsenal. Das Trio Coppo hat am Sonnabendabend im Kulturzentrum bauhof mit einer heißen Mischung aus lateinamerikanischen Klängen die neue Saison eröffnet. „Wir sind stolz, dass wir das Ende der Sommerpause einläuten dürfen“, sagte Flötist Carsten Tamme, der die Besucher im ausverkauften bauhof charmant durch das Programm führte. Ob „English Man in New York“ von Sting, Kompositionen von Chick Corea oder der Klassiker „Just the Two of Us“ von Bill Withers – in jeder Interpretation schwang der Klang aus Süd- und Mittelamerika mit. Bereits vor einem Jahr hatten Percussionist und Initiator Rolf Schawara aus Coppenbrügge, Gitarrist Volker Kraatz aus Elze und der Hemminger Carsten Tamme das Publikum im bauhof mit ihren mitreißenden Interpretationen begeistert. Am Sonnabend präsentierten sie weitere neue Stücke aus ihrem Programm. „Damit Sie sich nicht langweilen“, erklärte Musiker Carsten Tamme scherzend. Doch davon konnte bei den Gästen keine Rede sein. Mit ihrem oft improvisierten Latin-Jazz haben die Musiker alle Register gezogen und das Publikum durchweg in den Bann gezogen. Mit viel Spielfreude und einer satten Portion Rhythmus haben die Musiker bekannte Stücke in vollkommen neuen Klangfarben interpretiert. Durch die ungewöhnliche instrumentelle Besetzung mit Querflöte, Drums und Gitarre vermischten sich kubanische Rhythmen mit groovigen Improvisationen. Alles in allem: ein gelungener Start in die neue bauhof-Saison.


 

Geschichten ohne Worte (von links): Miko Mikulicz, Omid Bahadori und Michael Meyer spielen im bauhof.Korthals

HAZ Leine Nachrichten 31.05.2010

Auf unterhaltsamer Klangreise mit dem Trio Rangin

Hemmingen-Westerfeld. Sie können alles: Egal ob Jazz, Latin, orientalische Folklore oder auch ein bisschen Funk, ein bisschen Flamenco und etwas Pop – jeder Ton sitzt. Selbst die kompliziertesten Melodiefäden bringen sie mit erstaunlicher Lockerheit auf die Bühne. Und zu jedem Stück gibt es die passende Mimik obendrauf. Vom künstlerischen Können des Trios Rangin haben sich am Freitagabend etwa 100 Zuhörer im ausverkauften Kulturzentrum bauhof überzeugt. Am besten beschreibt ihr eigener Name die Musik: Das Wort Rangin kommt aus dem Persischen. Es bedeutet bunt, farbenfroh. Die beiden Gitarristen Michael Meyer und Omid Bahadori spielen seit der Gründung vor zehn Jahren zusammen. Unterstützt wurden sie am Freitag von Miko Mikulicz an der Geige. Die Stärke der Musiker liegt in ihrer Ausdrucksfähigkeit, denn ihre Musik bedarf keiner Erläuterung. Beeindruckend war das Stück „Sa Talaia“, gleichnamig wie der höchste Punkt der Baleareninsel Ibiza, auf der Meyer seinen Urlaub verbracht hat. Es erzählt die Geschichte eines Sommerurlaubs, und das ganz ohne Worte. Die poetischen Lieder von Rangin wirken wie eine kleine Träumerei, zu der jeder Zuhörer vor dem geistigen Auge einen eigenen Film entstehen lassen kann. Und man will gar nicht mehr aufwachen, muss es aber doch – spätestens beim tosenden Beifall.cok


 

Pantomime Bulipp spielt mit einem Luftballon und den Gästen.Zerm

HAZ Leine Nachrichten 10.05.2010

Ein Tollpatsch mit Poesie hypnotisiert einen Luftballon

Pantomime Bulipp tritt im Hemminger Kulturzentrum bauhof auf

Von Stephanie zerm Hemmingen-Westerfeld. Manchmal sind keine Worte nötig, um sich mitzuteilen. Zumindest im Hemminger bauhof funktionierte die Kommunikation am Sonnabendabend auch lautlos. So zog Pantomime Bulipp die Gäste im Kulturzentrum auch schweigend in seinen Bann und sorgte mit seiner charmanten, tollpatschigen Art für zahlreiche Lachsalven. Etwa als er leichtfüßig wie ein Balletttänzer im Dreivierteltakt über die Bühne schwebte. Doch leider hatte die Platte einen Sprung, sodass er mit blankem Entsetzen in seinen Augen seine tänzelnden Bewegungen immer wieder wiederholen musste. Doch das Publikum sieht bei Bulipps Vorstellung nicht bloß tatenlos zu. Immer wieder bezog der Pantomime, der bereits zum dritten Mal im bauhof auf der Bühne stand, die Gäste in seine Vorführung mit ein. Mit einem Zuschauer trat er zu einem imaginären Tennismatch an, während er einer anderen Zuschauerin mit einem Besen die Haare kämmte. Mit charmanten Gesten überzeugte er eine weitere Besucherin, auf die Bühne zu kommen und in ein kleines Windrad aus Papier zu pusten, um für die Beleuchtung auf der Bühne zu sorgen. Die rund 70 Zuschauer amüsierten sich gut. Bulipps Versuch, einen Luftballon dazu zu überreden, durch einen Reifen zu springen, erntete ebenfalls viel Beifall. Der Luftballon erwies sich während der Vorstellung als recht widerspenstig, sodass der Pantomime es letztendlich mit Hypnose versuchte. Mit seiner ausdrucksstarken Gestik und Mimik hat Bulipp, der sich selbst als Tollpatsch mit Poesie bezeichnet, sein Publikum überzeugt und erntete für sein kommunikatives Schweigen am Ende seines Auftritts viel Applaus.


 

Die Zuschauer haben die Wahl: Matthias Brodowy notiert die Wünsche aus dem Publikum für seinen Auftritt. Zerm

HAZ Leine Nachrichten 03.05.2010

Vertreter für gehobenen Blödsinn erfüllt Wünsche

Matthias Brodowy gibt auch Tipps bei Öffentliche-Toiletten-Phobien

Von Stephanie Zerm Hemmingen-Westerfeld. Mit seinem Best-Of-Programm „Bis es euch gefällt“ ist der hannoversche Kabarettist Matthias Brodowy am Freitagabend im Kulturzentrum bauhof aufgetreten. Dabei durften die Zuschauer das Programm selbst bestimmen. Brodowy, der sich selbst als „Vertreter für gehobenen Blödsinn“ beziehungsweise als „Chief Director For a High Level Bullshit“ bezeichnet, notierte alle Wünsche des Publikums, die er im charmanten Plauderton zu einem unterhaltsamen Programm zusammenfügte. Darunter etliche Klassiker seiner Texte, Geschichten und Lieder. So schilderte Brodowy seinen Alptraum, Papst Heinz I. zu sein und bei seinem ersten öffentlichen Auftritt mit einem bekleckerten Kleid vor die Öffentlichkeit zu treten, während sein Handy „Highway to Hell“ spielt. Nichts Menschliches scheint dem Kabarettisten fremd zu sein. Weder Übergewicht noch die Frage nach einem angemessenen Grabsteinspruch: „Für einen Jäger ist ,Halali, die Jagd ist aus? fantastisch – für eine Putzfrau: ,Sie kehrt nie wieder?.“ Auch die Frage der letzten Worte will laut Brodowy gut überlegt sein: „Nicht, dass ich sage, ich gehe noch mal schnell Pippi machen und dann war?s das.“ Auch politische Pointen baut der Kabarettist ein: „Ich gehe jetzt nur noch in griechische Restaurants und zahle dort die Hälfte: Den Rest hat Angela Merkel schon überwiesen.“ Doch Brodowy will sein Publikum nicht nur unterhalten, sondern auch von Phobien heilen: „Wenn Sie unter einer Öffentliche-Toiletten-Phobie leiden, ist eine Konfrontation das Beste“, gab er den 100 Gästen im bauhof mit auf den Weg in die Pause. „Setzen Sie sich gleich auf die Resonanzschüssel, ziehen Sie dort ordentlich vom Leder und rufen laut ,Ich war's!'“ Das Programm kam bei den Gästen so gut an, dass der bauhof Brodowy schon für einen Auftritt im nächsten Jahr gebucht hat.


 

Das traditionelle japanische Marionettentheater ist Thema eines der Stücke, das Yasuko Ogata am Cello im Kulturzentrum bauhof vorträgt. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 12.04.2010

Cello und Piano begrüßen den Frühling

Asiatisch-westliche Symbiose beim Konzert im Kulturzentrum bauhof

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Nach der Ikebana-Vorführung von Sigrid Didjurgis betraten die Cellistin Yasuko Ogata und die Pianistin Masayo Hosomi die Bühne im Hemminger Kulturzentrum bauhof. Beide stammen aus Japan und haben an internationalen Festivals, Meisterkursen und Konzertprojekten teilgenommen. Yasuko Ogata ist vielen Hemmingern als Lehrerin an der Musikschule bekannt. Zum Auftakt präsentierten Ogata und Hosomi Musik zeitgenössischer japanischer Komponisten zum Thema Frühling. Die Werke nehmen oft asiatische Harmonien auf und verbinden sie gekonnt mit westlichen Hörgewohnheiten und Instrumenten. Das ungewöhnlichste Stück des Abends ist bis ins Detail beispielhaft für diese Symbiose. Der bedeutende Komponist Toshiro Mayuzumi hat die Musik des traditionellen japanischen Marionettentheaters in Cello-Klänge umgearbeitet. „Normalerweise wird die Musik auf traditionellen Instrumenten gespielt“, sagte Yasuko Ogata. Virtuos zeigte sie verschiedene Zupftechniken, Glissandos und Bogenführungen mit der rechten Hand bei gleichzeitigem Zupfen mit der linken. Die Zuhörer konnten sich lebhaft die asiatischen Melodie- und Schlaginstrumente vorstellen. Rein europäische Kompositionen waren das „Waldesruhe“ von Antonin Dvorák und als Höhepunkt die Sonate für Klavier und Violoncello in F-Dur von Ludwig van Beethoven. Das Publikum applaudierte kräftig. Als Zugabe brachte das Duo japanische Stücke zu Gehör, darunter eines über die Kirschblüte. „Leider konnte ich das in den letzten zehn Jahren nicht sehen“, sagte Aysuko Ogata. Diese Zeit sei in Japan besonders schön. Den japanischen Abend hatten der bauhof, die deutsch-japanische Gesellschaft und die Bürgerstiftung im Rahmen des Projekts „Hemmingen musiziert“ organisiert.


 

Sigrid Didjurgis erläutert die runden Formen und die Harmonie in der von buddhistischen Mönchen entwickelten Kunst des Blumenarrangements.Schwier

HAZ Leine Nachrichten 12.04.2010

Kunst und Musik Japans im bauhof

Hemmingen-Westerfeld. Im Hemminger Kulturzentrum bauhof ging es am Freitagabend japanisch zu. Ikebana sowie ein Frühlingskonzert mit japanischer Musik standen auf dem Programm. Zum Auftakt lüftete Sigrid Didjurgis einige Geheimnisse um Ikebana, eine von buddhistischen Mönchen schon im sechsten Jahrhundert kreierte Kunst des Blumenarrangements. „Die Harmonie ist wichtig“, sagte Didjurgis. In einer Schale ordnete sie drei unterschiedlich lange Äste an: Der längste in der Mitte symbolisiert den Himmel, der mittlere den Menschen und der kürzeste die Erde. Es gebe so gut wie keine symmetrischen Formen im Ikebana und die meisten Arrangements seien nur von einer Seite aus zu betrachten. Nur dann sei die Harmonie aus angeordneten Pflanzen und leeren Stellen ausgewogen. Und es wurden nicht nur Blumen verwendet. Zur Erheiterung des Publikums hatte Sigrid Didjurgis Broccoli verarbeitet.shw/Mehr auf Seite 5


 

Gurkenrap: Robert Wicke schabt den Rhythmus mit Gemüse und Reibe.von Lüderitz

HAZ Leine Nachrichten 16.03.2010

Mit simplen Kartentricks ist Zaubern keine Hexerei

Robert Wicke zeigt im bauhof Akrobatik, Pantomime und Tanz

Von Achim von Lüderitz Hemmingen. Eine bunte Mischung aus Akrobatik, Musik, Pantomime und Tanz wurde den 80 Besuchern des „Smartshow“-Varietés im Hemminger bauhof geboten. Wenn ein paar Sessel frei blieben, lag das daran, dass deren Besitzer von Kleinkunstkünstler Robert Wicke zwecks kurzfristiger Unterstützung auf die Bühne geholt wurden. Die Aushilfs-Protagonisten waren sichtlich erleichtert, als sie nach ihrem Auftritt wieder im Zuschauerraum Platz nehmen durften. Am besten gefiel Robert Wicke aber auch als „Einzelkämpfer“ auf der Bühne. Erstaunlich, wie trefflich man sein Publikum mit ein paar knusprigen Chips, einem Mikrofon und Musik vom Band unterhalten kann – oder mit einer Salatgurke samt Reibe, die als Begleitung für einen Rapvortrag dienten. Slapstick und Pantomime wechselten einander ab, stets begleitet von einer beeindruckenden, schier unerschöpflichen Mimik und fremdländisch klingenden Kommentaren, die der Künstler selbst als „Disneyländer Platt“ bezeichnete. Comedian Wicke zeigte in rasendem Tempo einen bunten Querschnitt durch sein vielfältiges Programm. „Einige Passagen habe ich heute zum ersten Mal aufgeführt“, verriet er in der Pause, „für jede Szene muss man schon intensiv üben, bis sie bühnenreif ist.“ Nach der Pause kam dann Altbewährtes: Kugeln, Bälle und Keulen standen im Mittelpunkt und schienen die Schwerkraft einfach aufzuheben. Nur wer beim Versuch, mit drei Tennisbällen zu jonglieren, schon kläglich gescheitert ist, kann ermessen, wie schwierig sieben durch die Luft wirbelnde Bälle oder Keulen zu beherrschen sind. Wicke zeigte auch, dass Zaubern keine Hexerei ist. Es ist gar nicht so schwer, eine bestimmte Karte aus einem Stapel zu fischen, wenn das ganze Spiel aus Pikdreien besteht. Noch eine ganze Reihe ganz simpler Tricks hatte der gebürtige Hannoveraner auf Lager. „Das Jonglieren hat mir aber am besten gefallen“, lobte Ursula Buglass. Für die 82-Jährige war es der erste Besuch im bauhof. Das allerdings lag daran, dass sie 50 Jahre in England gelebt hatte. Künftig will sie öfter kommen. Vor allem dann, wenn das Programm so bunt und vielfältig ist.


 

Volker Thies (links) und Alix Dudel singen zusammen von den Untiefen einer Beziehung. Eberstein

HAZ Leine Nachrichten 08.03.2010

Viel Charme: Doch Männer kommen selten gut weg

Alix Dudel singt im bauhof Texte von Kändler und Kreisler

Von Philipp Eberstein HEMMINGEN. Wenn Alix Dudel auftritt, gibt es im Publikum nur selten freie Plätze. Ihr Konzert „Gestern war ich morgen schon“ im bauhof am Sonnabend machte da keine Ausnahme. Karten für die 100 Plätze des Saals waren restlos ausverkauft, als Dudel für zwei Stunden Texte des hannoverschen Kabarettisten Friedhelm Kändler intonierte, inszenierte und interpretierte. In der ersten Hälfte heiter bis frivol, hangelte sich Dudel mal durchs Publikum („Darf ich mal durch ...“), um dann von der Bühne in feiner Chansons-Manier von ihren Erfahrungen mit der Männerwelt zu berichten („Sie sind schön, rasiert ... und sie reden nicht“). Dass Männer dabei selten wirklich gut wegkommen, ist schnell verziehen. Dudels Charme und Bühnenpräsenz fegen darüber hinweg und erfreuen das Publikum, das übrigens überwiegend aus Frauen besteht. Ihre Professionalität und von Zeit zu Zeit ein Augenzwinkern erinnern den Zuhörer schon nach kurzer Zeit an große Namen wie Hildegard Knef. Dudels Begleitung, Pianist Uli Schmid, fügte sich perfekt ins Arrangement und sorgte für den ein oder anderen Lacher, wenn er spontan singend in ein Lied einstimmt, um dann abrupt abbrechend eine beschämte Entschuldigung zu murmeln. Die beiden sind ein eingespieltes Team – seit gut 15 Jahren stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Der Gast des Abends, Volker Thies, ergänzt das Duo noch nicht lange. „Wir haben uns durch Zufall bei einem gemeinsamen Gastauftritt kennengelernt“, sagte Dudel. Doch der geschulte Tenor des gebürtigen Oldenburgers ergänzt die rauchig-weiche Whiskystimme von Alix Dudel perfekt. So heiter und bunt die erste Hälfte des Konzerts war, so düster wurde die zweite: die Musik weicher, die Texte melancholischer, nur der Humor blieb. Von den Untiefen des Bundes fürs Leben („die Ehe ist kein Spaß, mein Lieber“) bis zum Mordkomplott gegen den Geliebten reichte das Spektrum. Diesmal griff die Diseuse auf Texte von Georg Kreisler zurück. Eine Stunde später verlies man den bauhof schwebenden Schrittes, wie immer nach einem tollen Konzertabend. Wer Chansons und Kabarett mag, wird Alix Dudel lieben.


 

Thommi Baake nimmt die technischen Pannen mit Humor.Schwier

HAZ Leine Nachrichten 22.02.2010

Schmalfilmshow beginnt mit technischen Problemen

Thommi Baake zeigt Filme aus vergangenen Zeiten im bauhof

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Manch einer kennt noch das legendäre Zigarettenmännchen, das nach Pleiten, Pech und Pannen in die Luft ging. So mochte sich auch Thommi Baake am Sonnabend im Hemminger Kulturzentrum bauhof gefühlt haben. Wegen technischer Probleme mit dem Ton begann seine Schau mit Verzögerung. Baake fuhr schnell nach Döhren hinüber und holte seine eigene alte Lautsprecheranlage. Dann gelang es dem Techniker zunächst nicht, ein Licht auszuschalten. Mit lockeren Sprüchen kommentierte Baake das Geschehen und stimmte so das Publikum auf den Filmabend ein. Rund 70 Gäste amüsierten sich doppelt: Zum einen über die heute kurios anmutenden Filmchen der sechziger und siebziger Jahre. Baake hatte unter anderem einige Werbefilme im Programm, darunter das Zigarettenmännchen, Wäsche die so weiß wie nie gewaschen wird und eine Magenbitter-Präsentation mit logischen Fehlern. Für Heiterkeit sorgte ein Aufklärungsfilm der Deutschen Verkehrswacht aus den frühen Sechzigern zum Thema „Sicher über die Straße“ mit heute kaum noch nachvollziehbaren Tipps. Baaker kommentierte aber nicht nur die Filme. Zu jedem gab er dem Publikum Quizaufgaben zu knacken: Welche Zeit zeigte eine Uhr an? Wie viele Bierkrüge spielen im Zigarettenmännchen-Film mit? Für die richtigen Antworten verteilte Baake Preise vom Flohmarkt: mal ein einfaches Elektrokabel, seltsame Fachbücher, die keiner mehr braucht oder eine Autogrammkarte des Schlagerpärchens Cindy und Bert. Über die Preise kamen die Menschen im Publikum prächtig miteinander ins Gespräch. Da waren die kleinen technischen Pannen vom Beginn schnell vergessen.


 

Gefühlvoll, dicht, kreativ: Jazzsängerin Jacobien Vlasman beeindruckt mit starker Bühnenpräsenz und Stimme. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 16.02.2010

Musiker halten den Spannungsbogen aufrecht

Jacobien-Vlasman-Quintett fasziniert vor kleiner Zuschauerrunde im Hemminger Kulturzentrum bauhof

von petra zottl hemmingen. Intensiv, dynamisch, vereinnahmend und kreativ: So oder ähnlich mag sich das Fazit derer anhören, die am Wochenende das Jacobien-Vlasman-Quintett im Kulturzentrum bauhof gehört haben. „Ich bin kein eingefleischter Jazzfan, für mich ist es manchmal gewöhnungsbedürftig“, sagte eine Zuhörerin zur Pause des Konzerts, das die gebürtige Holländerin Vlasman vor fast intimer Runde gab. Fasziniert schien sie trotzdem – und blieb. Das Vlasman-Quintett hielt den Abend spannend: Jedes Stück, das das Ensemble zu Gehör brachte, schien dem Satz Vlasmans zu gehorchen „Jeder Tag endet anders, jedes Konzert endet anders“. So bestachen alle Lieder mit eingängigem Groove, in den sich die Zuhörer immer wieder schnell mit wippenden Füßen und nickenden Köpfen hineinversetzten – um dann verdutzt innezuhalten, als das Quintett den Song musikalisch wieder umkrempelte. Wie sehr Vlasman ihre Musik lebt, zeigte vor allem das sehr persönliche Stück „Who are We To Judge“ – ein Lied über einen an Alzheimer erkrankten Menschen, dessen Welt langsam versinkt. Verletzlich und berührend das Mienenspiel, der Gesang – scheinbar selbstvergessen nahm sie ihre Zuhörer mit in ihre Gefühlswelt. Und das mit einer Stimme, die auch große Hallen füllen könne.


 

Aus Franken auf die norddeutsche Bühne (von links): Heiko Benjes, Jörg Fischer, Mateusz Phouthavong, David Lugert und Bastian Hupfer sind Viva Voce. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 08.02.2010

Parodie auf Modern Talking bejubelt

Die A-cappella-Band Viva Voce aus Franken überzeugt auch norddeutsche Zuhörer

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Viva Voce als Chor zu bezeichnen, wäre wirklich zu wenig. Darum nennen sie sich A-cappella-Band – denn sie formen mit ihren Stimmen gleich die Instrumente mit. Im Kulturzentrum bauhof haben die fünf Sänger aus Franken am Sonnabend das Publikum mit ihrer erfrischenden Schau hingerissen. Während die legendären Prinzen aus Sachsen mit ihrem melodiösen Gesang punkten, legen Viva Voce den Schwerpunkt auf den Rhythmus. Heiko Benjes als Bass und Jörg Fischer als singendes Schlagzeug liefern die Grundlage für freche Texte, gesungen von Bastian Hupfer, David Lugert und Mateusz Phouthavong. Sie können über Stubenfliegen genauso singen wie über den ungeliebten Chef. Dennoch ist der Vergleich mit den Prinzen gestattet: Beide Formationen haben sich in berühmten Knabenchören gefunden: Die Prinzen bei den Thomanern in Leipzig, Viva Voce beim Windsbacher Knabenchor. „Die Herkunft wollen wir gar nicht verschweigen“, sagte Bastian Hupfer. Und so sind sie auch bei Kirchenkonzerten zu hören und werden im Mai Gast beim Ökumenischen Kirchentag in München sein. Mit ihrer Art der Interpretation haben sie 2009 den Bayerischen Kulturpreis gewonnen. Die klassische Ausbildung der Sänger ist immer wieder herauszuhören, wenn sie ihre Stimmungen zaubern. Ob Rock, Swing, Reggae oder Klassik – die fünf Männer beherrschen anscheinend alles. Und sie parodieren oft und gern mit passender Mimik. So nehmen sie „You're My Heart“ von Modern Talking auf die Schippe – das bauhof-Publikum bog sich vor Lachen. Nicht minder komisch war der Hymnus im deutschen Chorstil auf ihre Heimat Franken. Nur Heiko Benjes bekannte: „Ich komme aus dem Saarland.“ Aber da Franken bekanntlich nicht Bayern ist, fühle er sich doch sehr wohl in der Gruppe.


 

Skurril: Wolfgang Grieger (links) und Musiker Highn. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 01.02.2010

Brachialhumor kommt sehr gut an

Trio Wolfgang Grieger und die High Nees bekommt viel Beifall von 70 bauhof-Besuchern

von petra zottl HEMMINGEN. Einen Einblick in ein sehr spezielles Comedy-Universum haben am Freitag etwa 70 Besucher im Kulturzentrum bauhof erlebt. Auf der Bühne stand das Trio Wolfgang Grieger und die High Nees. Der Titel ihres Programms: „Musik, Quatsch und gute Laune“ – und genau das bekamen die Zuschauer auch. Musik war reichlich und kreativ instrumentiert vorhanden, Quatsch in einer Kreuzung aus Mike Krüger, Karl Dall und dem skurrilen Helge Schneider sowieso. Und gute Laune hatten die Besucher eindeutig – und das in verblüffender Frequenz: In allen Sitzreihen krümmten sich Menschen unterschiedlichster Alterskategorien vor Lachen, wischten sich Tränen weg und verlangten generationenübergreifend nach mehr. Holla-Bolla-Mitglied Grieger und seine Partner Hein und Highn scheuten sich nicht, auch in die tiefe Schublade der Brachialität zu greifen: So verdiente der Text des Liedes „Es ist so schön in der Gerichtsmedizin“ das Prädikat unterirdisch. Aber es gab auch Glanzpunkte. Ihre Persiflage auf den MTV-Rap-Hype mit dem einprägsamen Namen „Ubeldabeldubeldabeldu“ war genial. Auch das Stück „Fahr'n mit der Bahn“ und die von der Gothic-Musikszene inspirierte Nummer „Flötenstunde“ waren humorvoll-ironische Perlen. Fazit: Nur für Fans. Aber davon hatten Grieger und Co. am Freitag jede Menge im Raum.


 

Juliano Rossi (Oliver Perau) singt Swing, Jazz und Soul im Hemminger Kulturzentrum bauhof.Schwier

HAZ Leine Nachrichten 25.01.2010

Juliano Rossi lässt die Hüften kreisen

Gäste jubeln beim Swing- und Jazzabend im Hemminger bauhof

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Schwingende Hüften, eine großartige Stimme und eine freche Moderation, das sind die Markenzeichen von Juliano Rossi alias Oliver Perau. Mit einer Swingshow war er am Sonnabend zu Gast im Kulturzentrum bauhof. Vor ausverkauftem Haus bot Rossi eine Mischung aus kammermusikalischem Jazzabend und Musikparodie. Der Bogen spannte sich dabei von Swingklassikern der Sinatra-Ära bis zu weichen Jazz- und Soulrhythmen. Als kongenialer Partner erwies sich Achim Kück am Klavier, der mit hervorragenden Improvisationen und einem satten Klang für die Begleitung sorgte. „Solche Konzerte sind immer persönlicher“, sagte Perau. Er hatte sichtlich Spaß am Publikum und versprach, möglichst bald wiederzukommen. Denn die Gäste jubelten geradezu über seine Schau als Juliano Rossi. Ob ernsthafte Stücke von Sammy Davis Junior oder romantische wie „Love Street“ von Jim Morrison, Rossi gibt ihnen seine eigene, spannende Interpretation. Oft wurde sein Vortrag zur Parodie. Zum Beispiel imitierte er eine Geste von Howard Carpendale, der mit einer Hand irgendetwas vom Himmel pflückt, oder er ließ seine Hüften noch mehr kreisen als ohnehin schon. Romantische Lieder wurden schon einmal völlig überzeichnet, sodass das Publikum kaum aus dem Lachen herauskam. Seit 2009 ist Juliano Rossi beim legendären Musikverlag Blue Note unter Vertrag. „Das ist ein Ritterschlag für mich“ bekannte Rossi. Denn bei Blue Note haben auch so berühmte Jazzmusiker wie Miles Davis ihr Werke veröffentlicht. Für das bauhof-Team war der Rossi-Abend schon der dritte Erfolg im Januar. „Es ist ein richtig guter Auftakt“, sagte Ingrid von Drathen und freute sich über den Publikumszuspruch.


 

Mit skurillen Liedern und Texten gelingt es der Kabarettistin Uta Köbernick, das Publikum im Kulturzentrum bauhof zum Lachen zu bringen. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 18.01.2010

Blick in die Abgründe des Lebens kann Spaß machen

Uta Köbernick fasziniert im bauhof mit Wortkunst-Kabarett

von petra zottl hemmingen. Wer heute an Kabarett denkt, hat häufig die großen Comedians vor Augen, die mit populären Pointen für brüllendes Gelächter sorgen. Was die Kleinkunstpreisträgerin Uta Köbernick dem Publikum des Kulturzentrums bauhof am Sonnabend präsentierte, hatte eine ganz andere Zielrichtung: Vor rund 80 Besuchern servierte sie mit ihrem Programm „Sonnenscheinwelt“ Wortkunst in bester literarischer Kabarettmanier. Mit feiner Ironie, versteckt in zunächst harmlosen Worten, führte Köbernick durch einen Reigen aus selbst geschriebenen Liedern und Gedichten. Ihr Hauptthema: Das Leben und der Blick in die immer wiederkehrenden Abgründe auf dem Weg hindurch. Mit offenem Blick im blankgeschrubbten Naturkindgesicht nährte die Schauspielerin und Liedermacherin den Glauben an die Sonnenscheinwelt, um anschließend mit feinem Humor und im Abgang bitterbösen Worten dort zu pieksen, wo selbst das schönste Postkartenidyll dunkle Flecken hat. Mit ihren blitzgescheiten Wortspielen gelang Köbernick eine Gegenbewegung zum brachialen Schenkelklopfer. Nicht das laute „Wuhaha“ schallte aus den Mündern des Publikums. Vielmehr erntete Köbernick, was zu ihrer – zu Recht preisgekrönten – Version des Kabaretts passt: ein langsam anschwellendes „Hm-hm-hm“-Gelächter und jede Menge erheiterte Gesichter. Manchmal kann ein Blick in die Abgründe des Lebens besonders viel Spaß machen.


 

Die Ufologen warten: Marita Heidrich und Christoph Uelsmann spielen die Rollen gekonnt. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 30.11.2009

Stück handelt vom Suchen und Warten auf Neuanfang

Theater Ka gastiert im bauhof – Einige Lacher, der Rest ist Tragödie

Hemmingen-Westerfeld. Tragisch und heiter zugleich: Am Sonnabend präsentierte das Theater Ka im Kulturzentrum bauhof das Stück „Die Apokalypse der Marita Kolomak“ von Vera Kissel. Schon zu Beginn war es spannend: Schauspielerin Jutta Hanisch saß 30 Minuten lang bewegungslos auf der Bühne. Sie spielte im Verlauf des Stückes den stummen Schatten der Marita Kolomak. Beate Habel verleiht der Figur der Marita Tiefgründigkeit. Fast sprachlos, oft in Kindersprache, hadert sie mit ihrem Schicksal. Sie muss den Tod ihres einzigen Kindes verkraften. „Du lebst, und bist doch tot“, sagt sie leise. Und sie hört Stimmen, die drei Ufologen für Signale von Außerirdischen halten. Alle gemeinsam warten in der Silvesternacht in der Kneipe „Wegsend“ auf die Ankunft der Außerirdischen. Alle sind auf der Suche nach einem Neuanfang. Die Ufologen wollen die Erde verlassen, Maritas Mann Jupp scheitert mit seiner Kneipe, ihre Schwester sucht Halt und Marita selbst will vergessen. Den Gegenpol liefert Opa Schlott, glänzend gespielt von Kurt Bliefernicht. Im Hamburger Missingsch-Dialekt kommentiert er das merkwürdige Treiben. Während er für Lacher sorgt, ist der Rest Tragödie.shw


 

Virtuos an der Beatbox: Joachim Rust und René Heller von JuiceBox. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 23.11.2009

Vokalisten bringen Luft im Kulturzentrum zum Vibrieren

A-cappella-Band JuiceBox erhält Ovationen im Hemminger bauhof

von petra zottl hemmingen. Eine ausgefeilte Tontechnik, sechs brillante Stimmen und ein Füllhorn kreativer Ideen haben am Sonnabend die Besucher des Hemminger Kulturzentrums bauhof regelrecht von ihren Sitzen gerissen. Zu Gast war die junge A-cappella-Formation JuiceBox. Die mittlerweile als umjubelter Überraschungsgig der A-cappella-Woche in Hannover bekannte Combo packte sogleich alles aus, worauf ihr Erfolg gründet: Keine Coverversionen, dafür anspruchsvolle Eigenkompositionen mit einer Klangbreite und -tiefe, die die Luft im ausverkauften Kulturzentrum phasenweise zum Vibrieren zu bringen schien. Kraft ihrer Stimmbänder erzeugten Joachim Rust, Frank Katemann, René Heller, Steffen Feindt, Alexandra Deike und Lucie Schäfer Melodiebögen, peitschende Hip-Hop- und Techno-Rhythmen, Swingläufe, gefühlvolle Balladen und rockige Einlagen – kreischende Elektrogitarren inklusive. Bereits zur Pause erhielten die sechs Sänger langen Applaus. Zur Erheiterung der Zuhörer stufte Sänger Katemann diesen in die Applauskategorie drei ein, bevor er sie zu Höchstleistungen – Kategorie vier – anstachelte. „Dies ist unser letzter Auftritt in 2009, Sie haben die Chance, das beste Publikum des Jahres zu werden“, lockte der studierte Musik- und Physiklehrer, bevor er und seine Bandkollegen zur zweiten musikalischen Runde ausholten. Das ließen sich die Zuhörer nicht zweimal sagen: Zwischenapplaus, Johlen, Pfeifen und Klatschen prägten das Bild des restlichen Konzertabends, zu dessen Ende die Besucher ausnahmslos stehend applaudierten. Pur, ganz ohne Mikro, verabschiedeten JuiceBox sich nach etwa 90-minütiger Show mit ihrer letzten Zugabe vom wohl „besten Publikum des Jahres 2009“. Kategorie 4 erreicht. Glückwunsch!


 

Erinnerung an glückliche Tage mit Kindergeburtstag und Topfschlagen: Gilla Cremer als Ehefrau. Patrick Cybinsky spielt im Glaskasten das Cello und den verstummten Jo. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 02.11.2009

Eindringliches Theater im bauhof: Wie Mobbing eine Familie zerstört

Hemmmingen-Westerfeld. Welche bedrückende Auswirkungen Mobbing sowohl auf den direkt Betroffenen als auch auf dessen Umfeld haben kann, hat das Theater Unikate am Freitagabend im Kulturzentrum bauhof gezeigt. Die Truppe um die Schauspielerin Gilla Cremer präsentierte ein eindringliches Stück. Grundlage ist der Roman „Mobbing“ von Annette Pehnt. Nur Cremer und ihr Partner Patrick Cybinsky standen auf der Bühne. Das Publikum im bauhof war sofort gefesselt von der Aufführung. Cremer spielt die Ehefrau von Joachim, genannt Jo. Er wird von der neuen Chefin und den Arbeitskollegen gemobbt, verliert seine Arbeit und seinen Halt. In der eineinhalbstündigen Aufführung wird der Verfall des Mannes und der Familie deutlich. Es bleiben am Ende nur Trümmer. „Ich weiß nur, dass ich Jo glauben muss“, sagt seine Ehefrau und zweifelt doch, ob Jo noch der Mann ist, den sie geliebt hat. Patrick Cybinsky spielt eine Doppelrolle: Er sitzt fast unbeweglich als verstummter Jo in einem Glaskasten, spielt aber auch das Cello und untermalt mit seiner Musik die Dramatik, die Traurigkeit und den Abstieg.shw


 

Gnadenlos gut aufgelegt: Matthias Brodowy beweist erneut, warum er im Hemminger Kulturzentrum als Publikumsgarant gilt. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 27.10.2009

Ein Auftritt wird zum Wunschkonzert

Der Kabarettist Matthias Brodowy brilliert mit einzigartiger Best-of-Show im bauhof

von petra zottl HEMMINGEN. Mal flapsig, mal brachial, immer ein wenig boshaft und voller Witz: Der hannoversche Kabarettist Matthias Brodowy hat am Sonntagabend den Festtag zum zehnjährigen Bestehen des Hemminger Kulturzentrums bauhof mit einem nahezu perfekten Auftritt gekrönt. Schon in den Wochen vor seinem Auftritt, der anfangs nur für Mitglieder und Helfer des Vereins bauhof geplant war, hatte der Comedian alle bisherigen Nachfragerekorde gebrochen. Nachdem der Vorstand beschlossen hatte, die Veranstaltung für alle Interessierten zu öffnen, waren die Vorverkaufsstellen regelrecht überrannt worden. „Wir hätten das Zigfache an Karten verkaufen können“, sagte bauhof-Chef Klaus Grupe. Brodowy hielt, was sich das Publikum erhoffte. Sichtlich gut gelaunt legte er gegen 19.30 Uhr los – und warf alle üblichen Abläufe über den Haufen. Spontan übergab er die Steuerung über sein Best-of-Programm „... bis es euch gefällt“ der Fangemeinde. „Haben Sie Wünsche, womit soll ich anfangen?“, fragte er. Sie hatten – und wünschten sich unter anderem das urkomische Stück „Mortadella“, das ruhige Lied „Eintritt frei“, aber auch die zwischen 2000 und 2005 entstandene musikalische „Jammer-Jammer-Trilologie“. Etwa 25 Minuten zelebrierte Brodowy sein Musik-Comedy-Stück „Alptraum“, bevor er sein vom Lachen geschütteltes Publikum mit Verspätung in die Pause schickte. Brodowy brannte ein mehr als zweistündiges kabarettistisches Feuerwerk ab und servierte das Beste aus 20 Jahren Bühnenpräsenz. Mit Scharfblick für die Details einer Situation zeigte er, was seine Auftritte auszeichnet: sein unwiderstehlicher, intelligenter und manchmal hämischer Humor, der jedoch immer wieder leisen Momenten weicht. Seinen heftig beklatschten Auftritt ließ er mit zwei ruhigen Musikstücken ausklingen. Unter anderem dabei war das ebenfalls von seinen Fans gewünschte Hannover-Lied „Stadt mit Keks“ – Brodowys ganz persönliche Liebeserklärung an Hannover. Gut, dass der einstige Theologiestudent seinen Plan aufgegeben hat, Papst zu werden. Was wäre das für ein Verlust für die Kabarettfans gewesen!


 

Erstes Ehrenmitglied des bauhofs: Der Hemminger Künstler Norbert Labenz (links) erhält von Klaus Grupe ein gerahmtes Porträt, das bei einer Lesung entstanden ist.

HAZ Leine Nachrichten 26.10.2009

Kulturverein kürt erstes Ehrenmitglied

bauhof feiert mit 80 Gästen Zehnjähriges

Mit vielen lobenden Worten, kleinen kulturellen Schmankerln und der Ernennung eines ersten Ehrenmitglieds hat der Hemminger Kulturverein bauhof gestern sein zehnjähriges Bestehen gefeiert.

von petra zottl hemmingen. Dem Hemminger Künstler Norbert Labenz war die Rührung anzusehen. „Es gibt doch so viele, die noch mehr gemacht haben als ich“, sagte er schüchtern, als der Chef des bauhofs Klaus Grupe ihn für seine Verdienste als erstes „Ehrenmitglied auf Lebenszeit“ begrüßte. Der Ehrung vor 80 Gästen waren viele lobende Worte vorausgegangen: Vize-Regionspräsident Wolfgang Neubauer würdigte besonders das Verdienst Grupes. „Sie sind für Ihren Verein eine wichtige Stütze. Sie haben Hemmingen zu einem viel beachteten Kulturort gemacht“, sagte er. Der Hemminger Bürgermeister Claus Schacht erinnerte an die Anfänge des Kulturzentrums, dessen erste Veranstaltung ein Jahr nach Vereinsgründung am 5. November 2000 im umgebauten städtischen Bauhof stattfand. „Rund 600.000 Mark hat uns das Projekt gekostet. Es war ein wenig spinnert, weil wir noch gar nicht wussten, wer hier Kultur machen sollte. Aber alle Prognosen haben sich bewahrheitet. Ihr habt so viel geboten, das ist mit Geld kaum aufzuwiegen“, lobte er die Vereinsaktiven. Mit dem Rahmenprogramm zum Empfang gab das bauhof-Team eine Kostprobe der Programmspannweite des Kulturzentrums: Acht junge Musiker der Musikschulen Laatzen und Hemmingen, alle Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ spielten klassische und zeitgenössische Werke von Beethoven, Max Reger, JoaquÍn Rodrigo und Chick Corea. Lacher erntete der HAZ-Kolumnist und Autor Uwe Janssen: Für seinen komischen Rückblick auf die sechziger Jahre der Bundesrepublik sowie einen Blick in Ulla Schmidts Dienstkalender und eine Eloge für die Körperfettwaage bekam er viel Applaus.


 

Das Publikum im bauhof hört Ulli Orth (von links) und dem Havelka-Streichquartett mit Silke Heuermann, Tana Kleinschmidt, Klaus Heuermann und Sven Holger Philippsen wie gebannt zu. Nowak

HAZ Leine Nachrichten 12.10.2009

Musiker nehmen Publikum mit auf die Moon Alley

Ulli Orth und Havelka-Streichquartett spielen Eigenkompositionen

Von André Nowak Hemmingen. Die Atmosphäre im Hemminger bauhof ähnelte am Sonnabend ein wenig der eines Jazzklubs. Das passte zum Anlass, denn in dem im Halbdunkel liegenden Raum, nur erhellt von wenigen Scheinwerfern und dem Flackern zahlreicher Teelichter, waren der Saxofonist Ulli Orth und die Musiker vom Havelka-Streichquartett zu Gast. Sie faszinierten die rund 30 Besucher mit einer Mischung aus Klassik und Jazzelementen. Ausschließlich Eigenkompositionen präsentierten die fünf Künstler den Gästen, die sogar aus der Wedemark angereist waren. Gemeinsam spielten sie unter anderem Orths kleine Tango-Suite. „Tango im weitesten Sinne“, wie der Komponist schmunzelnd sagte. Auch das Lied „Moon Alley“ vom amerikanischen Jazztrompeter Tom Harrell hatte Orth, der derzeit als Bandmusiker mit Sänger Roger Cicero auf Tour ist, für Saxofon und Streicher umgeschrieben. „Es ist eines meiner Lieblingsstücke“, sagte er dem Publikum. Der Mischung aus komponierten Passagen und Improvisationselementen hörten die Besucher wie gebannt zu und klatschten nach jedem Stück kräftig Beifall. Ohne die Begleitung von Ulli Orth spielte das Havelka-Streichquartett unter anderem eine eigene Komposition vom Violinisten der Gruppe, Klaus Heuermann aus Pattensen. Sein dreiteiliges Werk „Wind and Waves“ kombinierte sowohl gefühlvolle, als auch rasante, dramatische Passagen.


 

Rock, Pop und Soul mit It’s M.E. (von links): Schlagzeuger Werner Löhr, Sängerin Martina Maschke und Pianist Ecki Hüdepohl. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 05.10.2009

It's M.E. heizen dem Publikum ein

Trio spielt Rock, Pop und Soul im Hemminger bauhof – Veranstalter plant Wiederholung

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Partyzeit im Hemminger Kulturzentrum bauhof: Am Freitagabend hat das Trio It's M.E. den 70 Gästen gehörig eingeheizt. Mit Rock 'n' Roll, Swing, Jazzrock und Rhythm and Blues boten die Musiker einen Abend voller Abwechslung und guter Musik. Zum Trio gehört die Sängerin Martina Maschke. Mit ihrer Altstimme, die von sanft bis röhrend viele Nuancen beherrscht, eroberte sie das Publikum. Ab und an spielte sie auch Gitarre, wenn ihre beiden männlichen Mitstreiter den Gesang übernahmen. Ecki Hüdepohl griff mitunter so kräftig in die Tasten seines elektrischen Pianos, dass es heftig schwankte. Ob Anleihen bei Klassikern, beim Boogie oder im Ragtime, Hüdepohl ist ein ausgesprochen vielseitiger Musiker, Sänger und Moderator. Neu in der Band ist der Schlagzeuger Werner Löhr, der im Piratenhemd zum Auftritt gekommen war. Auch seine große Trommel zierten Aufkleber mit Piratenmotiven. Neben einer erstklassigen Begleitung mit seinen diversen Schlaginstrumenten liefert auch er hervorragenden Gesang. Die Stimmen des Trios sind ihr Markenzeichen: Harmonisch fügen sie sich ineinander. So entsteht ein satter Klang, der an viel größere Gruppen und Orchester erinnert. Wenn sie swingen, meint der Zuhörer die Big Bands der vierziger Jahre vor sich zu haben. Beim Publikum waren Mitklatschen und Mitsingen angesagt. „Schade, dass hier Stühle stehen“, meinte eine begeisterte Zuhörerin. Sie hätte zu den rockigen Liedern lieber getanzt. bauhof-Chef Klaus Gruppe will diesen Wunsch erfüllen: „Wir laden It's M.E. noch mal ein und machen dann eine richtige Party daraus, ohne Stühle im Saal“, kündigte er an.


 

Zigeuner,Frauenversteher und Rohrverleger: Andrea Badey spielt in ihrem Programm auch ihren Zigarre nuckelnden Vater. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 28.09.2009

Komödiantin zeigt Mut zu leisen Tönen

Die Künstlerin Andrea Badey präsentiert im ausverkauften bauhof ihr neues Programm

von petra zottl HEMMINGEN. Eine Revolverschnauze kann auch anders: Mit einem Mix aus Kohlenpott-Witz und fast schon leisen Momenten ist die Oberhausener Kabarettistin Andrea Badey am Freitagabend auf die Bühne des Kulturzentrums bauhof zurückgekehrt. „Zwischen Tanga und Treppenlift oder die Welt gehört dir...“ lautet der Titel ihres neuen Programms, in dem „die Badey“ sich mit einem sehr alltäglichen Problem auseinandersetzte: dem Älterwerden. „Irgendwann kriegt jeder einen Hals wie ein Truthahn“, tönte die Komödiantin, Schauspielerin und Sängerin zu Beginn, um danach mehr als zwei Stunden lang mal schnoddrig-komisch, mal nachdenklich über all die unvermeidbaren Begleiterscheinungen eines Lebens zu parlieren. Erstmalig musikalisch begleitet von Gitarrist Franco Carmine und Mundharmonikaspieler Ralf Grottian, nahm die Kabarettistin ihr Publikum im ausverkauften bauhof mit auf ihre Lebensreise. Diese führte vom Klammerblues zu Alexandras „Zigeunerjunge“ und ihrer allgegegenwärtigen polnischen Freundin Bonny M. bis hin zur verkrampften Lektüre von „Simone dö Böwoir“, in deren Büchern nichts, aber auch gar nichts steht, „was mich im zwischenmenschlichen Bereich weitergebracht hat“. Immer wiederkehrender Lebensmittelpunkt war jedoch der bratschespielende „Böört“ – dieser hat es immerhin vom Erster-Kuss-Albtraum zum heute glücklich geschiedenen Ehemann gebracht. Steter Begleiter und Badeys Alter Ego an diesem Abend: Ihr Zigarre nuckelnder Vater, seines Zeichens „Zigeuner, Fälscher, Frauenversteher, Teppich- und Rohrverleger“. Er würzte den Abend mit seinen Lebensweisheiten. Ihm gebührt wohl auch ein Fazit des Abends, der trotz vieler zündender Ideen auch Längen hatte: „Man darf alles falsch machen im Leben – nur auslassen darf man nichts.“ Oder – wie „die Badey“ zum Ende der Show selbst resümierte: „Was bleibt, ist die Liebe. Alles andere ist noch schlimmer.“


 

Mit Gitarre, Flöte, Geige und Akkordeon (von links): Jørgen Lang, Franziska Urton und Johannes Mayr spielen irische Musik. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 21.09.2009

Gut gemischt, glänzend gespielt

Folk-Trio Dán fasziniert im bauhof mehr als 90 Gäste mit irischer Musik, Polka und Walze


Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld.
Fliegende Finger an Akkordeon, Geige und Gitarre, ein lächelnder Blick zum Musikerkollegen – es ist ein Vergnügen, das Trio Dán beim Musizieren zu sehen. Am Sonnabend gastierten Franziska Urton, Johannes Mayr und Jørgen Lang im Kulturzentrum bauhof. Auf dem Programm stand vor allem irischer Folk. Dabei machten die drei genau das, was irische Musik ausmacht: „Die Iren assimilieren alles, was ihnen gefällt, um es dann als irisch wieder auszuspucken“, sagte Mayr. So mischten sie irische mit schwedischen, bretonischen und orientalischen Rhythmen und Klängen. Das große Akkordeon ist die Besonderheit des Trios. Mayr spielt darauf nicht nur gekonnt die Melodien im Duo mit Urtons Geige, er verwendet vor allem die Basslinien des vielseitigen Instruments. Das rundet den Klang des seit fünf Jahren bestehenden Trios ab. Manchmal greift Mayr auch in die Tasten eines Klaviers und in die Saiten eines Kontrabasses. Franziska Urton überzeugt die mehr als 90 Zuhörer mit glänzend gespielter Geige und Hintergrundgesang. Jørgen Lang ist nicht nur ein hervorragender Begleitgitarrist, sondern auch ein Sänger, der die irische Gesangstradition sehr gut an das Publikum weitergibt. Und so wippten die Füße mit bei Real Irish Music, Polka und Walzer. Das Trio Dán erhielt stürmischen Applaus.


 

Brillanter Auftritt: Sängerin Katharina Ahlrichs überzeugt mit ihrer Stimme, Gastmusiker Daniel Zeinoun improvisiert gelungen. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 22.06.2009

LuaMar lässt den Mond Samba tanzen

Duo zelebriert brasilianische Musik im ausverkauften bauhof auf faszinierende Weise

VON PETRA ZOTTL HEMMINGEN. Atmosphärisch berührend, gewinnend-charmant und einfach lebensfroh: Selten war die arg begrenzte Platzzahl im Hemminger Kulturzentrum bauhof so bedauerlich wie am Freitagabend. Denn mit dem Auftritt des Duos LuaMar hatte der Verein einen Geheimtipp auf der Bühne. Sängerin Katharina Ahlrichs und Gitarrist Silvio Schneider spielten vor ausverkauften Sitzreihen – und der bauhof hätte weit mehr Karten verkaufen können. Die beiden Künstler lieferten ab, was sie per Programmtitel versprochen hatten: brasilianische Musik nach dem Motto „...und der Mond tanzt Samba“. Doch es war noch viel mehr als das. Neben einigen bekannten Stücken aus der Welt des Salsa und Bossa Nova zelebrierten die beiden Künstler gemeinsam mit Gastmusiker Daniel Zeinoun ihre ganz eigene Interpretation eines Lebensgefühls. Mit Eigenkompositionen – stets inspiriert vom Zauber des Mondlichts, dessen portugiesischer Begriff sich im Bandnamen wieder findet – nahmen sie ihr Publikum mit auf ihre Reise. Dabei ergänzten sich die drei Musiker auf faszinierende Weise: Der entfesselt spielende Schneider, auch zwischen den Stücken charmanter Widerpart zu seiner Musikpartnerin, und Zeinoun, der spontan Sequenzen auf der Trompete beisteuerte, gaben dem Auftritt einen satten Groove. Unwiderstehlich war die Bühnenpräsenz Ahlrichs, die ihre Liebe zu Brasilien als Austauschschülerin entdeckte. Mit einer beeindruckenden Stimmbreite wandelte sich die gebürtige Hiddestorferin von der sphärisch anmutenden Sagengestalt LuaMar, der Tochter der Mondfrau, in eine erdige Brasilianerin mit Leidenschaft in Herz und Bauch. Mit ein wenig Hall aus der technischen Trickkiste erzeugten die drei Künstler phasenweise Klangcollagen, zu denen Ahlrichs sogar fast täuschend echte Walgesänge anstimmte. Das Ende des Konzerts war absehbar. Vom Charme des Abends angesteckt bestand das Publikum auf drei Zugaben und verabschiedete LuaMar mit größter Hemminger Leidenschaft: Beim letzten Stück summten sie hörbar mit.


 

Liebt amerikanische Harmonien und Rhythmen: Meike Köster spielt im Hemminger bauhof. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 15.06.2009

Ihre Stimme beherrscht die ganze Bühne

Meike Köster & Band rocken im bauhof

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Poetische Texte, vielseitige Musik und eine faszinierende Stimme – Meike Köster hat gleich beim ersten Takt ihr Publikum gewonnen. Die Braunschweigerin war am Freitagabend zu Gast im Kulturzentrum bauhof. Mit Bassist Peter Stoschus und Schlagzeuger Christian Prescher standen der Sängerin gleich zwei erstklassige Musiker zur Seite. Und doch: Wenn Meike Köster spielt, ist es wie ein Soloauftritt. Mit ihrer Stimme beherrscht sie die Bühne, ihr exzellentes Gitarrenspiel prägt den Sound. Ihre deutschen und englischen Texte erzählen oft von Beziehungen, Sehnsüchten und Reisen. Sie mischen sich mit der Musik Nordamerikas – von Rock bis zu Elementen aus Jazz und Countrymusik. „Ich mag die Harmonien und den Rhythmus, die sind besonders gut für die Gitarre geeignet“, sagt Köster. Eines ihrer musikalischen Vorbilder sei Suzanne Vega. „Als ich vor Jahren ihre Stimme hörte, wusste ich, so etwas will ich auch machen“, fügt die Sängerin hinzu. Immer wieder suchte Meike Köster den Kontakt zum Publikum – und ermöglichte auch einen Blick hinter die Kulissen. Im bauhof zeigte sie den Zuschauern elektronische Hilfsmittel wie die Loop Station: Das Gerät nimmt kleine musikalische Folgen auf und spielt sie anschließend als Endlosschleife wieder ab. Zum Vergnügen des Publikums kreierte die Gitarristin aus einem Solostück ein ganzes Orchester mit zehn verschiedenen Stimmen. Die mehr als 60 Gäste im bauhof entließen Köster und Band nicht ohne Zugaben und mit viel Applaus.


 

Versunken in die Musik: Roswitha Lohmer im bauhof. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 08.06.2009

Pianistin Roswitha Lohmer verblüfft mit selbstvergessenem Spiel

HEMMINGEN. Technisch perfekt, tiefgründig, selbstvergessen: Beim Auftritt der Pianistin Roswitha Lohmer im Kulturzentrum bauhof hat es an diesen Attributen wahrlich nicht gemangelt. In intimer Runde – 26 Zuhörer kamen am Freitagabend in den bauhof – spielte die ehemalige Meisterschülerin der italienischen und polnischen Musiker Guido Agosti und Mieczyslaw Horszowski anspruchsvolle Werke von Bach, Schumann, Liszt und Schubert. Freundlich, aber stumm betrat sie die Bühne. Mit zumeist geschlossenen Augen schien sie regelrecht in ihrem Spiel zu versinken. Für den eher als fröhlich und publikumsnah bekannten bauhof eine verblüffende Erfahrung. Selbst die Organisatoren wurden von der Pause zur Konzerthälfte überrumpelt – diese kündigte sich nur durch eine freundliche Verbeugung und den erneut stummen Abgang Lohmers an. So fühlte sich der Abend im Vergleich zu anderen Kulturerlebnissen im bauhof etwas blutarm an. Fazit: Nur für Liebhaber der klassischen Klavierliteratur, die auf den persönlichen Kontakt zum Künstler verzichten mögen. Diese jedoch belohnten Lohmer am Freitag am Ende mit viel Applaus.zo


 

Beeindruckt mit seinem reifen Spiel: Benedikt Ovens. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 11.05.2009

Musiktalente zeigen ihr Können

hemmingen. Eine beeindruckende Kostprobe ihres Könnens haben am Sonntag neun- bis 17-jährige Musiktalente im Kulturzentrum bauhof geliefert. Vor rund 70 Zuhörern spielten die zwölf Schüler des früheren Nomos-Quartettmitglieds Sonja Maria Marks auf der Violine Werke von Cesar Franck, Berthold Hummel und Johann Sebastian Bach. „Wann beginnt die Musik? Mit dem ersten Ton oder doch schon vorher?“, stimmte Marks das Publikum vor dem Konzert auf eine spezielle Lehrmethode ein, nach der sie unterrichtet. Mit Hilfe der sogenannten Göthertschen Methode sollen die Jugendlichen Marks zufolge mehr lernen als die reine Spieltechnik. „Sie nehmen sich Zeit, eine Verbindung mit ihrem inneren Raum zu knüpfen und so die Musik auch schöpferisch zu erleben“, sagte Marks. Zudem gehöre viel Disziplin dazu, täglich mehrere Stunden zu üben. „Von vielen Leuten wird ein solcher Einsatz kaum gewürdigt“, lobte sie ihre Schüler. Ob es nun an der Lehrmethode lag oder einfach nur am Talent: Die jungen Violinisten überzeugten mit reifem und ausgefeiltem Spiel. Für ihre Vorträge erhielten sie langanhaltenden Applaus. zo


 

Sinnbild für die Liebesnacht zwischen Faust und Gretchen: GOP-Kreativ-chef Karl-Heinz Helmschrot setzt seiner Gitarre die Gretchen-Perücke auf und vertont den Fehltritt der bis dato unschuldigen Maid mit stimmungsvollen Klängen.Zottl

HAZ Leine Nachrichten 27.04.2009

Mephisto entpuppt sich als Terrier

Karl-Heinz Helmschrot brilliert im bauhof

Das war kongenialer Neuzeit-Goethe: Mit seinem Varieté-Theater-Comedy-Programm „Fast Faust“ hat der künstlerische Leiter des hannoverschen GOP, Karl-Heinz Helmschrot, am Sonnabend für Lachsalven im Hemminger bauhof gesorgt.
von petra zottl
hemmingen.
Obwohl das Kulturzentrum vermutlich aufgrund der frühsommerlichen Witterung nur zu einem Viertel gefüllt war, brauchte Helmschrot kaum zwei Minuten, um das Publikum für seine persönliche Suche nach des Pudels Kern zu fesseln – in dieser Version stellte sich der zumeist wohlgetrimmte Gesellschafts- und Familienhund aus dem Goetheschen Werk Faust dank des Einwurfs eines Zuschauers als Terrier heraus. Helmschrots Versprechen, das Publikum dort abzuholen, wo diese das berühmte Stück Literatur zumeist verlassen haben – nämlich im drögen Deutschunterricht – löste er von Anfang an ein. Ob als mitreißender Literaturpapst Marcel Reich-Ranitzki, als überspitzt dargestellter Lehrer Dr. Streng, als eindeutig der hessischen Mundart zugewandter Geist oder als diabolisch kichernder Mephisto: Der Künstler versöhnte mit seiner Mischung aus komödiantisch-komprimierter Inhaltsangabe und stimmiger Varietékostprobe mit einer Tragödie, die viele seit damals nicht mehr in die Hand nehmen mochten. Getreu dem Motto „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“, gaben sich die Zuschauer Helmschrots unwiderstehlichem Charme hin und ließen ihn nach 90-minütigem Déja-vu an die Schulzeit erst nach mehreren Zugaben von der Bühne. Selten so gelacht! Wer also am Sonnabend den Düften der Bratwurst im Freien nicht widerstand und dieses jetzt bitter bereut, bekommt eine zweite Chance: bauhof-Chef Klaus Grupe kündigte am Ende des Abends Helmschrots Rückkehr ins Hemminger Kulturzentrum an.


 

Trio Coppo (von links): Rolf Schawara, Carsten Tamme und Gunnar Hofmann spielen Latin-Jazz der besonderen Art. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 09.03.2009

Wilde Flötenläufe und ein langes Percussionsolo

Latin-Jazz reißt Publikum mit – Trio Coppo spielt vor ausverkauftem Haus im Hemminger Kulturzentrum bauhof

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Eine Flöte, eine Gitarre und ein riesiges Schlagzeugarsenal – das sind die Instrumente des Trios Coppo. Mit Latin-Jazz begeisterten Gunnar Hofmann, Rolf Schawara und Carsten Tamme das Publikum im ausverkauften Kulturzentrum. „Wir hätten das Doppelte an Karten verkaufen können“, sagt Klaus Grupe vom bauhof erfreut. Der Rhythmus vom Trio Coppo ist von lateinamerikanischer Musik geprägt: Bossa Nova, Samba, Bolero und Salsa. „Als Bossa kann man eigentlich alles spielen“, erklärt Carsten Tamme dem Publikum in seiner lockeren Moderation. Und die Drei ließen Taten folgen. Ob „English Man in New York“ von Sting, Kompositionen von Chick Corea oder der Klassiker „Birdland? der Gruppe Weather Report – in jeder Interpretation schwingt der Klang aus Süd- und Mittelamerika mit. Auch JazzRock war dabei wie „On Brodway“ von George Benson. Carsten Tamme führte mit seiner Flöte das Trio musikalisch. Vor allem die mittleren und tiefen Lagen des Instruments nutzt er für wilde Läufe, Improvisationen und ungewohnte Klangfarben. Mit dem Gitarristen Gunnar Hofmann spielt er oft auf enger Distanz fast im Duett. Für viele Besucher war Schlagzeuger Rolf Schawara der Star des Abends. Sein rund zehn Minuten dauerndes Percussionsolo begann er auf dem aus Brasilien stammenden Berimbao, um schließlich wieder ans Schlagzeug zu wechseln. Nach drei Stunden endete der Abend mit Ovationen.


 

Der Erfurter Schauspieler Hans-Peter Körner zitiert, singt und spielt Erich Kästner im bauhof. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 03.03.2009

Körner gibt im bauhof den Kästner

Von lustig bis scharfzüngig: 80 Gäste erleben Vielfalt des Autoren

von stephan schwier Hemmingen-Westerfeld. Ob unterhaltsam wie im „fliegenden Klassenzimmer“ oder bissig wie in vielen seiner Gedichte – Erich Kästner war einer der vielseitigsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Davon konnten sich am Sonnabend 80 Gäste im Kulturzentrum bauhof überzeugen. Auf der Bühne stand der Erfurter Schauspieler Hans-Peter Körner mit seinem Programm „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es!“ In einer bunten Mischung aus rezitierten Texten und Liedvorträgen spannte Körner den Bogen von der Politik bis zu zwischenmenschlichen Beziehungen. Kästner hat gern mit scharfem Spott die Mächtigen der Welt aufs Korn genommen, wie im Lied „Es gibt Karrieren, die gehen durch den Hintern“. Die Fortschritte des Menschen beurteilte er lakonisch: „bei Licht betrachtet, sind sie noch immer die alten Affen“. Aber auch der Zeitgeist, das Theater, die Frauen und die Männer waren nicht sicher vor seinen Karikaturen. Meisterhaft setzten Körner und sein Pianist Martin Stephan die Texte in Sonette und Couplets um. Mit seiner Gestik und Mimik unterstrich Körner die Gedichte und Lieder und brachte das Publikum zum Lachen. Immer wieder verkörperte der Schauspieler die überzeichneten Figuren der Texte, als Caféhauskellner und verschüchterter Ehemann genauso gut wie als Stehgeiger und einschlafender Paukist im Orchestergraben. Körner zitierte im bauhof aber nicht nur Kästner. Vor allem in den Abschnitten über Frauen und Männer brachte er auch die Einsichten und Ansichten anderer Autoren zu Gehör. „Bei Kästner ist beim Thema Frauen ein Gedicht schlimmer als das andere“, sagte Körner. Frauen dienten dort vor allem als Lacherfolg. Und so durfte unter anderem auch Heinrich Heine herhalten, der über die Damenwelt schrieb: „... gefielen sie erst dann, wenn sie das Reden ließen.“


 

Bei ihrem Soloauftritt verwandelt sich die Schauspielerin Christiane Hess unter anderem in eine verliebte Glocke, trauernde Zwerge und drei ratlose germanische Götter. Zerm

HAZ Leine Nachrichten 23.02.2009

Hess spielt Glocken und Zwerge

Schauspielerin tritt im bauhof auf

Von Stephanie Zerm Hemmingen-Westerfeld. Wie hält man eine Glocke davon ab, einfach wegzufliegen? Laut Schauspielerin Christiane Hess waren zumindest im Fall der Mandelsloher Glocke alle Versuche der Dinstorfer Bevölkerung vergebens, sie mit lautem Rufen am Davonfliegen zu hindern. Denn nach einer alten Sage sollen die frustrierten germanischen Götter Odin, Thor und Loki die Mandelsloher Glocke verhext haben – die dann prompt zu ihrer Jugendliebe, der Glocke Maria, im Niedernstöckener Kirchturm flatterte, um mit ihr durchzubrennen. In ihrem Solostück „Götter, Glocken, Gläubige – Sagen und Legenden aus dem Leinetal“ nahm die Schauspielerin Christiane Hess vom Neustädter Theater am Barg am Freitagabend im Kulturzentrum bauhof rund 70 Zuschauer mit in eine faszinierende, teils aberwitzige Sagenwelt rund um das Steinhuder Meer. Ohne Requisiten und ein aufwendiges Bühnenbild ließ Christiane Hess ratlose germanische Götter, liebestolle norddeutsche Glocken, lebensfrohe holländische Baumeister und eine Schar trauernder Zwerge scheinbar aus dem Nichts erscheinen. Mit gekonnten Dialekten und einer großen Darstellungskraft bewegte sich die 38-Jährige auf einem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik und machte die Figuren aus den alten Sagen allein mit ihrer Mimik lebendig. Mit der Geschichtsstunde in norddeutschen Mythen hatte die Schauspielerin, die bereits im vergangenen Jahr im bauhof aufgetreten war, das Publikum von Anfang an gepackt. Die Zuschauer honorierten ihren kunstvoll inszenierten Soloauftritt mit zahlreichen Lachern und viel Applaus.


 

Die A-cappella-Gruppe Ferrari Küsschen im bauhof (von links): Margarete Paulmann-Nisters, Sylvia Reck, Haide Manns, Volker Bublitz und Uli Meyer-Limberg. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 09.02.2009

Ferrari Küsschen imitiert Rockröhre Tina am Stock

Frech und schräg: A-cappella-Gruppe parodiert Welthits

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Was ist, wenn Tina Turner auch mit 80 Jahren noch auf der Bühne steht? Sylvia Reck von der A-cappella-Gruppe Ferrari Küsschen hat es dem Publikum im bauhof gezeigt: Mit Stock und geplagt von diversen Zipperlein betritt sie als Rockröhre die Bühne und heizt mit „Rolling on a River“ ein. Vor den fünf Sängern des Ensembles aus Hannover ist nichts sicher – weder Schlager und Swing noch die Hits von Megastars wie Abba. Mit einer Mischung aus Comedy und Parodie interpretiert Ferrari Küsschen die Hits der Welt auf ihre Weise. Wenn Sänger Volker Bublitz Heintjes „Mama“ eher grölt als singt und schluchzend vor einer älteren Zuschauerin in die Knie geht, bleibt kein Auge trocken. Sein Kollege Uli Meyer-Limberg gibt den Chansonsänger Gilbert Bécaud mit rauchiger Stimme. Haide Manns und Margarete Paulmann-Nisters sind die Spezialistinnen für Uraltschlager von Theo Mackeben und Otto Reutter, oft mit herrlich passender Mimik. Bei „Bell Ami“ holten sie sich einen passenden Mann aus dem Publikum auf die Bühne und beim Couplet „Der Überzieher“ durfte Zuschauer Heinz Badenberg mitmischen – als Garderobenständer. Mit Strass, Boas, Sonnenbrillen und anderen Accessoires setzten die fünf Sänger optische Höhepunkte. Der „Männerchor Goldene Kehle von 1738“ wirkt trotz falscher Rauschebärten wirklich echt. Auch stimmlich überzeugt Ferrari Küsschen. Wenn einer der fünf als Solist im Vordergrund steht, bilden die anderen einen hörenswerten Chor im Hintergrund. Sie imitieren Instrumente mit ihren Stimmen und ersetzen auf diese Weise fast ein Orchester. „Wir sind schon zum fünften Mal im bauhof“, sagte Volker Bublitz. Es sei immer eine schöne Stimmung. Klaus Grupe vom Kulturzentrum war begeistert über das volle Haus. „Wir hatten in diesem Jahr einen wirklich guten Start“, sagte er. Sehr Zufrieden waren auch die Zuhörer. Sie spendeten viel Applaus für Ferrari Küsschen.


 

Ingeborg Gleichauf liest im bauhof aus ihrer neuen Biografie über Simone de Beauvoir. Zerm

HAZ Leine Nachrichten 02.02.2009

Ingeborg Gleichauf will die Werke von Frauen würdigen

Autorin liest im Hemminger bauhof über Simone de Beauvoir

Von Stephanie Zerm Hemmingen-Westerfeld. „Ich möchte berühmten Frauen den Platz einräumen, der ihnen gebührt.“ Das ist das Motto der Germanistin und Philosophin Ingeborg Gleichauf. Daher hat sie bislang auch ausschließlich Bücher über Frauen geschrieben, unter anderem über Hannah Ahrendt und Ingeborg Bachmann. Am Sonnabend las sie nun im Kulturzentrum bauhof aus ihrer neuen Biografie über Simone de Beauvoir. Entstanden ist das Buch im Januar 2008 zum 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir, die viele in erster Linie nur als Partnerin des Philosophen Jean-Paul Sartre kennen. Ihre Bedeutung als eigenständige Denkerin werde dabei jedoch oft übersehen, sagt Gleichauf. Sie schätze vor allem die klaren Äußerungen de Beauvoirs über das Alter, den Tod und das Dahinsiechen. „Simone de Beauvoir wollte sein wie keine andere“, sagt die 55-Jährige. „Die meisten anderen Menschen wollen dagegen so sein wie alle.“ Aus ihrem Buch hat Ingeborg Gleichauf im vergangenen Jahr bei Veranstaltungen in ganz Deutschland rund 40-mal gelesen. Ein neues Buch hat sie bereits in Planung. Es soll das erste werden, das sie nicht über eine Frau schreibt: Diesmal soll der Schriftsteller Max Frisch im Mittelpunkt stehen.


 

Jazz und Kammermusik im Bauhof (von links): Hajo Hoffmann (Geige), Maik Schwanke (siebensaitige Konzertgitarre) und Achim Seifert (E-Bass). Schwier

HAZ Leine Nachrichten 26.01.2009

Mit Viomando auf vertonte Weltreise

Die Gäste im Hemminger Bauhof genießen die Musik des Jazzgeigers Hajo Hoffmann

Von Stephan Schwier Hemmingen-Westerfeld. Wenn einer eine Reise tut – dann kann er sie vertonen. Bei Hajo Hoffmann ist das Programm. „Wenn mich etwas begeistert, setze ich es in Töne um“, sagt der hannoversche Jazzgeiger und Mandolinenvirtuose. Ob Afrika, Südamerika oder Russland: Immer springen bei Hoffmann interessante Jazz-Stücke dabei heraus, etwa über die Stadt Ouagadougou in Burkina- Faso oder eine alte Brücke im Senegal. Dabei fließen die Rhythmen ineinander, vom Samba bis zum griechischen Sirtaki. Die etwa 70 Zuhörer im Bauhof erlebten am Freitagabend mit dem Ethno-Jazz-Trio Viomando eine musikalische Weltreise. Hajo Hoffmann begeisterte mit seinem Spiel auf Mandoline und Geige. Immer wieder fand er neue Wege, die Instrumente klingen zu lassen: Mit zupfen, schlagen und streicheln. Mal entlockte er der Violine Klänge wie Walgesang, mal wirbelte der Bogen über die Saiten wie bei ungarischen Tänzen. Und Hoffmann war immer in Bewegung, oft war sein ganzer Körper mit der Musik beschäftigt. Maik Schwanke spielte die siebensaitige Konzertgitarre virtuos und setzte besonders mit seiner Komposition „7“ einen Glanzpunkt der Gitarrenmusik. Achim Seifert lieferte mit seinem E-Bass die solide Grundlage und holte das Instrument durch seine Spielweise aus dem Schatten eines Begleitinstruments und auf die Solistenbühne. Die drei Instrumentalisten schafften eher die Atmosphäre eines Kammermusikabends statt einer Jazz-Session. Das Publikum hörte gespannt zu und gab einen großen Applaus.


 

Der Hannoveraner Hajo Hoffmann tritt Freitagabend im Hemminger bauhof auf. Seine Jazzkompositionen präsentiert er unter anderem auf einer Ovation-Mandoline.

HAZ Leine Nachrichten 20.01.2009

Trio spielt Jazz aus aller Welt

Hajo Hoffmann tritt mit Viomando im Kulturzentrum auf

Von Stephanie Zerm Hemmingen. Das Viomando-Projekt des hannoverschen Jazzgeigers und Mandolinisten Hajo Hoffmann ist am Freitag, 23. Januar, im bauhof zu Gast. Die drei Musiker spielen für ihr Publikum Jazz aus allen Teilen der Welt. Das Viomando-Projekt steht für innovativen Folk-Jazz. In dieser Musik vereinen sich unterschiedliche Musikstile, die Hajo Hoffmann bei seinen Reisen durch Europa, Brasilien und Afrika kennengelernt hat und in seine Kompositionen einfließen lässt. Das Viomando-Projekt besteht bereits seit 1984 in verschiedenen Besetzungen um Hajo Hoffmann. Der Dozent für den Bereich Jazzstreicher und Mandoline an der Musikhochschule Hannover studierte in Rio de Janeiro Mandoline und in Köln Violine. Hoffmann trat als Mandolinist und Geiger unter anderem bei Heinz Rudolf Kunze auf und reiste viele Jahre für das Goethe-Institut durch die Welt. Bei seinem Auftritt im bauhof in Hemmingen spielt Hoffmann eine viersaitige Ovation-Mandoline. Maik Schwanke begleitet ihn auf einer siebensaitigen Konzertgitarre, Achim Seifert auf dem E-Bass.
Das Konzert beginnt am Freitag, 23. Januar, um 20 Uhr im Kulturzentrum bauhof an der Dorfstraße 53. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt zwölf Euro. Eintrittskarten gibt es bei et cetera am Rathausplatz in Hemmingen-Westerfeld, bei Schreibwaren Petersen an der Göttinger Straße in Arnum, in der Bücherecke an der Dammstraße in Pattensen, in Gittas Friseursalon an der Fiedelerstraße in Döhren sowie in der Kulturbox im Laatzener Rathaus.


 

HAZ Leine Nachrichten 20.01.2009

bauhof bekommt Leuchtschild

Der Kulturverein bauhof zieht eine durchweg positive Bilanz der vergangenen Saison. Etwa 35 Veranstaltungen wollen die rund 120 Mitglieder für die nächsten Monate organisieren. Von Mellanie Caglar Hemmingen-Westerfeld. „Beim kulturellen Angebot 2008 haben wir einige Volltreffer gelandet“, sagte bauhof-Vorsitzender Klaus Grupe gestern erfreut. „Viele Veranstaltungen waren ausverkauft.“ Der jährliche Zuschuss der Stadt in Höhe von 10?000 Euro biete eine sichere Basis für die Arbeit des Vereins. Grupe lobte auch das Engagement der vielen Ehrenamtlichen. Die neue Spielzeit habe mit Friedhelm Kändler, der am Freitag auf der Bühne stand, gut begonnen. Grupe ist optimistisch, dass das zehnte Jahr des Vereins, den zwölf Kulturinteressierte Ende 1999 gegründet haben, erfolgreich verläuft. Rund 35 Angebote sollen auf dem Programm stehen, der bauhof nimmt wieder am Kultursommer teil und bietet erneut seine Kabarettwochen an, sagte der Vorsitzende. Nach Ostern stellt der Hemminger Maler Stefan Lang im Kulturzentrum an der Dorfstraße aus. „Er war der erste Künstler, der bei uns ausgestellt hat“, erinnerte sich Grupe. Ein kultureller Höhepunkt ist für den 25. Oktober anlässlich des zehnjährigen Vereinsbestehens geplant. Näheres über das Programm verriet der Vorsitzende noch nicht. Bald steht eine kleine bauliche Veränderung an: Ein Leuchtschild mit bauhof-Schriftzug wird an der Außenfassade montiert. Die Bühne hat inzwischen eine Umrandung mit Seitenteilen erhalten, neue Mikrofone wurden angeschafft. Auf dem Wunschzettel der Mitglieder steht noch eine Beleuchtung im Eingangsbereich des Gebäudes, sodass die Einfahrt erhellt wird. Auch will der Verein sein Büro technisch aufrüsten, in neue Stühle für die Bühne sowie Headsets für die Künstler investieren.


 

Friedhelm Kändler rezitiert mit Plüschtier Cosinus das Gedicht „Der Ameise“. Zerm

HAZ Leine Nachrichten 19.01.2009

Kändler trägt bizarre Gedichte vor

Hemmingen-Westerfeld. Der Jahresauftakt im Kulturzentrum bauhof ist gelungen: Bei dem Auftritt des Kabarettisten und Sprachkünstlers Friedhelm Kändler aus Hannover gab es kaum noch freie Plätze. „Die Karten sind alle bereits im Vorverkauf weggegangen“, sagt Pressesprecherin Ingrid von Drahten. Lediglich zwei Karten habe es noch an der Abendkasse gegeben. „Wir wollten den Besuchern bei unserer ersten Veranstaltung im neuen Jahr etwas ganz Besonderes bieten.“ Insgesamt 100 Besucher sahen das Programm „Friedhelm Kändler lebend“ und erfreuten sich an den bizarren Sprachspielen des selbsternannten Wowoeten.zer/Mehr auf Seite 8

 

HAZ Leine Nachrichten 19.01.2009

Kändler: Befruchten Sie sich in der Pause gegenseitig

Von Stephanie Zerm Hemmingen-Westerfeld. Wowo ist Kändlers Antwort auf Dada. Und dass Kändlers Wowoismus manchmal auch ein bisschen gaga ist, konnten die Besucher im bauhof am Freitagabend live erleben. Friedhelm Kändler interpretiert die Grammatik und die Poesie völlig neu. So erzählte er das „Mehrchen“ vom Flusspferd, das sich nach „mehr“ sehnt und erst zum „Seepferd“ und dann zur „Schindmeere“ mutiert. Und Kändlers „Dornröschen“ reimt sich auf „Fröschen“. In seiner Interpretation des Märchens buhlt das Grüntier um die Gunst der Prinzessin, die jedoch unter einer Frosch-Phobie leidet und das Tierchen an die Wand wirft. Und die Moral von der Geschichte: „Manche Liebesgeschichten enden mit Flecken an den Wänden“, reimt Kändler. Auch für die deutsche Grammatik hat der Dichter Eselsbrücken parat. Den Genitiv könne man sich so merken: „In der Nähe des Wassers, geh nie tief.“ Und den Dativ: „Da tief.“ Kändler spielt mit der Sprache in schwindelerregender Geschwindigkeit. Vor der Pause hält er einen Obstkorb als „Zugabe“ parat. „Geben Sie einem anderen Zuschauer ein Stück Obst als Zeichen des erotischen Wohlgefallens. Wer ganz viel Angst hat, kann eine Feige verschenken. Und Narzisten einen Für-sich.“


 

Christian Junghans vor einer Auswahl seiner Werke. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 15.12.2008

Leuchtende Farben für Unicef

Kultur 2: Christian Junghans stellt im Hemminger bauhof aus

Von Stephan Schwier

Hemmingen-Westerfeld. Lustige Hunde, grinsende Gesichter, lachende Erdnüsse – der hannoverscher Maler Christian Junghans entführt die Betrachter in eine Bilderwelt mit wenigen Strichen und bunten Farben. Bis zum 11. Januar sind mehr als 80 seiner Werke im Kulturzentrum bauhof zu sehen. Junghans hofft auf viele Interessenten, denn mit dem Kauf eines Bildes spenden die Kunstfreunde an die Aktion Schulen für Afrika des Kinderhilfswerks Unicef. „Die ausgeschilderten Preise stellen zwei Drittel des Gesamtpreises dar, ein Drittel legen die Käufer für die Aktion drauf“, sagte Junghans. Sigrid Schrader von Unicef Hannover warb bei der Vernissage für die Aktion. „45 Millionen Kinder in Afrika können nicht zur Schule gehen“, sagte sie. Unicef sei zwar das Spendensiegel entzogen worden, aber nicht die Gemeinnützigkeit. „Wir sind wieder neu aufgestellt“, sagte Schrader. „Christian Junghans ist einer der interessantesten Künstler in Hannover“, sagte die in Hemmingen wohnende Kunsthistorikerin Holly Todd bei der Vernissage am Freitagabend. Er greife wie Andy Warhol zu Mitteln aus der Werbung. Kein Wunder: Junghans ist Designer und hat visuelle Kommunikation studiert. Mit Filzstift skizziert Junghans Bilder auf Papier. Wenn ihm ein Motiv gefällt, projiziert er es auf die Leinwand. Aus der Skizze wird dann mit Acrylfarben das fertige Bild. Die Größen der Bilder variieren, einige sind kaum größer als eine Postkarte, andere dagegen verlangen eine große Wand, damit sie richtig zur Geltung kommen.
Die Ausstellung im bauhof ist mittwochs, freitags und sonnabends jeweils von 15 bis 19 Uhr geöffnet.


 

Im Atelier von Christian Junghanns entstehen Bilder und Zeichnungen, die im Kulturzentrum bauhof zu sehen sind.

HAZ Leine Nachrichten 11.12.2008

Neopop-Kunst hilft Schulkindern in Afrika

Christian Junghanns stellt im Hemminger bauhof aus

Neopop-Kunst des gebürtigen Hannoveraners Christian Junghanns ist bis Mitte Januar im Kulturzentrum bauhof zu sehen. Die Schau des international renommierten Künstlers steht unter der Schirmherrschaft von Unicef Hannover.

von Stefan Vogt

Hemmingen-Westerfeld. In den Räumen an der Dorfstraße zeigt Junghanns neueste Arbeiten. Seine elf Exponate – charakterisiert als plakativ, lebendig und emotional – verdichten oder verfremden auf individuelle und überraschende Art und Weise Alltagsbanalitäten zu skurrilen Elementen. Bei den Betrachtern weckt dies Erinnerung an Andy Warhol und Keith Haring. Seine Werke waren unter anderem in Amsterdam, Hannover und nicht zuletzt in der Royal Academy of Arts in London zu sehen. Im Hemminger bauhof hatte Junghanns im Mai 2007 mit einer fünfwöchigen Kunstaktion Aufmerksamkeit erregt. Mit der Ausstellung unterstützt Junghanns das Unicef-Projekt „Schulen für Afrika“. Dieses eröffnet mit dem Bau von Einrichtungen die Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen durch Bildung an der gesellschaftlichen Entwicklung und am Wohlstand teilhaben zu lassen. Einen Teil des Verkaufserlöses seiner Arbeiten spendet Junghanns für dieses Projekt.
Die Ausstellung wird am Freitag, 12. Dezember, um 18 Uhr eröffnet, der Künstler ist dabei. Jeweils donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr können Besucher Junghanns' Arbeiten im bauhof bis zum 11. Januar betrachten. Dies ist auch nach Anruf unter Telefon (0177) 3942614 möglich.


 

Hans-Günther Jürgensmeier (von links), Rainer Topp, Volker Hagen, Ulrich Petersen, Michael Schultheis und Ulrich Beier jazzen. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 08.12.2008

Old Virginny-Jazzer sind Erste auf neuer Bühne

Kultur 3: Ausverkauftes Haus im bauhof

HEMMINGEN. Großer Andrang hat am Sonntagvormittag in den Räumen des Kulturzentrums bauhof geherrscht: Mehr als hundert Besucher wollten das Weihnachtskonzert der Formation Old Virginny Jazzband sehen. „Schon der Vorverkauf ist sehr gut gelaufen“, berichtete bauhof-Sprecherin Ingrid von Drathen. Die Musiker rund um den Bandleader und Trompeter Rainer Topp servierten flotte Jazzrhythmen und lockere Ansagen. Beides honorierten die Zuhörer mit viel Applaus.
Außerdem erwartete die Besucher eine ungewohnte Bühnenoptik. Erst wenige Tage zuvor war die vom Kulturverein bestellte neue Bühne neben schwarzer Bühnenumrandung eingetroffen. „Es ist alles ganz frisch, die letzten Teile haben wir erst heute morgen angebracht“, sagte von Drathen. Entgegen der ursprünglichen Planung ging das bauhof-Kulturjahr gestern noch nicht zu Ende: Für Freitag, 12. Dezember, ist noch eine Ausstellung des Neopop-Künstlers Christian Junghanns geplant. zo


 

Geballte Frauenpower: Elisa Salamanca (links) und Inken Röhrs alias Die Steptokokken ziehen das Weihnachtsfest durch den Kakao. von Lüderitz

HAZ Leine Nachrichten 02.12.2008

Weihnachtsmuffel warten auf Ostern

Kultur 2: Kabarett-Duo Die Steptokokken spielt und singt im ausverkauften bauhof

Von Achim von Lüderitz

Hemmingen. Voll besetzt war am Sonntag das Kulturzentrum bauhof in Hemmingen: Mehr als 100 Freunde des Kabaretts waren gekommen, um Zeugen des „Grippenspiels“ des Duos Die Steptokokken zu werden. Besinnliche Weihnachtsstimmung war es nicht gerade, was Inken Röhrs und Elisa Salamanca verbreiteten. Die „Kleinkünstlerinnen“, wie sich die beiden zierlichen Frauen selbst bezeichneten, nahmen das Fest der Liebe gehörig auf die Schippe. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt: Es war nicht nur ein Lichtlein, sondern ein kabarettistisches Feuerwerk, das die beiden immer neu kostümierten Frauen per Sketch oder Gesang zwei Stunden lang abbrannten. „Es wird immer kälter, die Nächte werden immer heiliger – wer sehnt sich da nicht nach einer wohligen Grippe, die einen ans Bett fesselt und von allen Pflichten befreit?“, fragten die beiden Entertainerinnen. Kein Putzen, kein Aufräumen, kein Basteln oder Backen, und selbst die Schwiegereltern haben ihren Besuch abgesagt. Dafür gemütliches Kuscheln unter einer warmen Decke, Glühwein und Plätzchen direkt am Bett. Weihnachten einmal ganz anders. Das Publikum wurde von den Darstellerinnen ins Geschehen mit einbezogen – und sei es nur akustisch mit zuvor verteilten Glöckchen. Das schlagfertige Duo drückte den weihnachtlichen Klassikern mit Blockflöte und Saxofon seinen eigenen Stempel auf. Am Ende des glänzend präsentierten Programms, das immer wieder von Szenenapplaus unterbrochen wurde, hatten die beiden Weihnachtsmuffel nur noch einen Wunsch: Hoffentlich ist bald Ostern.


 

Produziert Lacher am laufenden Band: Kabarettist Thomas Philipzen im Hemminger Kulturzentrum bauhof. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 17.11.2008

Böse Spitzen Richtung Bayern

Kultur 1: Thomas Philipzen witzelt und wirbelt im Hemminger Kulturzentrum bauhof

Das Hemminger Kulturzentrum bauhof hat in seiner Kabarettreihe am Freitag einem Geheimtipp die Bühne überlassen.

Von Stephan Schwier

Hemmingen-Westerfeld. Schon nach wenigen Worten hatte Thomas Philipzen die Zuhörer für sich gewonnen. Schlag auf Schlag servierte der Kabarettist am Freitagabend im bauhof ein Menü aus politischem Kabarett und Comedy. Ob Politik, Prominente, Sportler oder das Gesundheitssystem, Philipzen ließ kaum ein Thema aus. Bei seinen Gags und Pointen blieb kein Auge trocken. Immer wieder gab es Lachsalven der 100 Gäste. Für Philipzen ist Berlin die Spaßhauptstadt der Republik: „Da gibt es Fahrradrikschas. Da kannst du selbst mal die Peitsche schwingen. Ich hab bis Kreuzberg bezahlt, aber bis Leipzig gepeitscht.“ Auch die Politik nahm er auf die Schippe: Angie und Bush als Verliebte auf dem G-8-Gipfel. Oder er schoss böse Spitzen nach Bayern. Dass man Bruno den Bären erlegt habe, sei schon seltsam: „Die CSU kann doch mit Braunem, das über die Alpen kommt, immer etwas anfangen.“ Bei dem Eisbären Knut sei es anders. „Ist halt ein Weißer“, sagte Philipzen. Er karikierte zudem die Sprache seiner Heimat Westfalen. Dort sage man „Schatz, nimm das Fahrrad für nach zum Bahnhof hin zu fahren.“ Doch nicht nur sprachlich zeigte sich Philipzen gut aufgelegt. Mit Mimik, ausladenden Gesten und Riesenschritten agierte er auf der Bühne. Er setzte sich ans Klavier, nur um gleich wieder aufzustehen und unablässig weiter zu plaudern. Diese besondere Bühnenpräsenz ist ein herausragendes Merkmal von Thomas Philipzens Auftritten.


 

Eitel, aber ohne Angst vor Grimassen: Kabarettistin Andrea Badey. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 03.11.2008

Die Kabarettwochen sind fast ausverkauft

Kultur 1: Andrea Badey stichelt im bauhof gegen die Männerwelt

Hemmingen liebt Komik: Die Kabarettwochen des Kulturzentrums bauhof scheinen auch im zweiten Jahr den Nerv des Publikums zu treffen. Am Sonnabend hieß es erneut: Vorstellung ausverkauft.

VON PETRA ZOTTL HEMMINGEN. „Männer, geht in Deckung“ – so hätte der Untertitel des Kabarettprogramms der Oberhausener Schauspielerin, Sängerin und Komödiantin Andrea Badey lauten können. Dabei klang der offizielle Titel zunächst ganz harmlos: „Geld allein? macht nicht unglücklich – Gewinnausschüttung aus der neuen Unterschicht“. „Schön, dass Sie alle da sind – mal sehen, ob sie auch bleiben“, begrüßte Badey die rund 100 Zuschauer und erntete erstes Gekicher. Mit Kohlenpottcharme parlierte „die Baaadey“ über die Sorgen und Nöte des kleinen Mannes oder besser: der kleinen Frau. Ob es nun um den Filmklassiker „Frühstück bei Tiffany“ ging, bei dem „die Äuutrey“ wegen ihrer schlanken Silhouette den Grad der eigenen figürlichen Frustration noch erhöhe, oder um die frisch von einem Siemens-Manager geschiedene Schulfreundin Carola, deren Sorgen sich vor allem um den Standard drehen, den „man sich ja mal erbeutet hat“ – nichts war vor der spitzen Zunge Badeys sicher. „Man muss sich vor intelligenten Männern in Acht nehmen – man erkennt deren Blödheit ja nicht sofort“, stichelte die Kabarettistin und erntete vor allem von den Frauen viel Gelächter und Applaus. Die Reaktionen vieler männlicher Zuschauer hingegen waren eher verhalten. bauhof-Chef Klaus Grupe äußerte sich hochzufrieden über den Auftakt der Kabarettwochen, die eine Erfolgsgeschichte zu werden scheinen: Die Folgeveranstaltung am nächsten Wochenende mit der Gruppe „Herzen in Terzen“ ist bereits ausverkauft. Nur für den Best-of-Auftritt des Kabarettisten Thomas Philipzen in zwei Wochen sind noch Karten erhältlich.


 

Ein harmonisches Quartett (von links): Stephan Werner, Klaus Heuermann, Sänger Stan Hemken und Achim Blase. von Lüderitz

HAZ Leine Nachrichten 27.10.2008

Guter Ton von damals kommt gut an

Das Bremer Ensemble Grammophon & Schellack gastiert im Hemminger bauhof

Von Achim von Lüderitz Hemmingen. Der Erste Weltkrieg war vorbei, der Schwarze Freitag an der Börse gehörte der Vergangenheit an – den Goldenen Zwanzigern stand nichts mehr im Wege. Etwas von der Ausgelassenheit dieser Zeit präsentierte das Bremer Quartett Grammophon & Schellack am Sonnabend zwei Stunden lang im Hemminger Kulturzentrum bauhof – sehr zur Freude der rund 70 Zuhörer. „Besonders erfreulich war es, dass nicht nur die älteren Semester gekommen waren, sondern sich viele Besucher um die 40 in die Vergangenheit entführen lassen wollten“, sagte Klaus Grupe, Vorsitzender des Hemminger Kulturvereins, zufrieden. Die vier Herren präsentierten sich in Frack und Zylinder, wie das bei Bühnenauftritten vor mehr als 80 Jahren üblich war. „Sie glauben gar nicht, wie unbequem die Klamotten sind“, sagte seufzend Sänger Stan Hemken, der unterhaltsam durch das Programm führte, und tupfte sich den Schweiß unter dem Zylinder ab. Der gute Ton von damals geht auch heute noch ins Ohr. Mit seiner etwas nasalen Stimme wäre Frontmann Hemken sicher eine Bereicherung für die Comedian Harmonists gewesen, von denen auch einige Lieder zum Programm des Bremer Quartetts gehörten. Begleitet wurde Hemken von Klaus Heuermann (Violine), Stephan Werner (Bass) und Achim Blase (Akkordeon). Lieder wie „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Veronika, der Lenz ist da“, „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans“ und „Du hast Glück bei den Frauen Belamie“ haben die vergangenen acht Jahrzehnte schadlos überstanden. Die Musiker animierten die Besucher zum Mitsummen und Mitklatschen, die Beine wippten im Takt fast automatisch mit. Das Quartett präsentierte mit Leib und Seele die Gute-Laune-Lieder. Auch Stücke aus neuerer Zeit wie Max Raabes „Kein Schwein ruft mich an“ gaben die Vier zum Besten.


 

Markus Neumann (von links), Katharina Pfänder, Ann-Kathrin Blohmer und Felix Blohmer glänzen mit virtuosem Spiel. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 29.09.2008

Charme der Weltmusik beeindruckt

Kultur 2: bauhof zeigt triotoasthawaii

von petra zottl

hemmingen. An der musikalischen Qualität lag es nicht: Vor nur rund 30 Besuchern hat am Sonnabend das Hildesheimer Quartett triotoasthawaii im Kulturzentrum bauhof einen beeindruckende Querschnitt durch die Straßenmusik der Welt geliefert. „Egal ob vor zwei oder 20 Zuschauern - es wird gut“, hatte bauhof-Vereinschef Klaus Grupe vor dem Konzert versprochen. Und er behielt recht: Ann-Kathrin Blohmer, Katharina Pfänder, Felix Blohmer und Markus Neumann servierten in perfekt abgestimmtem Spiel ein Programm, das von russischen Volksweisen und jiddischer Klezmermusik über Balkantangos bis hin zu spanischen Liedern, deutschen Schlagern und Filmmusikadaptionen reichte. Sängerin und Akkordeonspielerin Ann-Kathrin Blohmer nahm das Publikum mit charmanten Ansagen und feinem Soprangesang in mehreren Sprachen für sich ein. Für Heiterkeit und Beifall sorgte unter anderem ihre Interpretation des jiddischen Liebesliedes „Janosch“. Einem wandelnden Instrumentarium gleich machte Musiker Felix Blohmer Eindruck: Im Konzert wechselte er zwischen Saxofon, Klarinette, Gitarre und Percussioninstrumenten wie Bongotrommeln und spanischen Kastagnetten hin und her. Ihrem Anspruch, Straßenmusik in konzertanter Qualität abzuliefern, wurden die vier Musiker mehr als gerecht. Viel Beifall war ihr verdienter Lohn.


 

Schwere Gespräche nach der Katastrophe (von links): Beate Habel als Mutter, Marita Heidrich als Psychiaterin und Leon Ehnert als Alan. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 22.09.2008

Leon Ehnert beherrscht das Geschehen

Das Theater KA begeistert das Publikum im Hemminger bauhof mit seiner Aufführung des Dramas „Equus“

Mit dem Drama „Equus“ des englischen Autors Peter Shaffer hat das siebenköpfige Theater KA aus Hannover im Hemminger bauhof Station gemacht.

Von Stephan Schwier

Hemmingen.
Es ist keine leichte Kost: Der 17-jährige Alan wird in die Psychiatrie eingeliefert. Er hatte vier Pferden die Augen ausgestochen. Die Psychiaterin Ann versucht, die Geschichte, das Warum zu ergründen. Zuerst singt Alan nur Werbespots. Es dauert, bis er sich der Wirklichkeit öffnet. In Rückblenden wird die Vergangenheit ergründet. Alans Mutter ist tief religiös, sein Vater dagegen Atheist. Der Junge entwirft sich ein eigenartiges Weltbild, in der Pferde zur Gottheit Equus aufsteigen. Als eine verstörende erste Liebe dazu kommt, gerät Alans Gedankenwelt völlig aus den Fugen. Leon Ehnert spielt den Alan grandios, nicht nur mimisch und mit einer zum Teil gewaltigen Stimme, auch seine körperliche Präsenz beeindruckte das bauhof-Publikum. Die anderen sechs Amateurschauspieler überzeugten ebenfalls: Marita Heidrich als Psychiaterin, Beate Habel als Mutter, Dieter Nitsche als Vater, Sabine Weber als Alans Freundin Jill, Claudia Weigand als Richterin sowie Christoph Uelsmann als Reiter und Pferd. Das Theater KA erhielt stürmischen Applaus nach mehr als zwei Stunden Spiel. „Wir proben nur einmal in der Woche“, sagte Regisseurin Inka Grund. Viel zu der besonderen Atmosphäre des Abends trug auch die Spielstätte bauhof bei. „Der Kontakt zum Publikum ist hier immer besonders eng“, sagte Inka Grund. Ohne Bühne, fast zwischen dem Publikum, entfaltete diese Aufführung eine besondere Intensität.


 

Symbiose aus Puppenspiel und Kabarett: Detlef Wutschik (im Hintergrund) mit der Puppe Bert Engel und Matthias Brodowy. Caglar

HAZ Leine Nachrichten 16.09.2008

Engel mit Stock und Zylinder

Matthias Brodowy und Detlef Wutschik zeigen gelungenen Mix zweier Genres

Beißenden Spott und stechende Pointen haben der Kabarettist Matthias Brodowy und Puppenspieler Detlef Wutschik bei ihrem ungewöhnlichen Auftritt im Kulturzentrum bauhof präsentiert.

Von Mellanie Caglar Hemmingen. Ein alter, schrulliger Herr mit Zylinder und Stock betritt die Bühne. Bert Engel ist sein Name. Er ist Entertainer der alten Schule und in der Nacht geboren, als der Eisberg die Titanic rammte. Engel ist eine lebensgroße Puppe. Den agilen Greis hat sich der überragende Puppenspieler Detlef Wutschik vor den Leib geschnallt. Er erfüllt die Puppe mit Leben. Wutschik ist am Wochenende mit Matthias Brodowy, der ihm als Kabarettist und Pianist zur Seite stand, im ausverkauften Hemminger Kulturzentrum bauhof aufgetreten. Die beiden Männer verknüpften gekonnt zwei Genres miteinander. Sie traktierten mit dem Bühnenprogramm „Bert Engel sagt Tschüss“ das Zwerchfell der Besucher. „Guten Abend Hamburg“, begrüßte Engel seinen Partner Brodowy, der ihm daraufhin schnell „Hemmingen“ ins Ohr flüsterte. Engel nickte. Der große Mann der Abendunterhaltung verkündete prompt: „Ich begrüße auch alle aus Hemmingen.“ In Engels Show weiß niemand vorher, was passiert – am wenigsten er selbst. So sollte plötzlich sein Azubi Brodowy zaubern. Trotz heftigster Proteste hatte Brodowy keine Chance, sich gegen seinen Boss durchzusetzen. Bitter für ihn – hatte er doch keinerlei Erfahrungen als Magier. Wen verwunderte es – vor den Augen des gebannten zuschauenden Publikums verlor der Hamburger Werner Momsen durch eine Zauber-Guillotine seine rechte Hand. Momsen nahm es gelassen: „Das scheint meine zu sein.“ Bei den Zuschauern kam das Programm hervorragend an. Sie gaben für den Abend mit Puppen, Musik und trotz dritter Zähne viel Biss anhaltenden, intensiven Beifall.


 

HAZ Leine Nachrichten 08.09.2008

So poetisch kann eine Rolltreppe sein

Thommi Baake spult Schmalfi lme ab und lässt sein Publikum raten

VON Mellanie Caglar Hemmingen. Rund 50 Schmalfilmfreunde haben sich am Freitagabend im Kulturzentrum bauhof mit Comedian Thommi Baake auf eine Zeitreise in die Vergangenheit begeben. An runden Tischen sitzend schauten sie sich Kurzfilme aus vier Jahrzehnten an. Baake begrüßte das Publikum in einem schrillen, rosafarbenen Anzug. „Der ist aus den siebziger Jahren“, berichtete der hannoversche Kabarettist und Komödiant. „Ich selbst bin aus den Sechzigern.“ Als erstes zeigte er den Film „Udo bekommt einen neuen Anorak“, einen mehr als 30 Jahre alten Lehrfilm des Instituts für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU). Während der Vorführung des damals durchaus ernst gemeinten Beitrags brachte Baake die Zuschauer durch unterhaltsame Moderation und Zwischenrufe immer wieder zum Lachen. Diese lasen nicht nur laut und schmunzelnd den Untertitel mit, sondern merkten sich auch Details, denn Baake lud sie anschließend zum Quiz ein. Kleine, unnütze Preise gab es zu gewinnen, beispielsweise ein Ansteckpin der Mainzelmännchen und eine angefangene Packung Cappuccinopulver. Für die richtige Antwort zu einer Süßigkeit in einem großen Kaufhaus erhielt ein Besucher sogar eine alte Schallplatte. Baake ließ sich auch zu manch gewagter Filmkritik herab. So lobte er die beeindruckende Regieführung in einem Lehrfilm: Die Nahaufnahme der Rolltreppe sei in seinen Augen ein Stück Poesie.


 

HAZ Leine Nachrichten 21.08.2008

Matthias Brodowy ist wieder dabei

Sommerpause endet: Mit vielseitigem Programm geht der bauhof in den September

von Mellanie Caglar Hemmingen-Westerfeld. Das Kulturzentrum bauhof beendet seine Sommerpause und bietet im September ein attraktives Programm mit Theater, Musik und originellen Showeinlagen. Den Auftakt macht Thommi Baake am Freitag, 5. September. Ab 20 Uhr präsentiert er in seinem zweieinhalbstündigen Schmalfilmkabarett eine Mischung, die einzigartig ist. Er zeigt ein Potpourri aus skurrilen, schönen und unfreiwillig komischen Filmen aus den fünfziger bis achtziger Jahren. Dabei reichen die Themen von einem Aufklärungsfilm, B-Movies und Werbung aus den sechziger Jahren bis hin zu Lehrfilmen aus den Siebzigern. „Der Filmabend ist eine gute Ergänzung unseres Programms“, sagt bauhof-Chef Klaus Grupe. Ein ausverkauftes Haus verspricht der Abend mit Matthias Brodowy. „Er ist zum fünften Mal in zwei Jahren da“, sagt Grupe erfreut. Doch der Kabarettist kommt am Sonnabend, 13. September, nicht allein. Ab 20 Uhr traktieren er und Detlef Wutschik das Zwerchfell der Zuschauer mit „Bert Engel sagt Tschüss“ – Kabarett und Puppenspiel treffen aufeinander, wenn Bert Engel sein Leben Revue passieren lässt. Das Theater Ka ist zum achten Mal im bauhof. Am Freitag, 19. September, geben die Amateurschauspieler ab 20 Uhr „Equus“, ein Drama von Peter Shaffer, zum Besten. „Ich finde sie super und bin verblüfft, was sie als Amateure auf die Bühne bringen“, lobt der bauhof-Vorsitzende. Dias von Reisen ins Taubertal zeigt Manfred Miller am Dienstag, 9. September, ab 19.30 Uhr. Weltmusik erklingt, wenn das Trio Toast Hawaii am Sonnabend, 27. September, ab 20 Uhr auf der Bühne steht. „Bis Dezember haben wir ein dichtes Programm. Da haben wir uns ganz schön e_SSLqwas vorgenommen“, sagt Grupe. „Die Veranstaltungen haben richtig gute Qualität.“ Das Herbstprogramm bezeichnet er als runde Sache. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf bei et cetera am Rathausplatz in Hemmingen-Westerfeld, bei Schreibwaren Petersen an der Göttinger Straße in Arnum, in der Bücherecke an der Dammstraße in Pattensen sowie in der Kulturbox im Foyer des Laatzener Rathauses.


 

Mitreißend: Autor Heiko Postma informiert und unterhält sein Publikum im bauhof mit augenzwinkerndem Humor. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 07.07.2008

Humor kommt beim Publikum an

85 Besucher erhalten im bauhof vergnüglichen Einblick ins Leben der Brüder Grimm

VON PETRA ZOTTL
HEMMINGEN. „Am liebsten lese ich in den Märchen.“ Mit diesem Zitat des alten Jacob Grimm ist am Sonnabend im Kulturzentrum bauhof ein literarischer Abend rund um das Leben der Gebrüder Grimm zu Ende gegangen. Unter dem Titel „... dann leben sie noch heute!“ hatte der Autor Heiko Postma während des Leseprojekts Hemmingen liest vorher rund 85 Besuchern einen tiefen und zuweilen amüsanten Einblick in das wechselvolle Leben der gebürtigen Hanauer gegeben.
Postmas Vortrag, der immer wieder durch mitreißend vorgetragene Auszüge aus Märchen und Sagen gewürzt wurde, widmete sich jedoch nicht nur den grimmschen Märchen. Auch über ihren Einsatz für das erste „Wörterbuch der deutschen Sprache“, dessen Vollendung weder Jacob noch Wilhelm Grimm erlebten, lieferte er ausführliche Informationen. Mit Beispielen aus dieser ersten Wörterbuchfassung sorgte Postma für Heiterkeit bei seinem Publikum: In ihr nahm Wilhelm Grimm unter anderem das Wort „Dwatsch“ für unklug oder albern auf, während sein Bruder das wohlbekannte „Aschenputtel“ mit „sich in der Asche wälzen“ übersetzte.
Neben Details über die Entstehung und Entwicklung der Märchen, wie unter anderem des Froschkönigs, der erst 25 Jahre nach dem ersten Erscheinen seine endgültige Fassung bekam, erfuhren Postmas Zuhörer Umfassendes aus dem privaten und politischen Leben der Germanistikprofessoren. Diese gehörten zu den Göttinger Sieben, die sich 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover wehrten und darauf ihrer Ämter enthoben wurden. Für Postmas augenzwinkernd-humorvollen und höchst informativen Vortrag bedankte sich das gebannt lauschende Publikum mit großem Applaus.


 

Tiefgründig: Uta Köbernick. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 26.05.2008

Schonungslose Einblicke in die Komik des Alltags

Musikkabarettistin Uta Köbernick verblüfft Publikum im bauhof

Hemmingen. Verstörend dicht am eigenen Alltag und unwiderstehlich komisch: Die Musikkabarettistin Uta Köbernick hat am Freitagabend zahlreiche Besucher im Kulturzentrum bauhof amüsiert. Die 1976 in Ost-Berlin geborene Köbernick wagte mit ihrem Programm „Sonnenscheinwelt“ einen faszinierenden Spagat aus Wortakrobatik, poetischer Dichtung und rabenschwarzer Musiksatire.
Schnörkel- und schonungslos bot sie mit geschliffenen Worten Einblicke in die Komik eines Alltags, in dem sich die meisten wiederfinden konnten. An Klavier und Gitarre servierte Köbernick wortspiellastige Werke wie „Ich hab vergessen, worum’s geht“, „Man steckt ja nicht drin“ und „Wenn das Scheitern nicht wäre“. Einem Schulmädchen gleich wechselte sie zwischen Gitarrenschemel und Klavierhocker, um zwischendrin ihr zerfleddertes Notizbuch mit den Worten „Jetzt kommt Lyrik – da müssen Sie durch“, hervorzuholen und die Besucher mit Wortkunst zum Kichern zu bringen. Auch wenn der Funke nicht bei Jedem sofort übersprang: Köbernick fügt dem Begriff literarisches Kabarett eine neue, erfrischende Facette hinzu. zo


 

Frauenpower auf der Bühne: Angela Frontera (links) und Zélia Fronseca. Hartung

HAZ Leine Nachrichten 19.05.2008

Repertoire mit viel Raffinesse

Jazztrio Witchcraft brilliert im bauhof

Von Mellanie Hartung
HEMMINGEN.
Mit einem fulminanten Auftritt haben Witchcraft am Sonnabend im Kulturzentrum bauhof eine beeindruckende Jazzkostprobe abgeliefert. Das Frauentrio präsentierte vor rund 50 Besuchern eine große Bandbreite seines Repertoires, das modernen Mainstreamjazz, groovige Titel und brasilianische Musik enthält.
Angela Frontera kommt aus Brasilien, was bei ihrem temperamentvollen Spiel von Schlagzeug und Percussion sowie Gesang nicht zu überhören war. Auch Lindy Huppertsberg aus Deutschland gewann mit ihrer markanten Stimme schnell die Herzen der Besucher. Zudem überzeugte Huppertsberg am Kontrabass.
Yelena Jurayeva aus Kasachstan erwies sich als souveräne Pianistin, der technische Raffinessen keine Mühe bereiteten. Für ihre Eigenkompositionen und die Bearbeitung des Monats Oktober aus Tschaikowskys „Jahreszeiten-Zyklus“ erhielt sie reichlich Applaus vom Publikum. Unterstützt wurden die drei Powerfrauen aus drei Nationen von Zélia Fronseca, die ebenfalls aus Brasilien stammt. Sie brillierte nicht nur als Gitarristin, sondern auch mit ihrer Stimme.


 

Beeindruckend: Dörthe Stelljes (19) spielt auf dem Euphonium. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 28.04.2008

Vorspiel beeindruckt Publikum

Musikschüler spielen bei Klassikmatinee

HEMMINGEN. Sieben junge Mehrfach-Preisträger des Wettbewerbs Jugend musiziert haben gestern rund 90 Zuschauer ins Kulturzentrum bauhof gelockt. Die Musiker – sechs von ihnen Schüler der Musikschule Hemmingen – traten im Rahmen einer kostenlosen Klassikmatinee auf, zu der der Rotary-Club Calenberg-Pattensen eingeladen hatte.
Die 13- bis 19-Jährigen boten ein anspruchsvolles Programm: Sie präsentierten dem sichtlich beeindruckten Publikum auf Klavier, Euphonium, Querflöte und Violoncello Werke von Chopin, Fauré, Haydn und Schubert. Besonders viel Applaus erhielt die 13-jährige Verena Spies aus Pattensen, die auf ihrem Violoncello mit Klavierbegleiter Gerd-Harald Knauf Auszüge eines Konzerts des russischen Komponisten Dimitri Kabalewski spielte.
Sogar einen leisen „Bravo“-Ruf erhielt die 19-jährige Elisa Zimmermann für Joseph Haydns Klaviersonate in h-Moll. Viel Beifall, Lob und ein kleiner Obolus als Gage aus der Hand von Rotary-Clubchef Karl-Heinz Edrich war am Ende ihr Lohn. zo


 

Regionspräsident Hauke Jagau (links) übernimmt die Plattenteller von Diskjockey SK. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 14.04.2008

bauhof-Besucher tanzen und singen ausgelassen

Zweite Vinylparty im Kulturzentrum trifft den Nerv des Publikums

HEMMINGEN. „Jagau mischt den bauhof auf!“– Mit diesem Ausruf hat ein Besucher die Publikumsmeinung zur zweiten Vinylparty im Kulturzentrum bauhof auf den Punkt gebracht. Gut 70 Schallplattenfreunde waren am vergangenen Freitagabend erschienen, um die Musikhelden der sechziger bis achtziger Jahre zu feiern. Hemmingens Bürgermeister Claus Schacht und Regionspräsident Hauke Jagau brachten ihre eigenen Plattensammlungen mit und erfüllten zahlreiche Musikwünsche.
Während Schacht die Besucher mit Liedern der Neuen Deutschen Welle, Schlagern und Ohrwürmern wie „Daddy cool“ mühelos von ihren Plätzen lockte und für seine Musikwahl viel Lob erntete, vollbrachte der erst nach 22.30 Uhr eingetroffene Jagau vor nur noch der Hälfte des Publikums ein echtes Husarenstück: Mit Liedern wie „The Blockbuster“ und „Loop di Love“ holte er die Tänzer zurück auf die Fläche. Spätestens ab Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“ sangen sie auch die Texte lauthals mit. zo


 

Gitarrenmusik mit Stil und Gefühl: Das Duo Twelve Strings mit Matthias Wiesenhütter (links) und Thomas Glatzer im Hemminger bauhof. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 07.04.2008

Präzision auf zwölf Saiten

Hemmingen-Westerfeld. Es war ein Genuss für die Ohren, angerichtet vom Duo Twelve Strings. Die Gitarristen Thomas Glatzer und Matthias Wiesenhütter boten am Freitagabend den rund 50 Gästen im Hemminger bauhof ein anspruchsvolles und brillantes Konzert. Sie zeigten einen Querschnitt durch die Gitarrenmusik – rasant gespielt. In „Andalusia“ erklangen spanische Elemente und „Bachsches Fugenzeug“, wie Thomas Glatzer salopp formulierte. Mit Berliner Humor würzten sie ihre Moderation. Den schnellen Titel Hot Dance kündigte Wiesenhütter mit den Worten an: „Jetzt wird es ein bisschen sportlicher“. Piano oder forte, sanft oder kraftvoll – mühelos variierten Twelve Strings Tempo und Charakter ihrer Kompositionen. Bei „Klang des Herbstes“ spannten sie den Bogen vom Nieselregen bis zum Herbststurm. Twelve Strings begeisterte die Zuhörer mit Präzision und gelungenem Stilmix. shw


 

Experiment Jazz meets NDW: Beatrice Kahl (links) und Gaby Schenke beeindrucken im Hemminger Kulturzentrum bauhof mit zu Bar-Jazz-Stücken umarrangierten NDW-Hymnen.

HAZ Leine Nachrichten 04.03.2008

Jazzfans erkunden die Welt der NDW

Take 2 serviert im bauhof spannende Arrangements von deutschen Achtziger-Hymnen

VON PETRA ZOTTL
HEMMINGEN.
Jazz meets Neue Deutsche Welle (NDW): Ein ungewöhnliches Musikprojekt haben am Wochenende rund 80 Besucher des Kulturzentrums bauhof erlebt. Zu Gast war die Combo Take 2, die sich bislang vor allem mit klassischem Jazzstandards und Latin Jazz einen Namen gemacht hatte. Doch Pianistin Beatrice Kahl und Saxofonistin und Sängerin Gaby Schenke hatten andere Pläne: Zwar kündigten die beiden Musikerinnen Klassiker an – aber die der Neuen Deutschen Welle. Diese Bewegung hatte bereits in den Achtziger Jahren mit schrillen deutschen Popliedern die Meinungen gespalten.
Wer von den bauhof-Besuchern Arges fürchtete, erlebte jedoch eine Überraschung: Angenehm zurückhaltend, aber deutlich erkennbar blitzten die Refrains von „99 Luftballons“, „König von Deutschland“ und „Nur geträumt“ durch perfekt neu arrangierte Stücke. Wer es eingangs für unmöglich hielt, dass aus einem schrillen Lied wie Ideals „Blaue Augen“ eine soulige Midtempo-Barjazzvariation werden könnte, wurde von Kahl, Schenke und ihren Gastmusikern Frank Fiedler und Kristof Hinz eines Besseren belehrt. „Das kenn ich, ich komm grad nicht drauf“, mögen zahlreiche Besucher gedacht haben, als Schenkes Saxofon die unverkennbare Melodie von „Der Goldene Reiter“ von Joachim Witt spielte. Schenke und Kahl genossen das heitere Melodienraten sichtlich und konnten ihr Publikum mehrheitlich für das Experiment „NDW-Jazz“ erwärmen. Ihr Lohn: Viel Applaus und sogar Johlen.


 

Gefühlvoll: Sänger Michael Fanger, Violinistin Katharina Pfänder und Bassist Peter Löhner. Hartung

HAZ Leine Nachrichten 25.02.2008

Das Publikum seufzt leise und zufrieden

Kultur 2: Das Tango-Orchester Faux Pas weckt beim Konzert im bauhof viele Emotionen

Von mellanie hartung
Hemmingen.
„Tango ist ein kleines Wort für etwas, das viele Gesichter hat. Es ist ein Tanz der Hingabe, der gleichzeitig Kontrolle ausdrückt – Tango ist ein Genuss“, sagte Akkordeonspielerin Marlène Clément zu Beginn des Konzerts des Tango-Orchesters Faux Pas. Das bewiesen die sechs Ensemblemitglieder am Freitagabend im Hemminger Kulturzentrum bauhof. Mit ihren Interpretationen drückten sie Lebensfreude und Liebe, aber auch Verzweiflung und Wut auf der Bühne aus.
Aufmerksam lauschten die rund 50 Gäste, als Sänger Michael Fanger Stücke des Tangosängers und -komponisten Carlos Gardel vortrug. Zum Repertoire der Musiker, die 1997 als Studentenprojekt der Universität Hildesheim begonnen hatten, zählen aber auch Kompositionen des Argentiniers Astor Piazzolla.
Das Orchester beherrscht moderne Stücke und den traditionellen Tango perfekt. Sanfte Klänge der Gitarre, klagende Laute des Akkordeons, kratzende und dann zarte Töne der Violine, gefolgt vom raschen Tempowechseln der weiteren Instrumentalisten, rissen das Publikum mit. Es nahm teil an der Fülle von Emotionen, die im facettenreichen Programm des Orchesters steckte.
Leise und zufriedene Seufzer waren immer wieder aus dem Publikum zu hören, wenn die Musik verstummte. Es dauerte einige Sekunden, bis die faszinierten Zuhörer die Musiker mit kräftigem Applaus belohnten.


 

Im Jazzrausch: Lorenz Hargassner (links) und Roland Fidzius. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 18.02.2008

Quartett präsentiert Power-Jazz

Kultur 2: Hargassner reißt Zuschauer mit


HEMMINGEN. Mit einem fulminanten Auftritt hat das Lorenz Hargassner Quartet am Freitagabend im Kulturzentrum bauhof eine beeindruckende Kostprobe des Modern Jazz abgeliefert. Vor rund 40 Fans präsentierten Saxofonist Hargassner, Pianist Elmar Braß, Drummer Paul Kaiser und Bassist Roland Fidzius hauptsächlich Stücke von ihrer neuen CD „Diversityville“. Fidzius brachte den Jazz-Enthusiasmus der vier Musiker zu Beginn auf den Punkt: „Alles klar, lass uns anfangen!“
Und die Formation rund um Komponist und Bandleader Hargassner alias Lo.Ha legte richtig los: Mit dem furiosen „Mailbox“, einer Hommage ans Handy, zeigten die Musiker Professionalität und Spielfreude. Auch bei ruhigeren Werke wie „Lullaby for the passers-by“ oder „Sudoku“ war die Dynamik ihres Stils stets präsent.
Den Lohn für ihr beeindruckendes Spiel, das auch das bauhof-Publikum mit Johlen und Beifall quittierte, erhielt das Quartett bereits vor dem Auftritt: Für ihre Tournee, die sie noch nach Hamburg, Bremen und Berlin führen wird, erhalten sie Förderung von der Volkswagen-Sound-Foundation. zo


 

Eine Glanzrolle im bauhof: Christiane Hess als Ratte, die mit ihrem Tagebuch die Ereignisse um den Rattenfänger von Hameln erzählt. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 11.02.2008

Mimik zaubert Götter herbei

Christiane Hess lässt in ihrem Soloprogramm Sagen und Legenden aufleben

Der Theaterabend im bauhof am Freitag ist offenbar ganz nach dem Geschmack des Publikums gewesen. Auf diese Weise hatten die Zuhörer die Sagen und Legenden aus ihrer Region noch nie gehört und gesehen. Die Schauspielerin und Theaterpädagogin Christiane Hess vom Theater am Barg aus Neustadt überzeugte mit ihrem Solospiel „Hexen, Heiden, Heilige“.
Von Stephan Schwier
Hemmingen-Westerfeld.
Als altes Mütterchen kam Hess langsam durch die Stuhlreihen geschlurft. Auf der Bühne angelangt, brachte sie nur mit ihrer Körpersprache eine Zuschauerin dazu, ihr beim Ausziehen der Schuhe zu helfen.
In der Sage um die Ricklinger Teufelskuhle diente ihr ein Spazierstock als einziges Requisit. In ihren Händen wurde er zur Hexenfreundin, zum Glockenseil, zum Ackergerät, zum Paddel.
In der zweiten Geschichte entführte Hess das Publikum in das achte Jahrhundert, die Zeit der Kriege zwischen Heiden und Christen. Sie erzählte die eigentlich blutrünstige Geschichte um die sogenannte alte Taufe im Deister mit viel Humor. Mit Körperhaltung, Mimik und Sprache brachte sie vier heidnische Götter auf die Bühne.
Der Höhepunkt des Abends war aber die Sage um den Rattenfänger von Hameln. Eine lispelnde Ratte las als Zeitzeugin aus ihrem Tagebuch vor und ließ die dramatischen Geschehnisse des Jahres 1284 wieder lebendig werden. Mit Wortwitz und vielen Anspielungen brachte Hess das Publikum zum Lachen. Hess’ Stärken: eine präzise Sprache, kunstvoll gesetzte Pausen und eine eindrucksvolle Mimik.
„Sie hat eine Bühnenpräsenz ohne gleichen“, sagte Pastorin Heike Beckedorf aus Hemmingen. Die Reduzierung auf das Wesentliche beeindruckte die 60 Zuschauer länger als zwei Stunden. „Wir werden Hess im nächsten Jahr wieder im bauhof sehen“, sagte bauhof-Chef Klaus Gruppe.
Hess ist Leiterin, Texterin und einzige Schauspielerin des Theaters am Barg. Sie hat in Frankreich und England studiert und arbeitet als Theaterpädagogin im Theater in Hameln.


 

Tiefgründig heiter (von links): Imre Grimm sinniert über Schlafmasken, Uwe Janssen testet ihre Wirkung auf das Publikum im bauhof. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 04.02.2008

Leben ohne Ding löst die Befangenheit in Luft auf

HAZ-Kolumnisten Imre Grimm und Uwe Janssen erheitern ihr Publikum im ausverkauften Kulturzentrum bauhof

VON PETRA ZOTTL
HEMMINGEN.
Wenn ein Journalist über Journalisten schreiben soll, macht sich Befangenheit breit. Denkt man doch spontan an das Sprichwort „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“. Soll ein Jungjournalist über die Lesung gleich zweier gestandener Redakteure desselben Verlagshauses berichten, steigert sich das Unbehagen in Beklemmung.
Was tun, sollten die Autoren der HAZ-Kolumnen „Das Ding“ und „Leben ohne …“ bei ihrem Auftritts im Hemminger Kulturzentrum bauhof auch an Beklemmung leiden? Wie berichten, falls sie ihre spritzigen Texte mit nervös belegter Stimme vor unbeeindrucktem Publikum zu Gehör bringen? Das Heil im haltlosen Lob suchen? Oder sich auf die journalistische Urtugend, die Objektivität – neuhochschuldeutsch Intersubjektivität –, berufen und hart zu Gericht gehen?
Ein Dilemma, das Imre Grimm und Uwe Janssen am Freitagabend bereits in der ersten Minute von „Leben ohne Ding“ lösten. Im ausverkauften bauhof zeigten die Redakteure, dass sie nicht nur wortgewandt schreiben, sondern auch mitreißend vortragen.
Charmanten Tagesschausprechern gleich brachten sie ihr Publikum mit ihren Betrachtungen über roten Tee in Jugendherbergen oder die Rache einer unbeachteten Toastbrotscheibe zum Kichern und Klatschen. Mit „Sex-Specials“ über das Lecken im Allgemeinen und das Luderleben der Lüsterklemme im Besonderen trafen sie den Nerv der Zuschauer. Sowohl das Grimmsche Sinnieren über die wichtigsten Funktionen einer Schlafmaske – von Janssen subtil auf der Gitarre begleitet – als auch die drei Szenen eines Familienpicknicks stießen auf heitere Gegenliebe. Ob ein Melancholie-Special, Brotchips-Verurteilungen oder auch die Welt-Uraufführung des Duetts „Hemmingen & Westerfeld“, das Publikum klatschte und johlte – Letzteres ein höchst seltenes Phänomen bei einer Autorenlesung. Möchte man zumindest meinen. Keine Zeit für intersubjektive Beklemmung. Grimm und Janssen sind schreibende Entertainer.


 

Hans-Peter Körner präsentiert im voll besetzten bauhof Couplets des Komikers Otto Reutter. Hartung

HAZ Leine Nachrichten 28.01.2008

Otto Reutters Ratschläge gelten noch heute

Hemmingen. Heiter und nachdenklich, unterhaltsam und informativ hat Hans-Peter Körner am Sonnabend im Hemminger Veranstaltungszentrum bauhof an den Schauspieler und Salonhumoristen Otto Reutter erinnert. Mit großem Erfolg präsentierte er den Besuchern eine erlesene Auswahl von bekannten und bislang unbekannten Couplets seines berühmten Vorgängers.
„Der Überzieher“ gehörte ebenso zum Programm wie der Gassenhauer „In 50 Jahren ist alles vorbei“. Zudem gelang es Körner, den Menschen hinter dem Entertainer Otto Reutter zu zeigen und auf dessen Leben einzugehen.
Mit den vieldeutigen Satireliedern des Berlinger Humoristen sang und spielte sich Körner in die Herzen der Zuschauer. Zur Höchstform lief er bei „Nehm’ se ’n Alten“ auf. Nach diesem Reutter-Couplet hat er sein Programm benannt. Der freischaffende Künstler mit schwarzer Melone, Frack und Fliege trug gekonnt und voller Charme die komische Nummer vor. „Die Statistik zeigt’s dem Kenner, es gibt mehr Frauen als wie Männer. Darum rat ich allen Frau’n, sich beizeiten umzuschau’n.“
Einen kleinen Seitenhieb auf eine weibliche Schwäche konnte sich der Künstler nicht verkneifen: „Die Weiber bleiben ewig jung. Das ist ’ne alte G’schicht. Sie feiern oft Geburtstag, aber älter werd ’n sie nicht“. mll


 

Schnelle Zunge und stechende Pointen: Matthias Brodowy mit seinem Soloprogramm über Allergien im Hemminger bauhof. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 21.01.2008

Bissiges über die Latex-Rätin

Kultur 1: Matthias Brodowy überzeugt sein Publikum im ausverkauften bauhof

Mit seinem sechsten Solo-Programm „Allergie – irgendeine hat jeder“ ist der Kabarettist Matthias Brodowy im ausverkauften bauhof aufgetreten. Ihm gelang dabei ein fulminanter Erfolg.
Von Stephan Schwier
Hemmingen.
Beißender Spott, stechende Pointen und satirische Lieder – damit glänzte der Kabarettist Matthias Brodowy am Freitagabend im Kulturzentrum. Der Saal war ausverkauft. „Wir hätten 300 Karten verkaufen können“, sagte bauhof-Chef Klaus Grupe zufrieden. Mit seinem Soloprogramm entführte Brodowy die begeisterten Zuhörer in die Welt der Allergien, Ängste und Alltagsprobleme.
Brodowy bekannte sich zu einer Gesichts-Allergie. „Wenn ich bestimmte Gesichter sehe, kriege ich so einen Hals“, sagte er und spottet über Merkel und Lafontaine, Koch, Thierse und Co.: „Ich sehe die Nales – und zack, kriege ich Pickel.“ Aber nicht nur die Politiker der Republik und der Welt bekamen ihr Fett weg. „Ihr Lebensraum ist auf der linken und mittleren Fahrspur der Autobahn“, sagte Brodowy über Trödelaffen im Straßenverkehr.
Am Klavier spielte der Kabarettist mit schwarzen Latexhandschuhen. Der Arzt habe bei ihm eine Schwarze-Tasten-Kontakt-Allergie festgestellt. Das Publikum genoss den halb musikalischen, halb gesprochenen Bericht über Alpträume von der schönen Landrätin Gabriele Pauli und Moderatorin Eva Hermann, untermalt mit Klaviermelodien.
Unwahrscheinlich schnell spricht Matthias Brodowy in seinem Programm. Und doch versteht er es, das Publikum mitzunehmen. Schon seit 1997 steht er als Solist auf der Kabarettbühne. Er trat auch mit dem legendären Hans Dieter Hüsch auf. „Ich verfüge über eine klassische Kabarettistenausbildung: Messdiener, Organist, Theologiestudent“, witzelt er über sich selbst. Der bekennende Katholik ist seit 2007 Mitglied im Diözesanrat des Bistum Hildesheim.
Den Abschluss des fulminanten Abends bildete Brodowys leicht melancholisches Lied über seine Wahlheimat Hannover. „Ich bin Hannoveraner mit Migrationshintergrund“, sagte der gebürtige Braunschweiger unter dem stürmischen Applaus des Publikums. Am 13. September ist er wieder im bauhof zu erleben.


 

Sorgt für Unterhaltung beim Frühschoppen im Hemminger Bauhof: Die Old Virginni Jazz Band. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 03.12.2007

Hemminger bauhof zieht positive Saisonbilanz

Zusammenarbeit mit Sponsoren soll weiterhin Qualität der Veranstaltungen sichern

Von Stephan Schwier
Hemmingen.
Das Kulturzentrum bauhof hat sich am Sonntag mit einem Jazzfrühschoppen in die kurze Winterpause verabschiedet. Zu Gast war die in Hemmingen bekannte Old Virginny Jazz Band. Klaus Grupe, Vorsitzender des Vereins, zeigte sich sehr zufrieden mit der Saison. „Die Besucherzahlen stimmten“, sagte er. Inzwischen komme das Publikum auch aus anderen Städten. Als Partner des Kultursommers der Region Hannover und der Norwegischen Musiktage habe sich der bauhof weiter in der Kulturszene etabliert. Das Programm und die Atmosphäre seien unverwechselbar, sagte Grupe.
Um weiterhin Qualität nach Hemmingen zu holen, will der Verein mehr mit Sponsoren zusammenarbeiten. In diesem Jahr unterstützte die Sparkasse Hannover den bauhof mit 4000 Euro. Noch wichtiger als die Summe sei die Förderung der Kultur, sagte Jörg Wienhöft als Vertreter der Sparkasse.
Etwa 40 Veranstaltungen haben die 120 Mitglieder des Vereins in diesem Jahr organisiert. Das sei viel ehrenamtliche Arbeit, sagte Grupe. Am 19. Januar 2008 beginnt die neue Saison mit einem Abend mit Matthias Brodowy.


 

Jael Jones, Andreas Edelmann (Bass) und Dennis Frehse (Schlagzeug) spielen Jazz und Soul. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 19.11.2007 

Jael Jones lockt die Jazzfans in den bauhof

Hannoversche Soulsängerin sorgt für ein ausverkauftes Haus


Der Hemminger bauhof ist ausverkauft gewesen: Rund 120 Menschen wollten am Sonnabend Jael Jones hören und sehen. Einige Jazzfans nahmen auch Stehplätze in Kauf. Und es lohnte sich: Jael Jones begeisterte das Publikum.
Von Stephan Schwier
Hemmingen.
Zu Beginn stellte sich die Begleitband mit einer Swingnummer selbst vor: Christoph Munch am Klavier, Andreas Edelmann am Bass und Dennis Frehse am Schlagzeug. Die drei sind den bauhof-Fans schon aus anderen Formationen und Konzerten bekannt. Und dann kam Jael Jones auf die Bühne. Mit ihrer dunklen und modulationsfähigen Stimme gewann sie schnell die Herzen des Publikums. Bei den Soli der Musiker legte sie den Kopf in den Nacken und genoss mit geschlossenen Augen die Musik. In der linken Hand hielt sie das Mikrofon. Mit der rechten dirigierte sie die Band.
Groovige Titel mit starken Akzenten und sanfte Balladen – das Quartett zeigte eine große Bandbreite der Jazz- und Soulmusik. Eine Samba begann mit einem grandiosen Basssolo von Andreas Edelmann. Dennis Frehse gab mit seinen Schlagzeugstöcken und Jazzbesen den Titeln den passenden Rhythmus.
Die Sängerin Jael Jones kommt aus Hannover und hat bereits mit vielen namhaften Musikern gearbeitet, unter anderem mit Randy Crawford.
Für einen ihrer Begleiter war es ein Heimspiel: Dennis Frehse stammt aus Hemmingen. Nach dem Studium in den USA zog es ihn aber nach Düsseldorf. Dort sei er näher an der unglaublich reichhaltigen Jazzszene in Nordrhein-Westfalen und Luxemburg, sagte er.


 

Der Künstler Norbert Labenz liest im bauhof. Walter

HAZ Leine Nachrichten 13.11.2007

Viel Ungeniertes aus dem Liebesleben

Eine Teestunde mit Witz: Norbert Labenz liest im bauhof – Karl-Heinz Edrich spielt Klavier


Von Nadine Walter
Hemmingen.
Ungeniert, ohne die Miene zu verziehen, hat Norbert Labenz am Sonntagnachmittag im bauhof schlüpfrige Worte in den Mund genommen und sie den Zuhörern entgegengeschleudert. Dem Publikum gefiel, was der Künstler über Möpse und Menschen zu sagen hatte. „Er ist ein solcher Filou“, sagte ein Gast.
Labenz machte keinen Unterschied zwischen Menschen und Tieren. Wenn es um eine gute Pointe ging, warf er alle in einen Topf. Mit wortreichem Witz erzählte er bei Tee und Kaffee am Sonntagnachmittag vom Liebesleben eines Hahns, ging ohne Umschweife über zu verzweifelten Ehefrauen und dachte dabei sogar noch an die Umwelt. Er riet der geplagten Frau: „Beim nächsten Mal dem Emissionsschutz zuliebe nicht gleich das ganze Haus samt Mann anzünden, sondern besser ein Messer zur Hand nehmen ...“
So gewandt, wie Labenz mit den Worten spielte, griff Karl-Heinz Edrich in die Tasten des Klaviers. Er ließ sich von den Gedichten inspirieren und improvisierte. „Ich brauche kein Notenblatt“, sagte er, „weil ich überhaupt keine Noten lesen kann.“ Als Labenz über den Bi-Ba-Butzemann reimte, spielte Edrich das Kinderlied dazu. Ein Handyklingeln störte den Auftritt – für Edrich kein Ärgernis: Er klimperte drauflos und spielte die Melodie nach. Auf eine Zugabe ließ sich das Duo trotz großem Applaus nicht ein. „Man kann sich an Torten genau wie an Worten überfressen“, sagte Labenz und ging von der Bühne.


 

Als skurriler Bräutigam Helfried doziert Komiker Christian Hölbling über die Vorteile von Liebstöckel als Tischdekoration. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 15.10.2007

Bräutigam badet in Lachsalven

bauhof: Publikum feiert Hölbling


Hemmingen. Helfried reizt zu Lachtränen: Der österreichische Komiker Christian Hölbling hat bei seinem Auftritt im Kulturzentrum bauhof für ungebremste Heiterkeit gesorgt. Bereits in den ersten Minuten seines Programms „Helfried heiratet!“ hatte Hölbling als heiratswilliger Ziehsohn einer vermögenden Tante sein Publikum gewonnen.
Mit breitem österreichischen Dialekt, bravem Seitenscheitel und Konfirmandenanzug verbreitete er in dem fast ausverkauften bauhof seine Ansichten. „Fehlerloses Heiraten ist ein Garant für ein lebenslanges Eheleben. Weil so viele Männer schlampig geheiratet haben, müssen sie es immer wieder tun“, sagte er. In vier Lektionen – „standesamtliche und kirchliche Trauung, geselliges Beisammensein im Gasthaus Post und Hochzeitsnacht“ – probte er in Abwesenheit seiner Zukünftigen die Eheschließung und bezog sein Publikum mit ein. Und das kam an: Ob er sie nun zu Standesbeamten oder zu Bauleitern bei der Umgestaltung des Kulturzentrums zum Trauzimmer ernannte, ob er das in einer Kleiderkammer erstandene Brautkleid präsentierte oder über die praktischen Seiten von Liebstöckelgebinden als Tischdekoration dozierte, sein Publikum griff die Schrulligkeiten lachend auf. Am Ende der zweistündigen Schau belohnten sie den Komiker mit großem Beifall. zo


 

Verspielt: Martin Guth (links) und Dietrich Faber unterhalten die Zuschauer mit einem streikenden Kasperle- Ensemble. Hartung

HAZ Leine Nachrichten 08.10.2007

Junge Väter sinnieren über ihre Leiden

Das Duo Faberhaft Guth brilliert im bauhof und bietet ein rasantes Kabarett-Programm

Von Mellanie Hartung
Hemmingen.
Zu einem Elternabend der besonderen Art hatte das Kabarettisten-Duo Faberhaft Guth für Freitagabend eingeladen. Unter dem Titel „Papanoia – die Leiden der jungen Väter“ schilderten Dietrich Faber und Martin Guth im Kulturzentrum bauhof ihr aufgewühltes Leben als Väter. Die Zuschauer waren von dem ungleichen Duo im Nadelstreifenanzug amüsiert und belohnten es mit kräftigem Applaus.
„Wir haben heute Abend ein Problem“, teilte Guth zu Beginn des Programms den Besuchern mit. „Mein Kollege musste seinen Sohn Hilmar mitbringen, wobei der Name nicht das Problem ist.“ Fabers Lebensgefährtin Re-Inka befinde sich derzeit bei einer Mondscheinsitzmeditation in Fränkisch Tibet. Zudem hatte der Babysitter abgesagt, „weil sie Berufliches nicht von Privatem trennen konnte“. Daher sah sich Faber gezwungen, seinen fiktiven fünfjährigen Sprössling mit nach Hemmingen zu bringen und ihn zwei Stunden lang in der Garderobe warten zu lassen. Immer wieder schaute er hinter der Bühne nach dem Rechten.
Guth kann so etwas nicht passieren – er ist das komplette Gegenteil seines Partners. Bei ihm ist alles durchorganisiert. Er hat bei den Schwiegereltern auf dem Dach eine Doppelhaushälfte gebaut – „so ein Doppelstockhaus“, klärte sein Kollege die Zuhörer im bauhof auf. Und während Guth sich die Ultraschallbilder seiner schwangeren Frau auf sein Handy schicken ließ, berichtete Faber von seiner Magenspiegelung mit einem Mobiltelefon. Unangenehm sei der Vorgang nicht, „außer es klingelt und man hat den Vibrationsalarm an“. Im nächsten Atemzug mokierte er sich über die Namen, die die neugeborenen Zwillinge seines Comedian-Partners erhalten sollen. Jungen sollen es werden und klangvoll Justin-Jürgen und Kevin-Karlheinz heißen. Blitzschnell wechselte die Szene, eine folgte rasant der anderen. Dabei erlebten die Zuschauer nicht nur ein Kasperle-Ensemble, das in den Streik tritt, sondern lernten auch die umstrittene Neusprechreform kennen, in der Begriffe wie „Urinstinkt” ganz anders klingen.


 

Furchterregend, raubeinig und umwerfend: Barbara Kuster. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 01.10.2007

Kuster rüpelt sich in Herzen des Publikums

Potsdamer Kabarettistin singt scharf zurück


Der Name ist Programm: Mit ihrer Schau „Ich singe zurück! Vorsicht, volle Breitseite“, hat sich die Potsdamer Kabarettistin Barbara Kuster am Freitag in die Herzen des bauhof-Publikums gerüpelt.
VON PETRA ZOTTL
HEMMINGEN.
Furchterregend wie Mortisha Addams, ruppig wie ein Feldwebel und politisch unkorrekt – anfangs schien Kuster die 60 Zuschauer regelrecht zu erschrecken. Mit fast scheuem Gesichtsausdruck blickten einige zu der Potsdamer Blondine auf, die vor nichts und niemandem Halt machte: Ob sie mit Wladimir Putin durch ihren Gasherd sprach, Spottgedichte über friedhofsliebende Gruftis präsentierte oder über die Langschläfereigenschaften von Klimaschutzaktivisten sinnierte – ihr Humor war rasierklingenscharf. Dennoch schien sie ihr Publikum anfangs nur phasenweise hinzureißen. Das Eis schien selbst zur Pause noch nicht gebrochen.
Das änderte sich im zweiten Teil schlagartig: Mit ihrer Ode an die Kanzlerin Angela Merkel, „aufgewachsen wie eine stärkehaltige Kartoffelknolle“, eroberte sie das Publikum im Sturm. Johlend quittierten die Zuschauer Kusters Version von Tina Turners „Nutbush City Limits“, die sie als neuzeitliche Marylin Monroe den deutschen Truppen in Afghanistan darbrachte. Mehrere Zugaben waren nötig, inklusive eines von der Rockband Rammstein inspirierten Liedes über die Parkplatzsuche, bis das Publikum sie entließ.


 

Das Trio Sturm und Drang spielt handgemachte Musik (von links): Svein Haugen, Ragnar Heyerdahl und Eilif Moe. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 24.09.2007

Musiker lassen ihre Finger virtuos über die Saiten tanzen

Das Musikertrio Sturm und Drang aus Norwegen spielt im Bauhof


Von Stephan Schwier
Hemmingen.
Zum Auftakt der Norwegischen Kulturtage in der Region Hannover spielte das Trio Sturm und Drang am Sonnabend im Bauhof. Die drei Musiker zelebrierten Musik von Hand gemacht – ohne Mikrofon, Verstärker, Notenständer und ohne Stühle. Frei auf der Bühne stehend spielten die Drei aus Oslo Geige, Gitarre und Kontrabass.
Zu norwegischen Tanzliedern, Polkas und Walzern tanzten die Musiker auf der Bühne. Am ausgelassensten bewegte sich Geiger Ragnar Heyerdahl. Gitarrist Eilif Moe stand ihm nur wenig nach. Auch Svein Haugen hätte gern mitgetanzt, aber sein Kontrabass war leider zu groß.
Star des Abends war Ragnar Heyerdahl. Mal entlockte er seiner Geige zarte und kaum hörbare Töne, dann wechselte er unvermittelt in kräftige Tanzmusik und Jazzklänge. Virtuos ließ er Bogen und Finger über die Saiten fliegen.
Im zweiten Teil des Abends griff er auch zur Hardanger Geige, einem traditionell solistisch gespielten Instrument aus Norwegen mit zusätzlichen Resonanzsaiten. „Dadurch wird der Ton voller“, erklärte Heyerdahl, der ein Großneffe des Entdeckers Thor Heyerdahl ist.
Svein Haugen und Eilif Moe lieferten eine meisterhafte Begleitung. Haugen strich und zupfte die Saiten und brachte so den vollen Tonumfang des Basses zur Geltung. Moe ließ seine rechte Hand rasend schnell über die Gitarrensaiten tanzen.
Das Trio bot eine fantastische Mischung aus norwegischer Musik, Tango, Klezmer, schwedischen und finnischen Kompositionen sowie Eigenarrangements. Die fast 60 Zuhörer saßen an kleinen Tischen und ließen sich entspannt durch den Abend treiben. Der Applaus für Sturm und Drang war groß. „Wir spielen gern in Deutschland, hier gibt es ein großes Musikinteresse“, sagte Heyerdahl.


 

Krimizeit im Hemminger Bauhof: Autor Paul Grote liest aus seinem Roman „Verschwörung beim Heurigen“. Nowak

HAZ Leine Nachrichten 17.09.2007

Ein guter Tropfen macht die Mordgeschichte rund

Der Berliner Autor Paul Grote verbindet seine Krimilesung im Kulturzentrum Bauhof mit einer Weinprobe

VON ANDRÉ NOWAK
HEMMINGEN.
Wein-Krimi und Weinprobe im Hemminger Bauhof: Diese ungewöhnliche Kombination haben rund 60 Besucher am Sonnabend bei der Autorenlesung des in Celle geborenen Paul Grote erlebt. Bei Kerzenschein entführt der in Berlin lebende Schriftsteller die Gäste mit seinem neuen Kriminalroman „Verschwörung beim Heurigen“ in das Weinbaugebiet am Neusiedler See. Grotes außergewöhnliche Mischung aus Autorenlesung und Weinprobe zog sein Publikum schnell in den Bann. Während der spannenden Krimiunterhaltung konnten die Besucher acht Weine aus dem Burgenland genießen – der Region, in der die Geschichte spielt. „Die Kombination von Lesung und Weinprobe mache ich schon seit meinem ersten Buch“, sagte Paul Grote. „Ich finde, das ist einfach eine schöne Sache.“ Wie alle seine Bücher spielt auch sein neustes Werk in einem europäischen Weinanbaugebiet. Die Geschichten handeln stets von Mordfällen im Umfeld der Weinbranche. „Wein ist ein Wirtschaftsfaktor. Wo die Wirtschaft ist, ist auch Geld. Und wo Geld ist, ist das Verbrechen“, sagte der Autor zu seinem gewählten Themenbereich. Grotes bereits vierter Wein-Krimi zeichnet sich wie schon die Vorgänger durch den Verzicht auf Polizeibeamte in der Hauptrolle aus. „Ich mag die klassischen Polizeikrimis einfach nicht. Meine Bücher handeln von ganz normalen Menschen, die plötzlich einen Fall lösen müssen“, sagte der Autor. „Natürlich verändern sich die Charaktere durch diese Aufgabe.“ Das Publikum im Bauhof war von „Verschwörung beim Heurigen“ fasziniert und lauschte dem Autor gebannt. Auch in Zukunft können die Leser sich auf Wein-Krimis von Paul Grote freuen: „Schließlich haben wir noch viele schöne Weingebiet in Europa“, sagte der Schriftsteller.


 

Brasilianische Stimmung mit Água de Coco (von links): Thomas Walter Maria, Jörg Ritter, Caroline Krohn und Silvio Schneider. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 10.09.2007

Brasilianische Musik vertreibt die Herbststimmung

Água de Coco verzaubert Zuhörer im Bauhof

VON STEPHAN SCHWIER
HEMMINGEN.
Draußen herrschte trübe Herbststimmung mit Nieselregen, im Bauhof zauberten vier Musiker Sommer, Sonne und heiße Rhythmen auf die Bühne. Am Sonnabend spielte das Quartett Água de Coco im Kulturzentrum Bauhof. Bei Samba, Rumba und Bossa Nova träumte so mancher der 50 Zuhörer von einem Urlaub unter Kokospalmen an den Sandstränden Brasiliens.
Água de Coco verstand es, vom ersten Moment an den besonderen Mix der brasilianischen Musik zu zelebrieren: Portugiesische und afrikanische Einflüsse waren genauso zu erkennen wie der Jazz Nordamerikas. Silvio Schneider an der Gitarre ließ seine Finger und Hände über die Saiten fliegen. Meisterhaft gab er dem Quartett die rhythmische Grundlage. Percussionist Jörg Ritter hatte ein Arsenal von Trommeln, Becken und Effektinstrumenten um sich aufgebaut. Sogar eine Vasentrommel war dabei: Ein Instrument mit zwei Öffnungen, wie eine Vase geformt, das Ritter mit den Händen spielte.
Flötist und Saxofonist Thomas Walter Maria nutzte oft die ausdrucksvollen tiefen Oktaven der Flöte und der Altflöte. Mit Sopranund Tenorsaxofon harmonierte er bestens mit Sängerin Caroline Krohn, die alle Titel auf Portugiesisch sang. Ohne große Gesten ließ sie ihre ausdrucksvolle Stimme wirken. Besonders beeindruckend war der melancholische Klassiker „Corcovado“.
„Brasilien ist viel belebter als Deutschland, ein anderes Lebensgefühl“, sagte Maria, der schon mehrmals dort war und eine eigene Komposition im brasilianischen Stil mitgebracht hatte. Água de Coco kamen beim Publikum gut an. Mit lautem Applaus forderten die Zuhörer zwei Zugaben.


 

Analyse: bauhof-Chef Klaus Grupe prüft, was die Trockengeräte bisher geleistet haben. Das ausgetretene Wasser hatte sich unter dem Parkettboden ausgebreitet und diesen schließlich hochgedrückt. Zottl

HAZ Leine Nachrichten 18.08.2007

Wasser zerstört das Parkett im bauhof

Trockengeräte arbeiten Tag und Nacht

Ein winziges Leck in einer Wasserleitung hat Teile des Auftrittsraumes im Kulturzentrum bauhof unter Wasser gesetzt. Jetzt arbeiten alle mit Hochdruck an der Renovierung.
VON PETRA ZOTTL
HEMMINGEN. Im Kulturzentrums an der Dorfstraße ist es laut: Vier große Baustellen-Trockengeräte und zwei überdimensionale Ventilatoren arbeiten seit zwei Wochen Tag und Nacht, um die Feuchtigkeit aus dem Raum zu schaffen. Und sie werden noch eine weitere Woche rattern, wie bauhof-Vereinschef Klaus Grupe befürchtet. „Man sieht anhand der Auffanggefäße der Trockner, dass noch reichlich Feuchtigkeit da ist“, sagt er.
Etwa 20 Quadratmeter des rustikal wirkenden Industrieparketts, so schätzt er, seien beim Wassereinbruch zerstört worden. Das entspricht etwa einem Fünftel der Raumfläche. Da das Leck hinter einer Heizkörperverkleidung aufgetreten war, blieb der Schaden zunächst unbemerkt. „Das Wasser ist unter dem Parkett entlanggelaufen, wir haben es erst gesehen, als es hochgedrückt wurde“, sagt Grupe. Auch zwei Wände des Raumes hatten sich etwa 30 Zentimeter hoch voll Wasser gesogen.
Die Vereinsmitglieder mussten schnell handeln: Die hohe Luftfeuchtigkeit gefährdete nicht nur den Konzertflügel des Kulturzentrums. Auch etwa 40 Bilder des Neopop-Künstlers Christian Junghanns hingen noch in dem Veranstaltungsraum. „Wäre ihnen etwas geschehen, wäre es richtig teuer geworden“, sagt Grupe. Der Künstler hat seine Werke unbeschädigt abholen können.
Großes Lob richtete Grupe an die Stadt als Eigentümerin des Gebäudes. „Sie hat schnell gehandelt, die marode Leitung wurde bis in den Keller erneuert.“ Die Verwaltung schätzt den Schaden auf etwa 4000 Euro, diese werden jedoch von einer Versicherung getragen.
Als Glück im Unglück bezeichnete Grupe die Tatsache, dass der Schaden mitten in der Sommerpause des Kulturzentrums aufgetreten ist. Bis die erste bauhof-Veranstaltung am 31. August beginnt, soll zumindest der Raum getrocknet sein.


 

Willi Hanne (links) und Andreas Edelmann im Bauhof. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 09.07.2007

Jazz-Trio lässt seine Musik im Bauhof sanft nachklingen

Anja Mohr beeindruckt mit Kompositionen

von Stephan Schwier
Hemmingen
. Das Anja-Mohr-Trio spielte am Freitagabend im Kulturzentrum Bauhof Jazz vom Feinsten. Rund 45 Zuhörer waren zum Konzert im Rahmen des Kultursommers der Region Hannover gekommen.
Sie erlebten abwechslungsreich arrangierte Jazzstandards und eigenwillige Kompositionen von Anja Mohr. Das Trio aus Hannover startete mit einem Song der Popband Red Hot Chili Peppers, arrangiert für Klavier, Kontrabass und Schlagzeug.
Beeindruckt war das Publikum von den neuen Eigenkompositionen der jungen Pianistin Anja Mohr. In einem Stück hatte sie den Klang von Pausengongs aus Schulen eingearbeitet. „Ich war auf fünf Schulen und wollte schon immer mal ein Best-Of-Pausengong machen“, sagte sie.
Ein Merkmal des Trios ist der sanfte, oft melancholische Schluss ihrer Stücke – die Musik klingt nach. Mit wenigen Blicken leitete Anja Mohr das Trio durch den Abend. Konzentriert glitten ihre Finger über die Tasten, mal kraftvoll, mal verspielt. Mit fliegenden Fingern zupfte und strich Andreas Edelmann seinen Kontrabass. Der warme Klang harmonierte bestens mit dem Klavier.
Am Schlagzeug zeigte Wille Hanne, was mit Becken, Trommeln und Effektinstrumenten möglich ist: Neben Jazzbesen und Trommelstöcken griff er zum Geigenbogen. Damit strich über die Becken und erzeugte Sphärenklänge. Eine dünne Mülltüte auf der kleinen Trommel, mit der rechten Hand darauf geschlagen, in der linken einen Handfeger: Das ergab einen gedämpften, raschelnden Ton. Die Zuhörer waren begeistert.


 

Clown Bulipp braucht keine Worte, um sich mitzuteilen: Immer schweigsam, aber mit perfekter Körper- beherrschung präsentiert er komödian- tische Szenen. Korthals

HAZ Leine Nachrichten 11.06.2007

Applaus für beredtes Schweigen

Clown Bulipp tritt im bauhof auf


von Corinna Korthals
Hemmingen. Leichtfüßig wie die Debütantinnen beim Wiener Opernball tänzelt Clown Bulipp im Dreivierteltakt zur Walzermelodie über die Bühne im Kulturzentrum bauhof. Elegante Armbewegungen und Ballettfiguren machen seine Darbietung perfekt. Doch dann verstummt die Musik – offenbar ist der Strom ausgefallen.
Entsetzen breitete sich im Gesicht von Tollpatsch Bulipp alias Philip Johnson aus Benthe aus. Nur gut, dass er am Sonnabend unter seinen Requisiten auf der Bühne einen Stromgenerator hatte.
Mit charmanten Gesten und einem umwerfenden Lächeln überzeugte er eine Zuschauerin aus der ersten Reihe, in ein Windrad aus Papier zu pusten, um Strom zu erzeugen. Die 70 Zuschauer jubelten und klatschten und konnten sich das Lachen nicht verkneifen. Pantomime braucht eben keine Worte.
Sichtlich erleichtert kehrte die Frau nach getaner Arbeit auf ihren Platz zurück. Und Bulipp setzte im Scheinwerferlicht seinen Tanz fort. Der frühere Balletttänzer der hannoverschen Staatsoper überzeugte das Publikum mit seiner Körpersprache von Beginn an. Ein böser Blick, verschränkte Arme, eine freundliche Geste oder ein Stirnrunzeln verrieten mehr über seine Gefühle als tausend Worte. Für sein beredtes Schweigen erntete er großen Applaus.


 

Spontane Entwürfe aus den vergangenen Wochen hängen im bauhof-Foyer: Christian Junghanns (36) malt in den nächsten fünf Wochen im Kulturzentrum Bilder vor den Augen des Publikums. Schwier

HAZ Leine Nachrichten 22.05.2007

bauhof wird zum Atelier

Christian Junghanns malt vor Besuchern

HEMMINGEN. Weiße Wände, eine leere Leinwand, unbenutzte Farben und Pinsel auf dem Tisch: 24 Besucher haben am Sonntag im Kulturzentrum bauhof einen ungewöhnlichen Auftakt einer Kunstausstellung mit dem Titel „Malmaschine“ erlebt.
Statt fertiger Bilder hatte der Künstler Christian Junghanns aus Hannover sein Atelier mitgebracht. In den nächsten fünf Wochen wird er im bauhof zeichnen und malen. „Ich hatte lange vor, eine Ausstellung zu machen, die mit Nichts anfängt“, sagt der Neopop-Künstler, den besonders Comics beeinflusst haben. Einen Einblick in seine Ideen zeigte er seinen Gäste im Foyer: Dort präsentierte er Entwürfe der vergangenen Wochen. Während seiner Zeit im bauhof können Interessierte Junghanns über die Schulter schauen. Geöffnet ist sein Atelier auf Zeit mittwochs sowie freitags bis sonntags jeweils von 12 bis 17 Uhr.
Während dieser Zeit können die Besucher selbst zum Pinsel greifen: Der Verein stellt Holzstühle zur Verfügung, die in Kunstwerke verwandelt werden können. Am Sonntag, 24. Juni, werden bei einer Finissage alle Junghanns-Werke an den Wänden hängen. shw


 

Sängerin Karen Baumgärtl und Pianist Oliver Gross präsentieren Liebeslieder aus fünf Jahrhunderten. Korthals

HAZ Leine-Nachrichten 14.05.2007

Duo spielt erotische Lieder von Mozart bis Monroe

Sängerin und Pianist gastieren im Kulturzentrum bauhof

von Corinna Korthals
Hemmingen-Westerfeld.
Ein Wagnis der besonderen Art ist das Duo Belladonna am Sonnabendabend im Kulturzentrum bauhof eingegangen: Liebeslieder aus fünf Jahrhunderten versprachen die Sängerin Karen Baumgärtl und ihr Pianist Oliver Gross den rund 50 Gästen – und sie hielten dieses Versprechen auch ein. Mit drei „schmutzigen und verruchten“ Liedern des englischen Barock-Komponisten Henry Purcell über Sex, Untreue und Lust stiegen sie in die Materie ein. Baumgärtl überzeugte vom ersten Ton an. Ihre klangvolle Stimme füllte auch ohne Mikrofon jeden Winkel des Raumes aus. Die Koloraturen arbeitete sie präzise und hingebungsvoll heraus. Die Zuhörer hingen förmlich an ihren Lippen, sodass es nach dem letzten Ton eines jeden Liedes noch sekundenlang ruhig blieb.
Das Duo bot einen Querschnitt der Liebeslieder der Musikepochen: ein Liebesgesang von Mozart, Georg Bizets Carmen mit der Arie „Die Liebe hat bunte Flügel“, zotige Stücke von Friedrich Hollaender sowie Marilyn Monroe mit „I Wanna Be Loved by You“. Pianist Oliver Gross spielte überzeugend am Klavier und half der gebürtigen Kanadierin aus der Patsche, wenn ihr Deutsch sie im Stich ließ. Die beiden erhielten großen Applaus.


 

Charme pur: Alix Dudel. Zottl

HAZ Leine-Nachrichten 07.05.2007

Kultur 1: Dudel lässt sich bejubeln

HEMMINGEN. Perfekte Jubeltour: Gleich zweimal hat die hannoversche Diseuse Alix Dudel am Wochenende das Kulturzentrum bauhof restlos gefüllt. Unter dem Motto „Alles passiert immer mir – Jubeltour 2007“ servierten die sichtlich gut gelaunte Sängerin und ihr Pianist Peter Müller am Freitag und Sonnabend eine gelungene Mischung aus Couplets und Gedichten, unter anderem von Friedhelm Kändler und Georg Kreisler.
Bereits beim Auftaktstück „Kinder, heute Abend, da such’ ich mir ’was aus“, faszinierte Dudel ihr Publikum: Äußerlich ganz Diva in schwarzer Samtrobe, tanzte sie mit lebenslustigem Mädchencharme über die Bühne und beschwor gleichzeitig mit ihrer dunklen Stimme Erinnerungen an Hildegard Knef, Zarah Leander und Marlene Dietrich herauf.
Und diese Gegensätze hielt die Hannoveranerin durch: Ob bei Knefs „Tage hängen wie Trauerweiden“, Friedhelm Kändlers „Die Raben“ oder Georg Kreislers „Geben Sie acht“ – Dudel bestach mit ihrem Facettenreichtum.
Mit samtweicher Stimme und einem strahlenden Lächeln trug sie zwischen den einzelnen Musikstücken Gedichte des Dada-Wortakrobaten Kändler vor – und zwar derart charmant, dass ihr Publikum selbst bei den morbidesten und abstrusesten Texten in Gekicher ausbrach. Am Ende belohnten sich Publikum und Künstlerin gegenseitig mit großem Applaus und drei Zugaben. zo


 

Jazzig: Sven Trümper (17) am Sopransaxofon. Zottl

HAZ Leine-Nachrichten 23.04.2007

60 Zuhörer lauschen Musiktalenten

HEMMINGEN. Von Mozart bis Kenny G. war alles dabei: Vier junge Musiker haben am Sonntagvormittag ihr Publikum im Kulturzentrum bauhof fasziniert.
Die 20 und 15 Jahre alten Pianisten Erik und Markus Stempel eröffneten die Klassikmatinee, zu der der bauhof-Verein und der Rotary-Club Calenberg-Pattensen eingeladen hatten, mit Stücken von Mozart, Chopin, Brahms und Debussy. Ungewohnte Töne präsentierte Simon Etzold am Marimbafon: Der 18-Jährige spielte auf dem afrikanischen Schlaginstrument unter anderem Klangcollagen von Jacob Raphael Druckmann und eine neu arrangierte Sonate von Bach.
Jazzig klang hingegen das erste Stück des 17-jährigen Sven Trümper: Er spielte auf dem Sopransaxofon das Stück „G-Bop“ von Kenny G., Markus Stempel begleitete ihn dabei am Klavier. Danach bewies Trümper, das auch er das Spiel am Marimbafon beherrscht: Er beeindruckte das gebannt lauschende Publikum mit einem Stück der amerikanischen Musikerin Alice Gomez. Die rund 60 Besucher dankten den kostenlos spielenden Musikern mit viel Applaus. zo


 

Brasilianische Musik im Leinetal (von rechts): Yorio da Costa Goncalvez, Willi Hanne, Oliver Gross und Lemm Kirtschig. Korthals

HAZ Leine-Nachrichten 16.04.2007

Brasilianische Musik für Liebhaber erklingt im bauhof

Gitarrist Yorio da Costa Goncalvez spielt mit Band im Kulturzentrum

von Corinna Korthals
Hemmingen.
Passend zum ersten richtigen Sommerwochenende in diesem Jahr servierte die Band um den Gitarristen Yorio da Costa Goncalvez am Samstagabend heiße, brasilianische Rhythmen im Kulturzentrum bauhof. Mehr als 30 Menschen nahmen erwartungsvoll Platz: Schließlich hatte das Programm nur Eigenkompositionen des bekannten Brasilianers angekündigt. Der 1950 in Rio de Janeiro geborene da Costa Goncalvez arbeitete nach seinem Studium als Studiomusiker in Lissabon, Madrid und London. In Deutschland begeisterte der Brasilianer sein Publikum unter anderem während der Weltausstellung im Jahr 2000 in Hannover.
Vom ersten Lied an bewies die Combo ihr Können – egal, ob die Musiker typische brasilianische Klänge wie traditionellen Samba, Bossa Nova, Brasil und Jazz spielten oder auch nicht so bekannte Folklorerichtungen wie Forro und Xote. Die Gitarre sowie die Percussion-Instrumente gaben den Rhythmus und die Dynamik vor, Flöte und Akkordeon fügten sich in den Klangteppich ein.
Doch der Funke wollte auf das Publikum nicht so recht überspringen. Woran lag es? Einige Instrumente waren für den spärlich besuchten Raum zu laut verstärkt. Und manche Eigenkompositionen klangen für das europäische Ohr wohl zu exotisch. Der Applaus war dennoch groß. Die Liebhaber unter den Gästen bedankten sich für einen Abend mit authentischer brasilianischer Musik.


 

Zuschauer Lutz Müller (links) assistiert Desimo. Korthals

HAZ Leine-Nachrichten 20.03.2007

Ein kleines Wunder aus der Hose

Hemmingen. Kleine Brötchen zu backen, ist nicht Desimos Ding: Schon zu Beginn seines Auftritts im ausverkauften Kulturzentrum bauhof am Sonnabend verspricht der Entertainer und Zauberer den 100 Gästen Lichteffekte wie in einer Show aus der Casinostadt Las Vegas. Zum Beweis schnippst er einmal mit seinen Fingern, und die Lichtorgel auf der Bühne leuchtet. Sein Programm „Lass es uns tun“ beginnt.
Zunächst stellt sich der gebürtige Hannoveraner mit seinem bürgerlichen Namen Detlef Simon vor, aus dem die Kurzform Desimo wurde. Seine Eltern wollten ihn eigentlich Andreas nennen, berichtet er. Zum Glück hätten sie das schnell verworfen, denn sonst hätte sein Künstlername Asimo gelautet.
Gekonnt widerlegt er das Klischee, dass Kartentricks ausgedient haben. In seiner Hosentasche veranstaltet er ein kleines Wunder: Dort vereint er die Enden eines Seils unbemerkt zu einem Kreis. Unter dem großen Staunen seiner Gäste zieht er dann die zuvor zerfledderte Zeitung unversehrt wieder heraus. Mit großem Applaus bedankt sich das Publikum für die eindrucksvollen Illusionen. cok


 

Volltönend und mitreißend: Martina Maschke von It’s M.E. Zottl

HAZ Leine-Nachrichten 13.03.2007

Trio lockt Gäste aus der Reserve

It’s M.E. spielt Blues im bauhof

HEMMINGEN. Mit einer satten Ladung Blues, Swing und jazzigem Soul sowie Rock ’n’ Roll hat die dreiköpfige Band It’s M.E. ihr Publikum im Kulturzentrum bauhof aus der Reserve gelockt. Sängerin Martina Maschke, Keyboarder Ecki Hüdepohl und Schlagzeuger Sven Petersen hatten es am Sonnabendabend anfangs ein wenig schwer, die 45 Zuhörer mitzureißen.
An ihren musikalischen Qualitäten lag dies allerdings nicht: Mit dem Lied „Route 66“ und samtig- volltönender Stimme servierte Maschke dem interessierten, aber noch recht artig wirkenden Publikum bereits zum Auftakt einen Evergreen. Angestachelt vom Rhythmus sowie von den freundlichen und humorvollen Moderationen Hüdepohls, der sein Publikum mit mildem Spott aufforderte, „zumindest angedeutete, simulierte Lebensfreude zu visualisieren“, begannen die Gäste, immer mutiger und lauter mitzuklatschen und zu schnipsen.
Wenig später unterstützten sie Maschke sogar mit lautstarken Yeah-Yeah-Yeah-Chören. Fazit: Nach kurzer Ladehemmung ein runder Abend für Band und Publikum. zo


 

Hans-Peter Körner therapiert die Gäste mit Lachen. cok

HAZ Leine-Nachrichten 05.03.2007

Pressnummer sorgt für viel Gelächter

Hemmingen. Mit hochrotem Kopf stand er auf der Bühne. Der Hut wippte auf seinem Kopf unruhig hin und her, der Schweiß rann über seine Schläfen. Kabarettist Hans-Peter Körner hatte seine Wangen prall mit Luft gefüllt und presste, presste, presste. „So fühlt es sich an, wenn man Verstopfung hat. Wenn man muss, aber nicht kann“, erläuterte er den 100 Zuschauern im Kulturzentrum anschaulich. Diese hielten sich vor Lachen schon längst den Bauch.
Der Künstler hat am Sonnabend mit seinem Programm „Lachen ist die beste Medizin“ diverse Krankheiten, Ärzte, wehleidige Menschen sowie alle möglichen Mittelchen aufs Korn genommen. Die passende Behandlungsmethode hatte er selbst jedoch dabei: Texte und Lieder des literarischen Kabaretts von Heinz Erhardt, Eugen Roth und Otto Reutter sollten eine therapeutische Wirkung beim Publikum erzielen.
Musikalisch unterstützt wurde er vom Pianisten Martin Stephan. Und der Therapieplan schien aufzugehen: Mit einem Lächeln im Gesicht und viel Applaus bedankten sich die Gäste bei Körner für einen lustigen Abend. cok


 

Johannes Mayr und Heilswint Hausmann sorgen für einen vergnüglichen Abend. Schwier

HAZ Leine-Nachrichten 26.02.2007

Eine Reise über die Achterbahn des Lebens

Duo Vis à vie singt Schlager der zwanziger und dreißiger Jahre

Von Stephan Schwier
Hemmingen.
Mit Liedern der unvergessenen Marlene Dietrich und dem skurrilen Schlager vom kleinen grünen Kaktus nahm das Duo Vis à vie die Zuhörer im Bauhof mit zu einer musikalischen Reise zurück in die zwanziger und dreißiger Jahre. Das Konzert am Freitagabend lockte rund 40 Besucher in den Bauhof. Sie erlebten einen vergnüglichen Abend voller Erinnerungen an die Zeit der großen UFA-Filmstars.
„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ sang Heilswint Hausmann in ihrer eigenen Interpretation des berühmten Songs aus dem Film „Der Blaue Engel“. Ob Liebe, Sehnsucht oder Freude, die Sängerin verbindet die Liedtexte mit ihrer ausdrucksvollen Mimik. Sie ist auch eine sehr gute Violinistin. Gemeinsam mit dem Akkordeonisten Johannes Mayr bringt sie die Melodien zum swingen. Es erinnert an die Salonmusik der damaligen Zeit: Locker und verspielt klingen die Instrumente.
Johannes Mayr spielt sein Akkordeon virtuos und immer mit einem Augenzwinkern. „Die alten Schlager haben eine bestimmte Art von Humor, die ich mag“, sagt er. Die heutigen Texte seien doch eher plump.
Das Konzert der Musiker aus dem Westerwald war auch eine Reise über die Achterbahn des Lebens, wie Heilswint Hausmann sagte.


 

Fasziniert sein Publikum: Oliver Perau alias Juliano Rossi. Zottl

HAZ Leine-Nachrichten 12.02.2007

Lausbub wird zum Entertainer

Kultur 2: Juliano Rossi amüsiert Gäste

HEMMINGEN. Eine Mischung aus Lausbubencharme und Entertainment à la Frank Sinatra haben am Sonnabendabend rund 100 Zuschauer im ausverkauften Kulturzentrum bauhof erlebt. Der gebürtige Rethener Oliver Perau alias Juliano Rossi servierte dem Publikum eine Auswahl an Swingklassikern wie „The Lady is a Tramp“ von Frank Sinatra, „I Wake up Crying“ oder „This Guy is in Love with You“ des Komponisten Burt Bacharach. Begleitet wurde er dabei vom Pianisten Achim Kück, der unter anderem auch mit Peter Petrel, Ron Williams und dem Latinjazzgeiger Hajo Hoffmann spielt.Auch zwischen den Stücken bewies Rossi Entertainer-Qualitäten. Mit charmanter Frechheit sinnierte er über die seiner Ansicht nach verblühende Schönheit seines Geburtsortes, erzählte, wie er als Sechsjähriger angesichts eines Fernsehauftritts Frank Sinatras beschloss, später Raucher zu werden, und amüsierte mit spontanen Tanzeinlagen und Gesten.Am Ende blieb in den Herzen mancher Zuschauer das faszinierend unklare Gefühl, ob sie gerade einem großen Entertainer oder einem stimmgewaltigen Lausbuben aus der Nachbarkommune gelauscht hatten. Reizvoll. zo


 

Mitreißend (von links): Beatrice Kahl, Hajo Hoffmann und Omar Rodriguez Calvo von the latin jazz club beweisne sich als eingespieltes und inspiriertes Team. Zottl

HAZ-Leine-Nachrichten 29.01.2007:

Latinjazz geht den Zuhörern in die Füße

Jazzgeiger Hajo Hoffmann fasziniert Publikum im ausverkauften Kulturzentrum bauhof

VON PETRA ZOTTL
HEMMINGEN. Gehobenes Kulturerlebnis: Eine anspruchsvolle Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen und klassischen Jazzklängen hat das Quartett the latin jazz club am Sonnabend im ausverkauften Kulturzentrum bauhof geboten. Die rund 100 Zuhörer, die Karten für den begehrten Auftritt ergattert hatten, erlebten ein eingespieltes und inspiriertes Musikerteam, in dessen Zentrum der international agierende Jazzgeiger Hajo Hoffmann stand.
Der als Pionier der Jazzgeige in der lateinamerikanischen Musik bekannte Deutsche war spürbar der Kopf des Ensembles: Ein unsichtbares Band schien ihn mit Pianistin Beatrice Kahl, dem Bassisten Omar Rodriguez Calvo und Schlagzeuger Dennis Frehse zu veknüpfen. Gemeinsam webten die Musiker einen Klangteppich aus hochprofessioneller Instrumentalkunst.
Regelrecht selbstvergessen wippte Hoffmann schon vor dem ersten Ton im Takt und zählte jedes Stück mit Scatgesang-Lauten an. Mit seinem strahlenden und entspannten Lächeln nahm er sowohl die Musiker als auch das Publikum für sich ein, um nur kurz darauf in ekstastischer Manier seine Jazzgeige zu bearbeiten oder mit einschmeichelnder Stimme in portugiesischer Sprache zu singen. Neben einigen Eigenkompositionen ließen es die vier Profimusiker auch nicht an bekannten Jazzstücken wie „My little suede shoes“ von Charly Parker oder „Take Five“ von Dave Brubeck mangeln.
Trotz der einnehmenden Präsenz Hoffmanns blieb bei dem Konzert viel Platz für Soli der anderen Bandmitglieder, die das Publikum vom ersten Stück an mit kräftigem Zwischenapplaus belohnte. Ein Großteil der Zuhörer ließ sich sofort von der Spielfreude der Musiker anstecken. Sie konnten ihre Füße nicht mehr stillhalten und wippten bis zum letzte Ton im Takt mit.
Auch der, den der spezielle Klang der Jazzmusik nicht packte, beendete den Abend mit dem Gefühl, Musikkultur auf hohem Niveau erlebt zu haben.


 

 
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